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Die Alpen wachsen bis heute - nur nicht überall gleich

Wissenschaft

Stand: 30.08.2026 10:35 Uhr

Seit Millionen von Jahren wachsen die Alpen. Doch wo es heute in der Erde rumort und sich die Gipfel heben, unterscheidet sich lokal stark. Eine Übersichtsstudie aus Jena zeigt jetzt, wo tektonische Aktivität besonders vorhanden ist.

von MDR WISSEN

Vor etwa 84 Millionen Jahren begann die adriatische Platte – ein Teil der afrikanischen Platte – sich nach Norden zu bewegen und kollidierte mit der europäischen Platte. Riesige Mengen an Gestein wurden so nach oben gedrückt, übereinander geschoben, zerbrochen und aufgefaltet. Die Plattenbewegungen dauern bis heute an. Die Folgen sind Erdbeben, wenngleich starke Beben selten sind.

Erosion und Eis verstecken die Spuren aus der Vergangenheit

Die Zeichen von solchen Ereignissen in den Alpen sind aber nicht ganz so leicht zu deuten. "Spuren tektonischer Bewegung werden oft durch Erosion, Vergletscherung und andere landschaftsformende Prozesse überprägt oder gelöscht", erklärt Christoph Grützner von der Universität Jena.

Dennoch haben in den letzten Jahrzehnten viele solcher Spuren zu Tage gefördert. Grützner und sein Team haben jetzt eine umfassende Arbeit über die Erkenntnisse geschrieben, dutzende Studien analysiert. "Dadurch wissen wir heute genauer als je zuvor, wo unter den Alpen Reste abgesunkener Platten vorhanden sind", sagt Grützner. Ob diese sogenannten "slabs" jedoch die heutige Verformung im Alpenraum bestimmen, war bislang wenig erforscht. Hinzu kommt, dass sich die adriatische Platte und die europäische Platte sehr langsam aufeinander zubewegen. Alles macht die Erforschung schwierig, sagen die Forschenden.

Verformungen und Wachstum haben verschiedene Gründe

Daher haben sich die Jenaer den Forschungsstand genauer angesehen und besonders die Entwicklung der vergangenen rund eine Million Jahre in den Ost- und Südalpen untersucht. Ein wesentlicher Teil der Verformung konzentriert sich demnach am Rand der Südalpen. Hier treten auch immer wieder verheerende Erdbeben auf, zuletzt 1976 in Friaul. Eine weitere Zone erhöhter Aktivität findet sich im Westen von Slowenien, wo Scherbewegungen von etwa 1,5 Millimetern pro Jahr gemessen werden. Im Inneren der Ostalpen sind ebenfalls aktive große Störungssysteme vorhanden.

Zugleich gibt es Bereiche, die sich wenig oder gar nicht deformieren, wie beispielsweise in den Dolomiten. Dort ist die Erdkruste ungewöhnlich dick und schützt die Region vor Erdbeben. "Unsere Daten zeigen, dass wir die heutige Verformung nicht einfach direkt aus tiefen geologischen Prozessen ableiten können", sagt Erstautor Christoph Grützner.

Auch Gletscherschmelze beeinflusst die Bewegungen der Gipfel

Co-Autorin Gesa Petersen vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung (GFZ) ergänzt: "Die abgerissenen Reste der europäischen Platte unter den Alpen steuern nicht die gegenwärtige Deformation. Wir sehen jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen der derzeitigen Hebung und den ehemals vergletscherten Gebieten."

Das Abschmelzen der Gletscher hat seit der letzten Eiszeit nach und nach den Druck die auf die Erdkruste verringert. Diesen Druckverlust kompensieren die verschiedenen Schichten im Erdmantel, indem sie sich hebt – die Alpen wachsen dadurch wieder an einigen Stellen schneller als noch vor ein paar Tausend Jahren, etwa zwei bis drei Millimeter pro Jahr.

jar/pm

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