Die Anklagepunkte gegen ManCity und welche Strafe drohen könnte
Manchester City droht wegen mehrerer Verstöße eine empfindliche Strafe. Was genau wird dem englischen Spitzenklub vorgeworfen und wie könnte eine mögliche Strafe aussehen?
Jetzt könnte es endlich ernst werden: Dem englischen Spitzenklub Manchester City droht eine massive Strafe. Nach übereinstimmenden Berichten britischer Medien vom Freitag wurde der amtierende englische Pokalsieger wegen Verstößen gegen die Finanzregularien der Premier League in 114 von 115 Fällen für schuldig gesprochen.
Ein Strafmaß hat die von der Liga eigens eingesetzte Kommission noch nicht verkündet. Auch bleibt dem Champions-League-Sieger von 2023 noch die Möglichkeit einer Beschwerde. Das Verfahren gegen Manchester City läuft bereits seit 2023, der frühere Klub von Pep Guardiola hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen.
Auch nach den jüngsten Berichten gibt sich der Klub kämpferisch. "Das Verfahren ist noch lange nicht abgeschlossen, und unser Vertrauen und unsere Entschlossenheit, die Unschuld des Vereins zu beweisen, sind nach wie vor ungebrochen", schrieb Klubboss Khaldoon Al Mubarak am Samstag in einem offenen Brief auf der Homepage der Skyblues.
Was genau wird Manchester City aber eigentlich vorgeworfen? Hierfür muss man den Blick in gleich sechs unterschiedliche Richtungen werfen.
Acht Verstöße gegen die Gehaltsregeln bei Ex-Trainer Roberto Mancini
Da wären zum einen die mutmaßlichen Regelverstöße beim Gehalt des früheren City-Trainers Roberto Mancini. City soll gegen Regeln verstoßen haben, die sie verpflichten, vollständige Angaben zur Vergütung des Trainers in den entsprechenden Verträgen mit dem Trainer für den Zeitraum von 2009/10 bis 2012/13 zu machen. Der Italiener hatte den Klub 2012 zu seinem ersten Premier-League-Titel geführt.
Der Spiegel veröffentlichte Dokumente, darunter laut eigener Aussage Mancinis ersten Vertrag mit City über ein Grundgehalt von 1,45 Millionen Pfund vor Steuern sowie einen weiteren Vertrag über 1,75 Millionen Pfund jährlich als Berater für Citys in Abu Dhabi ansässigen Schwestervereins Al Jazira.
Aus ebenfalls veröffentlichten E-Mails geht offenbar hervor, dass Mancinis Firma Italy International Services (IIS) vierteljährlich Rechnungen an City stellte. Der Klub leitete dann das Geld an die Abu Dhabi United Group (ADUG), dem Haupteigentümer der City Football Group (CFG), weiter. Über diesen Umweg gelang das Geld dann wiederum zu Al Jazira.
Inmitten der Vorwürfe gegen Manchester City hat Mancini selbst die "Causa Doppelvertrag" heruntergespielt und sich von seinem früheren Arbeitgeber distanziert. "Das ist deren Problem, nicht meins", sagte der heutige Nationaltrainer Italiens am Montag.
Zwölf Verstöße im Zusammenhang mit der Spielervergütung
Zu den Vorwürfen gehören außerdem zwölf Verstöße gegen Vorschriften, die "einen Mitgliedsverein verpflichten, in den entsprechenden Verträgen mit seinen Spielern alle Einzelheiten zur Spielervergütung anzugeben". Das bedeutet: Auch an einzelne Spieler könnte es verdeckte Zahlungen gegeben haben. Für jede Saison von 2010/11 bis einschließlich 2015/16 werden jeweils zwei Verstöße vorgeworfen. Es wurde jedoch nicht bestätigt, auf welchen oder welche Spieler sich diese beziehen.
50 Vorwürfe wegen unterlassener Offenlegung finanzieller Informationen
Der Großteil der vorgeworfenen Verstöße bezieht sich darauf, dass finanzielle Informationen zu Sponsoringeinnahmen nicht ausreichend offengelegt wurden. Diese beziehen sich auf Einnahmen aus den Saisons 2009/10 bis 2017/18, wobei vorgeworfen wird, dass der Großteil dieser Gelder nicht von den eigentlichen Sponsoren, sondern von der Abu Dhabi United Group (ADUG) selbst gezahlt wurde.
Die zwei Hauptverträge wurden mit staatlichen Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen: dem Telekommunikationsunternehmen Etisalat und der Fluggesellschaft Etihad. In einem UEFA-Verfahren wurde jedoch festgestellt, dass Etisalat lediglich 1,5 Millionen Pfund (1,7 Millionen Euro) des Sponsorenvertrags über 16,5 Millionen Pfund (19,2 Millionen Euro) gezahlt hatte, die ADUG wiederum übernahm mit 15 Millionen Pfund (17,5 Millionen Euro) den Großteil für die beiden Jahre 2012 und 2013. Diese Vorwürfe wurden vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) jedoch als verjährt eingestuft.
30 Vorwürfe der mangelnden Kooperation
In der Anklageschrift heißt es außerdem, dass City gegen Vorschriften verstoßen habe, wonach ein Klub "mit der Premier League bei deren Ermittlungen kooperieren und diese unterstützen muss, unter anderem durch die Bereitstellung von Dokumenten und Informationen". In pro Saison sechs Fällen über einen Zeitraum von fünf Jahren von 2018/19 bis 2022/23 soll sich Manchester City an diese Regeln nicht gehalten haben.
Ein Urteil des Berufungsgerichts aus dem Jahr 2021 enthüllte, dass zwei Jahre nach Einleitung der Untersuchung der Premier League im Jahr 2018 ein Schiedsgericht City anwies, "bestimmte Dokumente und Informationen an die Premier League zu übermitteln und Erkundigungen bei Dritten einzuholen". City legte gegen diese Schiedsspruchentscheidung Berufung ein, unterlag jedoch. Der CAS entschied im Jahr 2020, dass City mit einer Geldstrafe von umgerechnet zehn Millionen Euro belegt werden sollte, nachdem der Verein die Ermittlungen der UEFA "behindert" hatte.
25 (oder drei) mutmaßliche Verstöße gegen die Regeln zur Rentabilität und Nachhaltigkeit
Bis 2026 mussten alle Klubs der Premier League die sogenannten "Profitability and Sustainability Rules" (PSR, deutsch: Regeln zur Rentabilität und Nachhaltigkeit), eine Art ligainternes Financial-Fair-Play-Regelwerk, einhalten. In den drei Spielzeiten von 2015/16 bis 2017/18 soll Manchester City auch dagegen verstoßen haben. Obwohl die Anklageschrift für jede Spielzeit acht oder neun einzelne Vorschriften umfasst, sind einige davon eindeutig nicht anwendbar. Streng genommen gibt es in diesem Abschnitt somit nur drei mutmaßliche Verstöße.
Fünf mutmaßliche Verstöße gegen die UEFA-Regeln
Und auch gegen die Finanzregeln der UEFA soll Manchester City verstoßen haben - in fünf Spielzeiten von 2013/14 bis einschließlich 2017/18. Da die Premier League seinen Klubs vorschreibt, die Finanzregeln der UEFA einzuhalten, sind auch diese Verstöße hinsichtlich der Finanzregularien der Liga relevant.
115, 130 oder insgesamt doch 108 Verstöße?
Über die genaue Anzahl von Verstößen gibt es unterschiedliche Angaben. Die Verwirrung darüber rührt von einigen Fehlern in der ursprünglichen Liste der Vorwürfe her, die am 6. Februar 2023 auf der Website der Premier League veröffentlicht wurde.
Es wurde zwar eine Korrektur herausgegeben, doch obwohl die Zahl der angeführten Regelverstöße damals insgesamt 130 betrug, konnten einige davon eindeutig nicht auf City zutreffen. Wenn die Verstöße gegen die Regeln zur Rentabilität und Nachhaltigkeit als jeweils ein Verstoß pro Saison gewertet werden, sollte die tatsächliche Gesamtzahl 108 betragen.
Wie geht es weiter?
Nach den Regeln der Premier League hätte City ab der Bekanntgabe des Urteils 14 Tage Zeit, um Berufung einzulegen, und das anschließende Verfahren müsste innerhalb von weniger als zwölf Wochen abgeschlossen sein. Sobald die Berufung verhandelt wurde – was in einem Zeitblock von höchstens fünf Tagen geschehen sollte – und ein Urteil gefällt wurde, wird erwartet, dass das Berufungsgremium auch die schriftlichen Begründungen für seine Entscheidungen veröffentlicht.
Der Verein würde eine Berufung einlegen, die sich ausschließlich auf die Entscheidung selbst bezieht und nicht auf eine daraus resultierende Strafe, da diese noch nicht feststeht. Um darzulegen, dass das Schiedsgericht in seinen Feststellungen falsch lag, dürfte City neue Beweismittel vorlegen – sofern diese dem Klub zuvor nicht zur Verfügung standen – und neue mündliche Ausführungen machen. Nach Abschluss der Anhörung wäre innerhalb von 30 Tagen mit einem Urteil zu rechnen.
Was wäre, wenn der Verein mit einer Berufung scheitern würde? Gemäß der Premier-League-Regel W.97 ist "die Entscheidung eines Berufungsgremiums endgültig". Doch es gibt noch einen letzten Rechtsweg: das Schiedsverfahren. Hierbei erscheint man vor einem weiteren Gremium namhafter Juristen, doch die Kriterien für eine Anhörung wären wesentlich strenger und ein erfolgreiches Schiedsverfahren wäre im Wesentlichen nur dann möglich, wenn festgestellt würde, dass das Richtergremium oder das Berufungsgremium das Rechtsverfahren missbraucht hat.
Wann und wie würde Manchester City bestraft werden?
Sollte es Manchester City gelingen, das Urteil aufzuheben, gäbe es natürlich keine Sanktion. Sollte City jedoch damit scheitern, steht dem Gremium eine Reihe von Maßnahmen zur Verfügung. Diese reichen von Geldstrafen bis hin zum vollständigen Ausschluss aus der Liga. Dazwischen liegen verschiedene sportliche Sanktionen, wie zum Beispiel Punktabzüge. Angesichts des Ausmaßes des Urteils muss City wohl mit einer Strafe am oberen Ende der Skala rechnen, sollte ein Einspruch erfolglos bleiben.
Ein Zwangsabstieg aus der Premier League ist laut dem "Guardian" jedoch unwahrscheinlich. Die Vereine der Premier League sowie die verschiedenen Absteiger sollen derzeit die finanziellen Verluste prüfen, die ihnen in der Zeit entstanden sein könnten, in der City gegen die angesprochenen Regeln verstieß. Es dürfte eine Welle von Klagen folgen.
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Es ist auch möglich, dass die abgestiegenen Vereine argumentieren könnten, sie seien abgestiegen, weil ihnen gegen ein betrügendes Manchester City Punkte vorenthalten wurden, die sie unter regulären Umständen vielleicht gewonnen hätten.