Die Bayern-Stars liefern
Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft gewinnt auch das zweite Testspiel der Länderspielreihe. Gegen ein organisiertes Team aus Japan tun sich die DFB-Frauen aber bedeutend schwerer als gegen Australien. Ausgerechnet durch eine Bayern-Spielerin geht Japan in Führung, doch zwei Teamkolleginnen und eine taktische Umstellung sorgen für die Wende.
Eine Analyse
von Victoria Kunzmann
Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Victoria Kunzmann sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informiere dich über die verschiedenen journalistischen Textarten.
Nach ihrer sanften Ballannahme musste Klara Bühl den Ball nur noch mit dem linken Fuß einschieben. Augenblicklich drehte sie sich um und wedelte mit ihren Armen, wie sie es schon das ganze Spiel über tat, um die Mannschaft und die Fans anzufeuern. Wir brauchen euch alle, wollte sie damit sagen.
Und die Fans enttäuschten sie nicht bei dem 2:1-Testspielsieg gegen starke Japanerinnen. Das lag an einem packenden Spiel mit Happy End für die deutsche Mannschaft. Das lag aber auch an einer beeindruckenden Klara Bühl, die ein Tor aufgelegt und ein weiteres selbst erzielt hat. Die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien ist in Sichtweite, auch wenn Bundestrainer Christian Wück noch nicht darüber reden wollte. "Ich habe das Gefühl, dass wir näherkommen, weil wir selber die richtigen Schlüsse ziehen", sagte Wück in der ARD, "auch wenn ich weiß, wir haben noch einiges zu tun." Was gut lief und was noch zu tun ist bis dahin.
Japan hält die DFB-Frauen in Schach – und geht in Führung
Vier Neue durften im Vergleich zum Test gegen Australien ran: In der Verteidigung spielten statt Janina Minge und Carlotta Wamser gegen Japan Sophia Kleinherne und Marie Müller. Linda Dallmann durfte im offensiven Mittelfeld von Beginn an ran, dafür rutschte Jule Brand wieder auf den rechten Flügel. Im Sturm spielte Nicole Anyomi, die im Sommer von Eintracht Frankfurt zu den London City Lionesses gewechselt war. Wück testete vor allem auf der Außenbahn und im Sturm, welche Spielerinnen zu seinem A-Kader gehören sollten.
Zunächst übernahmen die Weltranglistenfünften aus Japan die Regie: Die größten Probleme hatten die Innenverteidigerinnen Carlotta Wamser und Sophia Kleinherne sowie Elisa Senß im defensiven Mittelfeld, die sich zunächst immer wieder zurückfallen ließ. Die gute Organisation der Japanerinnen sorgte dafür, dass das deutsche Team kaum Zugriff auf das Spiel erhielt – und Momoko Tanikawa, Bayerns offensive Mittelfeldspielerin, fast ungehindert schießen und den Führungstreffer erzielen konnte (14.). Ein Stellungsfehler, vor allem von Kleinherne, die zu spät kam.
Deutschland baute nach einer halben Stunde mehr Dominanz auf
Schon vor der Partie im Bremer Weserstadion hatte der Bundestrainer prophezeit: "Die Japanerinnen sind am Ball mit Sicherheit eine der stärksten Mannschaften neben Spanien. Die werden uns schön fordern in der Arbeit gegen den Ball." So war es gekommen. Stürmerin Nicole Anyomi bekam kaum Zugriff und blieb ohne Torchance, auch Jule Brand blieb lange unter ihren Möglichkeiten. Sie verfehlte den Kasten der Japanerinnen nur einmal sehr knapp (11.). "Sie haben es immer wieder geschafft, eine Überzahl auf dem Platz zu kreieren", sagte Wück auf der anschließenden Pressekonferenz über die Japanerinnen.
Erst die offensivere Ausrichtung von Elisa Senß und Sjoeke Nüsken im zentralen Mittelfeld brachte Besserung. Auch die beiden ab und zu nach vorn rückenden Innenverteidigerinnen sorgten für mehr Dominanz im Mittelfeld, was sich in Torchancen und Toren ausdrückte.
Linda Dallmann sagte hinterher über das Spiel der Japanerinnen, sie seien "sehr schwer zu verteidigen, da muss man auch mal aushalten, dass sie den Ball haben", so Dallmann. "Da muss man im richtigen Moment zupacken."
Bayern-Stars sorgen für die Wende
Zupacken – das konnte sie selbst: Linksverteidigerin Franziska Kett spielte den Ball schön heraus und passte ihn zu Klara Bühl, die die Übersicht behielt und nach einem Lauf in die Tiefe auf ihre Bayern-Kollegin flankte. Dallmann schoss unter die Latte (28.). Ausgleich. Einmal mehr zeigte sich, wie eingespielt die Fußballerinnen des deutschen Meisters sind. Dallmann musste nach einer Drehung nicht einmal auf das Tor schauen, um es zu treffen.
Von der Kraft der Bayern wollte sie danach nichts wissen: "Wir haben heute als komplettes Team überzeugt. Es war auch wichtig, dass wir mal in Rückstand geraten sind und wie wir darauf reagiert haben."
Für die Entscheidung sorgte schließlich Bühl nach Vorlage der eingewechselten Stürmerin Kössler (73.). "Wir wissen, was wir an Klara haben, wir wissen, wie wichtig sie für unsere Mannschaft ist", sagte Wück nach der Partie und ergänzte in der Pressekonferenz, dass die 25-Jährige auch "für die Chemie im Team unheimlich wichtig" sei.
"Spiele können uns Mut geben": DFB-Frauen auf dem Weg nach Brasilien
Die Spiele zeigen: Gegen physisch starke Gegnerinnen, zu denen Australien eher zählt, schaffen es die DFB-Frauen leichter, eine Dominanz auf dem Feld aufzubauen und mitzuhalten, als gegen taktisch gut organisierte Teams wie Japan oder eben Weltmeister Spanien. Im November steht für das Team eine Reise nach Südamerika an, im Dezember werden die WM-Gruppen ausgelost.
Seit der EM 2025 in der Schweiz haben einige Spielerinnen das Team verlassen, Wück bastelt noch an seiner idealen Elf. Im ersten Test gegen Australien machte Stürmerin Melissa Kössler auf sich aufmerksam, auch Cora Zicai präsentierte sich als Alternative auf dem Flügel. Gegen Japan glänzten unter anderem die Bayern-Stars Bühl, Kett und Dallmann. Auch Torhüterin Ena Mahmutovic spielte in Abwesenheit von Ann-Katrin Berger solide, machte keinen Fehler, ließ aber drei Gegentore zu.
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Die beiden Testspiele gegen den 5. und den 15. der Weltrangliste machen Hoffnung: "Die zwei Spiele können uns Mut geben, wir haben uns von einer sehr guten Seite präsentiert", sagte etwa Linda Dallmann. So langsam darf also an die Reise nach Brasilien gedacht werden.