Die Bilanz: Volksbad-Planscherei kostete 1.349 Euro pro Stunde
Um tatsächlich für Wirbel und Emotionen zu sorgen, muss man in Berlin ja schon so einiges bieten. Der Aufbau eines mobilen Pools vor dem Theater hätte der Führungscrew der Volksbühne zwar einige Zeitungsberichte als Gratis-Werbung in der Sommerflaute gebracht, doch die Empörung über die wasserverschwenderische Vernichtung von 410.000 Euro Steuergeld blieb in einem engen Rahmen.
Badeverbot für Weiße
Erst als die Volksbühne auch noch weiße Mitmenschen von einem Badetag ausschließen wollte, kam die sicher erhoffte Reaktion auf die Provokation: „Diese Kunst-Aktion landet als Bauchklatscher!“ – so sprang etwa die BILD ins kalte Wasser des linken Theaters. Und tatsächlich setzte es viel Kritik am geplanten Badetag nur für Schwarze im temporären Volksbad vor dem Theater Volksbühne in Berlin-Mitte. Selbst die CDU fand dazu etwas Mut zur Kritik, CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers meinte: „Ich persönlich halte nichts davon, Menschen nach Hautfarben einzuteilen. Ich bin ein Freund des Miteinanders.“
Alexander Krauß (55), Chef des Berliner Steuerzahlerbundes, kritisierte dann auch generell die Pool-Aktion: „Ich halte es alleine schon für völlig unvertretbar, dass ein mit öffentlichen Mitteln hochsubventioniertes Theater Steuergelder für ein Schwimmbecken zweckentfremdet. Dass der Intendant dann bei den Zugangsregelungen eine Art Rassentrennung erlaubt, ist völlig indiskutabel.“ Dazu sollte erwähnt werden: Das Budget der Volksbühne auf dem Rosa-Luxemburg-Platz summiert sich auf 28 Millionen Euro, nur 4,4 Millionen davon kommen aus den Ticket-Verkäufen, der Rest muss mit Steuergeld zugeschossen werden.
Volksbühne-Intendant Matthias Lilienthal sieht seine Sommerattraktion als vollen Erfolg, was jetzt nicht wirklich überrascht: Er habe nur „positive Resonanz erhalten“, sagte er dazu der Berliner Zeitung. Insgesamt, so Lilienthal, seien 20.000 Besucher gezählt worden. Das ist insofern interessant, weil da an jedem der 38 Öffnungstage im Schnitt 526 Schwimmer im Theater-Pool geplanscht hätten – und Berlin-Mitte hatte in diesem Zeitraum auch zehn Regentage.
Die Kosten lassen sich in der Abschlussbilanz jedenfalls ganz korrekt nennen: Die 38 Öffnungstage vom 7. August bis zum 29. September kosteten 410.000 Euro, somit war jeder einzelne Badetag 10.789 Euro teuer, pro Stunde kam die Aktion auf 1.349 Euro. Für ein bisschen Provokation ein durchaus beachtlicher Preis. Was stand da auf dem Transparent?