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Die dunkle Seite des Rudi Carrell

Unterhaltung

Rudolf Wijbrand Kesselaar war einer der größten Showmaster Deutschlands. Wussten Sie nicht? Vielleicht ja, weil Sie Rudolf Wijbrand Kesselaar nur unter dem Namen Rudi Carrell kennen. Vor 20 Jahren starb das Unterhaltungsmultitalent – das auch durchaus eine dunkle Seite hatte. "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?", "Rudis Tagesshow", "Herzblatt", "Die Rudi Carrell Show – Laß dich überraschen", "Tante Trude aus Buxtehude" oder "7 Tage, 7 Köpfe": Rudi Carrell prägte die deutsche Unterhaltungsindustrie wie kein Zweiter – egal, ob als Sänger, Showmaster, Schauspieler oder Comedian. Carrell war ein Multitalent und vielleicht der letzte komplette Entertainer im deutschen Fernsehen, der auf so vielen Feldern brillierte. Zumindest vor der Kamera. Gleichzeitig war Rudi Carrell nämlich nicht nur der Rudi Carrell, den man als Zuschauer mal gut gelaunt, mal charmant oder mal schlagfertig-bissig vom Fernsehen kannte. Je nachdem, wen man fragt, fallen die Erinnerungen an Rudi Carrell unterschiedlich aus und es gibt bis heute Fakten über den Entertainer, die vielleicht nicht alle kennen. Rudi Carrells "Casa Edeka" Rudi Carrell war einer der erfolgreichsten und bekanntesten Entertainer Deutschlands. Das ist keine Neuigkeit, aber dieser Erfolg und diese Bekanntheit schlugen sich natürlich auch auf die Wahl seines Wohnortes nieder. Jemand wie Carrell wohnte weder in einer Studenten-WG noch in einem gut einsehbaren Reihenmittelhaus. Weil er es finanziell nicht musste und natürlich auch, weil ein Superstar wie er seine Privatsphäre zu schätzen wusste. 1975 fand er diese Privatsphäre in Syke, einer Kleinstadt knapp 30 Kilometer südlich von Bremen. Dort lebte Carrell im Herrenhaus des ehemaligen Ritterguts Wachendorf auf knapp 500 Quadratmetern mit 14 Zimmern, samt sieben Nebengebäuden inklusive einer Wassermühle und einem etwa 18 Hektar großen Park. Weil er das Landgut mit dem Geld aus einem Werbedeal mit Edeka umgebaut und renoviert hatte, bezeichnete er sein Zuhause auch als "Casa Edeka". Nach Carrells Tod erbten seine Kinder das Anwesen und verkauften es 2007 an ein Ehepaar aus der Umgebung, das daraus eine Pflegeeinrichtung machte. 2021 wurde der Gebäudekomplex dann erneut verkauft, wer die neuen Besitzer sind, ist jedoch nicht öffentlich bekannt. Das Anwesen in Syke-Wachendorf ist aber nicht der einzige Ort, an dem Carrell Spuren in der Region hinterlassen hat. Als Anerkennung für sein Engagement wurde Carrell im örtlichen Golfclub die Rudi-Carrell-Lounge gewidmet. Carrells Schattenseiten Nun soll man sich nicht schlecht über Verstorbene äußern, schließlich können die sich nicht mehr rechtfertigen und ihre Perspektive darlegen. So manche Weggefährten haben es aber dennoch getan und addiert man dazu noch die Aussagen, die Kollegen noch zu Carrells Lebzeiten über ihn getroffen haben, entsteht ein Bild, das so ganz anders ist, als es Carrells witzig-leichte Art als TV-Entertainer vermuten lässt. Im Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern galt Carrell als perfektionistisch, hart und cholerisch. So arg, dass das Aufnahmeteam von Carrells Show "Am laufenden Band" sogar einmal wenige Tage vor der Show gestreikt haben soll. Carrells Kollege Jochen Busse, mit dem Carrell bei "7 Tage, 7 Köpfe" zusammengearbeitet hatte, soll Carrells Arbeitseinstellung so beschrieben haben: "Ich weiß nicht, was Rudi Carrell für ein Mensch ist, ich kenne Rudi nur beruflich. Ich glaube, Rudi ist auch nur beruflich." Carrell selbst soll laut "NZR" über sich und seine Arbeitsweise gesagt haben: "Ich war im Studio ein widerliches Arschloch." Eine Einschätzung, der manch anderer Kollege wahrscheinlich nicht widersprechen würde, will man den Aussagen ehemaliger Wegbegleiter glauben. So soll Beatrice Richter, mit der Carrell für "Rudis Tagesshow" zusammengearbeitet hatte, laut "wunderbeib.de" über den Entertainer gesagt haben: "Ich bekomme immer noch Todesangst, wenn ich an ihn denke. Er war der kälteste Mensch, dem ich je begegnet bin." Und erneut Jochen Busse äußerte sich über Carrell so: "Rudi war der Mann mit dem schlechtesten Benehmen, den ich je kannte. Es herrschte ein Klima der Angst." Carrell erklärte sein rüdes Benehmen kurz vor seinem Tod in einem Interview mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" so: "Schuld an diesen Ausbrüchen waren meist meine Nervosität, meine Hemmungen, meine Angst – die Uhr läuft, in drei Stunden beginnt die Sendung und nichts klappt. In solchen Momenten habe ich Sachen gesagt, da steht die Todesstrafe drauf. Aber alle haben es kapiert." Rudi Carrell, "ein komplizierter Mensch" Comedian Patrick Nederkoorn hat ein differenziertes Bild seines Landsmanns: "Nach meinem Eindruck war Carrell eine ambivalente Persönlichkeit. Einerseits hat er Talente gefördert und ihnen eine große Chance gegeben, wenn er sie zum Beispiel zu 'Sieben Tage, sieben Köpfe' holte. Andererseits war er ein komplizierter Mensch, der sehr aufbrausend werden konnte. Carrell war es immer wichtig, das Beste für die Show herauszuholen", erklärte Nederkoorn in einem Interview mit der "NRZ". Perfektionistischer TV-Unterhalter einerseits, schwierig im Umgang andererseits: Rudi Carrell war eine vielschichtige Persönlichkeit, aber das sind im Grunde alle Menschen. Was Carrells Leben von dem anderer unterschied, war vor allem das, was er in diesem Leben erreicht und erlebt hat. Zum Beispiel den Eurovision Song Contest. Musikalisch verbindet man Rudi Carrell vor allem mit "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?" aus dem Jahr 1975, als er aus dem Originalsong "City of New Orleans" einen deutschsprachigen Sommerhit machte. Allerdings trat Carrell schon 15 Jahre vorher musikalisch in Erscheinung – mit etwas weniger Erfolg. 1960 vertrat Carrell nämlich sein Heimatland, die Niederlande, beim fünften Eurovision Song Contest, damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson, in London. Mit dem Lied "Wat een geluk" ("Was für ein Glück") holte er Platz 12 – bei 13 teilnehmenden Ländern. Trotzdem verlieh die Teilnahme beim ESC Carrells Karriere einen großen Schub. Auslöser einer Staatsaffäre "Was für ein Glück", konnte Rudi Carrell knapp 27 Jahre später noch einmal sagen. Nämlich "Was für ein Glück, dass ich hier nur fast eine Staatsaffäre ausgelöst habe". Was war passiert? In der Ausgabe von "Rudis Tagesshow" vom 15. Februar 1987 zeigte Carrell einen kleinen Videoclip über die Feierlichkeiten zur iranischen Revolution, in dem der damalige Staatschef Ayatollah Chomeini zu sehen war. Per Bildmontage wurde der Eindruck erweckt, Chomeini werde von der feiernden Menge Damen-Unterwäsche zugeworfen. Die Empörung war groß, der deutsche Botschafter in Iran wurde einbestellt, Carrell und seine Familie erhielten Morddrohungen. Carrell selbst bat für den Beitrag später um Entschuldigung und auf die Frage, ob er so etwas noch einmal machen würde, antwortete er 2006 in dem "SZ"-Interview: "Auf keinen Fall." Rudi Carrell und die Augen von Liz Taylor "Immer wieder" würde Carrell hingegen wohl über den Trick sagen, mit dem er einmal Elizabeth Taylor in seine Show bekommen wollte. Während Journalisten damals der Filmdiva vergeblich vor ihrem Hotel auflauerten, sei Carrell einfach in die Hotelbar gegangen und habe vom Barkeeper den Tipp erhalten, wann und wo Taylor dort immer esse – mit Erfolg. Einer von Taylors Begleitern habe Carrell dann erkannt und ihn zu der Schauspielerin und ihrem damaligen Partner Richard Burton an den Tisch gebeten. "Da saß ich zwei Stunden Liz Taylor gegenüber. Vor vierzig Jahren. Auge in Auge mit der damals schönsten Frau der Welt. Sie hat nur noch mich angeschaut", erzählte Carrell. Empfehlungen der Redaktion Trennung bei Steffi Brungs und Chris Wackert Vom Pokerkönig zum Entertainer AfD-Wahlwerbung mit Heino hat juristisches Nachspiel "Was habe ich alles erlebt! Das ist doch gigantisch!", sagte Rudi Carrell in dem "SZ"-Interview kurz vor seinem Tod. Und in der Tat können ein paar Anekdoten nicht einmal ansatzweise ein ganzes Leben zusammenfassen – aber immerhin ein paar Einblicke geben. Dass Carrell aber niemals ganz aus den Köpfen der Menschen verschwinden wird, ahnte der Showmaster bereits vor seinem Tod: "Ich kenne Wochenenden, wo ich jeden Tag irgendwo auftauche, imitiert werde und Höhepunkte aus meiner Karriere sehe. Ich werde noch lange als Wiederholung weiterleben."

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