Die Grazie einer Prinzessin
In Christopher Nolans „Die Odyssee“ spielt sie zum Beispiel die Göttin Athene, eine kleine, aber wichtige Rolle in diesem lauten und ernsten Film. In „The Drama“, das auch immer noch im Kino läuft, einem unterhaltsamen Psychodrama mit vielen überraschenden Wendungen, spielt sie die weibliche Hauptrolle. Und im neuen „Spider-Man“, soeben angelaufen, ist sie auch zu sehen. Darin ist sie zum wiederholten Mal das Love Interest des Titelhelden, der seit nunmehr drei Filmen von ihrem Love Interest im wahren Leben gespielt wird, dem wahnsinnig sympathischen englischen Schauspieler Tom Holland – er ist inzwischen ihr Ehemann. Der spielt wiederum auch in der „Odyssee“ mit, genau wie auch Robert Pattinson, mit dem Zendaya in „The Drama“ spielt. Daran sieht man, dass Zendaya den schauspielerischen Olymp der chosen few, um die sich Hollywood gerade reißt, bereits erklommen hat. Wer heute einen gigantisch teuren Kinofilm dreht und möchte, dass einem dafür weltweit auch junge Leute die Kinos einrennen, der kann nur beten, dass Zendaya mitspielt. Man kann ihr wirklich nicht nachsagen, einfach nur irgendeine hübsche Schauspielerin zu sein Bevor gleich erklärt wird, wie es zu diesem Erfolg kam, sei unbedingt noch die HBO-Serie „Euphoria“ erwähnt, in der es um die ganz dunklen Seiten der Jugend geht. Zendaya spielt die Hauptrolle, die drogenabhängige Rue, und kämpft darin so intensiv und glaubwürdig mit inneren Schwerst-Dämonen, dass man ihr wirklich nicht nachsagen kann, einfach nur irgendeine hübsche Schauspielerin zu sein. Die Klaviatur, die ihr schauspielerisch zur Verfügung steht, ist viel dunkler und abgründiger, als man meinen könnte, wenn man sie nur von Premierenfotos kennt, auf denen sie aussieht wie ein Supermodel. Oder von Interviews, bei denen man immer gar nicht fassen kann, wie freundlich, bescheiden und professionell jemand eigentlich sein kann. Sie und ihr Mann dürften auf jeden Fall mit Abstand das entzückendste Filmstar-Paar sein, das derzeit, ihre diversen Blockbuster bewerbend, um den Planeten tourt. Und nun zur raffinierten Dramaturgie ihres Aufstiegs. Sie ging nämlich an ihre Karriere heran, als hätte ihr eine Göttin ins Ohr geflüstert, wie man zum Star wird. Das fing schon mit der Entscheidung an, von Anfang an den Nachnamen einfach wegzulassen, als wäre man bereits jemand wie Cher, Prince, Madonna. Aber, wie gesagt, damit fing es nur an. Zendaya wurde am 1. September 1996 als Zendaya Maree Stoermer Coleman in Oakland, Kalifornien, geboren. Ihre Eltern waren beide Lehrer. Sie soll als Kind sehr schüchtern gewesen sein, und um sie aus ihrer Schüchternheit ein bisschen herauszulocken, steckten die Eltern sie in einen Hip-Hop-Tanzkurs, der ihr für ihre erste Serienrolle (wir erinnern uns: „Tanzen ist alles“) zugutekommen sollte. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass ihr Vater schwarz ist und ihre Mutter weiß. Nach gängiger Lesart ist Zendaya somit schwarz. Das schon mal merken, für später. Ihre Mutter, eine Grundschullehrerin, nahm irgendwann einen Zweitjob bei einem Theater an, zu dem Zendaya manchmal mitkam. Sie sei hin und weg gewesen von dieser Welt. War kaum noch loszueisen von den Theaterproben, half, wirklich noch ein Kind, bei Vorstellungen mit, indem sie der Souffleuse zum Beispiel mit einer Taschenlampe leuchtete. Sie bekam Schauspielunterricht, es gab erste Castings, erste kleine Engagements. Als sie dann für eine Hauptrolle in dieser Tanzserie besetzt wurde, zog ihr Vater mit ihr nach Los Angeles, um ihr die Karriere zu ermöglichen. Die Eltern trennten sich irgendwann. Ihr Vater wurde ihr Manager – die Mutter, so erzählt Zendaya es in Interviews, habe dafür gesorgt, dass ihr das Ganze nicht zu Kopf steige. Eines Tages soll sie, da ist sie noch 13, als angehender Disney-Star zu einer Premiere von irgendwas mit Justin Bieber gehen und braucht etwas zum Anziehen. Über einen Freund des Vaters kommt der Kontakt zu einem Stylisten zustande, der in Chicago einen Secondhandladen betreibt. Gleich als er sie zum ersten Mal gesehen habe, erzählt dieser Stylist heute, habe er gedacht, dass sie die Präsenz eines Filmstars habe und die Grazie einer Prinzessin. Er heißt Law Roach und wurde in Folge hauptberuflich zu Zendayas Stylisten. Ihr Stylist Law Roach schickte Zendaya ganz am Anfang so über rote Teppiche, als sei sie schon jemand Gemeinsam haben die beiden den Weltstar Zendaya erschaffen, als diese Person noch ein sehr junger Niemand aus Oakland war. Sie gingen von außen nach innen vor, man könnte auch sagen nach der Methode „Fake it till you make it“, und schickten Zendaya so über rote Teppiche, als sei sie schon jemand, bei dem die Modehäuser Schlange stehen, um sie anziehen zu dürfen. Und man weiß ja, dass Mode und Film eine monetäre Symbiose eingehen. Trägt Star XY bei einem öffentlichen Auftritt etwas von der Marke YZ, wirkt sich das auf deren Umsätze aus. Und an Zendaya, die 1,78 Meter groß ist (ihre Mutter ist 1,93 Meter), sehen Kleider einfach ganz besonders fabelhaft aus. Nicht alle Modehäuser wollten die junge Zendaya anfangs einkleiden, weil sie ihnen noch nicht bekannt genug oder zu Disney oder sonst was Verkehrtes war. Chanel zum Beispiel wollte lieber nicht. Dior auch nicht. Gucci auch nicht. Bis zum heutigen Tag lässt Law Roach Zendaya daher niemals Chanel, Gucci oder Dior tragen, jedenfalls nicht die neuen Kollektionen, weshalb die sich heute bestimmt in Grund und Boden ärgern für ihre anfängliche Reserviertheit. Roach, der ein schwarzer Mann ist (mit ellbogenlangen, glatten, schwarzen, mittelgescheitelten Haaren) wurde durch seine Zusammenarbeit mit Zendaya zum derzeit berühmtesten Stylisten der Welt. Er arbeitet inzwischen auch für andere Stars, etwa Céline Dion, und tritt in den USA auch im Fernsehen auf. Er und Zendaya sind Meister im „Method Dressing“ – so wird es genannt, wenn Schauspielerinnen PR-Termine für einen Film in Kleidung absolvieren, die mit der Filmrolle zu tun hat. (Man denke an Margot Robbie – nicht von Roach gestylt – und ihre unendliche „Barbie“-Pressetour). Soeben hat Zendaya ihre Schnürsandalen und weiße Göttinnen-Roben (das Modell auf unserem Foto ist von Louis Vuitton und wurde von ihr auf der Pariser „Odyssee“-Premiere getragen) abgelegt und gegen Kleidung eingetauscht, die eher rot oder schwarz (Spider-Man) ist oder im weitesten Sinne mit Netzen (Spinnen) zu tun hat. Bestimmt haben Sie Fotos davon gesehen. Zendaya und Law Roach ist gemeinsam etwas Großes gelungen: Sie haben geschafft, sich in einer Welt durchzusetzen, die Schwarzen sonst eher Nebenrollen zudenkt. Zendaya ist sich ihrer Bedeutung als schwarzer Frau in der Filmindustrie sehr wohl bewusst. Wie auch der Tatsache, dass sie es aufgrund ihrer hellen Haut leichter hat als Kolleginnen mit dunklerer Haut. Sie sei „Hollywoods akzeptable Version einer Schwarzen“, sagt sie selbst – und dass sich das ändern müsse. „Wir sind viel zu schön und zu interessant, um nur durch mich vertreten zu sein.“ Es ist wirklich unglaublich, wie viele schöne Eigenschaften die Götter hier in einer einzigen Person vereint haben.