„Die Leute rennen uns die Tür ein“
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Wegen Einspeisevergütung: PV-Anlage boomt in Oberbayern – „Die Leute rennen uns die Tür ein“
Von: Jonas Napiletzki
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Viele haben Torschlusspanik: Wegen neuer Regelungen wollen viele noch in diesem Jahr eine PV-Anlage aufs Dach. Ein Boom, der eigentlich nicht sein müsste.
Dietramszell – Stefan Christof steht fast jeden Tag ganz oben. Er kennt Dächer in München, Augsburg und Garmisch. Manchmal schaut er auf den Bodensee, meistens auf seine Heimat im Alpenvorland. Unter seinen Füßen glitzern schwarze Photovoltaik-Module in der Sonne. Wenn er von dort runterschaut, weiß er: Hier wollte er immer schon hin.
PV-Anlagen in Oberbayern sehr gefragt – Stefan Christof verbaut Hunderte Module
Christof montiert PV-Anlagen. Vor dreieinhalb Jahren hat er sich mit seinem Freund Anton Flinspach selbstständig gemacht. Die beiden kennen sich seit dem Kindergarten, heute führen sie die Firma „Energiesysteme Tölzer Land“. 860 Module haben sie heuer schon verbaut, 32 Anlagen fertiggestellt. „Die Leute rennen uns die Tür ein“, sagt Christof. Die Auftragsbücher sind voll. Eigentlich könnte es für den Gründer kaum besser laufen. Und trotzdem schweift sein Blick immer wieder sorgenvoll in die Ferne.
Es ist die Geschichte eines Gründers, der mitten in einem Boom gelandet ist – und nun erlebt, wie seine Kunden plötzlich Angst bekommen. Angst vor dem Ende der Einspeisevergütung. Christof selbst hält diese Sorge für weitgehend unbegründet. Denn die eigentliche Rechnung einer Photovoltaikanlage, sagt er, wird längst nicht mehr mit dem Strom gemacht, den man ins Netz verkauft. Sondern mit dem, den man selbst verbraucht.
Neue Regeln für Einspeisevergütung ab 1. Januar 2027
Zum 1. Januar 2027, so steht es im Regierungsentwurf, soll sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz ändern. Betreiber kleiner Anlagen müssen ihren produzierten Strom dann selbst vermarkten und erhalten keine vom Staat garantierte Vergütung mehr für eingespeisten Strom. Sehr kleine Anlagen, die noch in diesem Jahr angeschlossen werden, können bis 2029 von einer „befristeten Übergangszahlung“ profitieren.
Christof sieht darin zwar eine Verschlechterung der Bedingungen für die Branche. Vor allem aber beobachtet er, wie sehr die geplanten Änderungen die Leute verunsichern. Zeit zum Aufräumen, findet der 33-Jährige. Mit Mythen und Vorurteilen, die aktueller kaum sein könnten – und aus seiner Sicht trotzdem weitgehend aus der Luft gegriffen sind.
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„PV-Anlagen sind so wirtschaftlich wie noch nie“, meint Christof. Immer mehr Strom werde selbst verbraucht – etwa von Wärmepumpen oder Elektroautos. Drei von fünf Kunden lassen sich von den beiden auch eine Wallbox installieren. Gleichzeitig sind die Module günstiger geworden. „Wenn die Preise so bleiben, rentiert sich jede Anlage“, sagt der Gründer. Zum Start 2023 kostete ein Modul bei der Firma 150 bis 200 Euro, mittlerweile sind es nur noch 80 bis 100 Euro. „Auch die Speicherpreise sind massiv gesunken.“ Die Einspeisevergütung spiele schon jetzt kaum mehr eine Rolle für die Wirtschaftlichkeit.
Und trotzdem wollen bei Flinspach und Christof derzeit fast alle Kunden eines: ihre Anlage noch in diesem Jahr aufs Dach bekommen. Die geplanten Änderungen haben eine regelrechte Torschlusspanik ausgelöst. In ihrem Lager im Dietramszeller Ortsteil Baiernrain rollen die beiden fast täglich Paletten mit neuen Modulen herein, die kurz darauf montiert werden. Ein bis zwei Dächer bestücken die Männer pro Woche, unterstützt von einigen Helfern.
Christof versucht, die Aufregung mit einer anderen Rechnung zu erklären. „Wir planen die Anlage auf maximal Autarkie“, sagt er. Möglichst wenig Strom soll ungenutzt ins Netz fließen, so viel wie möglich soll selbst verbraucht werden. „Lieber spart man sich 30 Cent aus dem Netzstrom, als für sechs Cent einzuspeisen.“ Je nach Anlage rechnet der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit etwa vier bis zehn Jahren Amortisationszeit. Am schnellsten geht es in der Landwirtschaft, wo dauerhaft viel Strom verbraucht wird. Am einfachsten ist die Montage auf Einfamilienhäusern. Nicht nur Süd-Dächer seien geeignet, betont Christof. Auch auf Ost-, West- oder sogar Nordseiten lasse sich Strom erzeugen, etwa um die Autarkie zu stärken.
Neue Technik verbessert die Rentabilität
„Auch die Technik entwickelt sich schnell weiter“, sagt der Gründer. PV-Anlagen können mittlerweile mit Wärmepumpen kommunizieren. Scheint viel Sonne, produziert die Pumpe genau dann heißes Wasser, um die Pufferspeicher der Heizung und das Warmwasser für die Nacht zu füllen. Die Brandgefahr – eines der häufigsten Vorurteile – sei durch technische Sicherheitsmaßnahmen sehr gering. Und wenn der Elektromeister an bidirektionales Laden denkt, bei dem künftig E-Autos als Batteriespeicher in beide Richtungen dienen könnten, strahlt er.
Seit der Meisterschule, die er mit Anton Flinspach gemeinsam besucht hat, arbeitet der 33-Jährige im Bereich Erneuerbare Energien. „Ich glaube, dass das der richtige Weg ist, um CO₂ einzusparen“, sagt Christof. Er will weitermachen, wachsen, im nächsten Jahr 50 bis 60 Anlagen bauen. Denn wenn Stefan Christof auf den Dächern steht und in die Ferne schaut, sieht er vorwiegend eines: jede Menge freie Dächer. In diesen Momenten weiß der 33-Jährige: „Ich will das so lange machen, wie es geht.“