Die Linke in Berlin: Was Deutschland sich merken sollte
Linke in Berlin :
Was Deutschland sich vor Augen halten sollte
Ein Kommentar von Berthold Kohler
01.10.2026, 21:50Lesezeit: 2 Min.
Die Linkspartei in Berlin stimmt auf ihrem außerordentlichen Parteitag dafür, mit den Grünen und der SPD zu sprechen. In der Mitte die Spitzenkandidatin Elif Eralp.Reuters
Ein besorgniserregendes Experiment, wie Linkspartei, SPD und Grüne es in Berlin anstreben, kann die Republik sich nicht leisten.
Die Linke in ihrem Lauf halten weder ihr Antisemitismus, ihr Verhältnis mit dem Remmo-Clan noch eine Mitgliedschaft in der Roten Hilfe auf. Jedenfalls hinderte nichts davon die SPD und die Grünen daran, in Gespräche mit der Linkspartei darüber einzutreten, ob man zusammen Berlin regieren könnte. Wollen würden die drei das ohne Zweifel. Links von der Mitte hat niemand die Absicht, eine Brandmauer zu errichten; die wurde nur rechts der Mitte gebaut, um die Union einzumauern.
Eine rot-rot-grüne Koalition in Berlin wäre aus Sicht ihrer Befürworter endlich einmal wieder ein „Projekt“, in dem man nach Herzenslust linke Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik machen könnte, ungebremst von einer lokalen CDU, die, obwohl auch nach links gerückt, den echten Linken noch viel zu rechts ist.
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Das linke Auge drücken viele lieber zu als das rechte
Und sicher denken manche – die einen im Siegesrausch, die anderen aus Existenzangst – darüber nach, ob nicht auch eine lupenreine Linkskoalition im Bund möglich wäre. Dazu müssten die drei Parteien im Schnitt nur auf jeweils etwas mehr als 15 Prozent kommen. Das könnte durchaus erreichbar sein, wenn im politischen Chaos nach einem Zerbrechen der schwarz-roten Koalition die Karten neu gemischt werden würden und der Ruf erschallte, man müsse unbedingt verhindern, dass die AfD an die Macht komme – alles sei besser als das. Das linke Auge drücken bis heute viele viel lieber zu als das rechte.
Doch könnte sich auch ganz Deutschland ein Experiment leisten, wie es in Berlin unter besorgniserregenden Vorzeichen begonnen werden soll? Die Entwicklung in der deutschen Hauptstadt wird im Ausland, im befreundeten wie im feindlichen, genau verfolgt, aber nicht als Provinzposse gewertet, sondern als Zeichen schwindender politischer Stabilität nun auch in Deutschland. Schwanken oder straucheln wir, da hat der Kanzler recht, dann wankt auch das von Putin bedrohte und von Trump verlassene Europa. Das sollte die schwarz-rote Koalition, aber auch die breite Öffentlichkeit sich vor Augen halten, wenn über die Pflegeversicherung gestritten wird, die Zuckersteuer oder einen Strandkorb.
Quelle: F.A.Z.Artikelrechte erwerben
Berthold Kohler
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