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Die Party ist vorbei bei „Kaulitz & Kaulitz“: Hoffentlich ist dies die letzte Staffel

Unterhaltung

„The Party has arrived“, die Party ist da, flötet Bill Kaulitz gern, wenn er einen Raum betritt. Häufig ploppen kurz darauf Korken, Gläser klirren aneinander, und sein schallendes Lachen fliegt durch die Luft. Sein Zwillingsbruder Tom ist in diesen Momenten meistens auch mit dabei, zumindest in der erfolgreichen Reality-Serie „Kaulitz & Kaulitz“. Seit 2024 begleitet die Netflix-Produktion die beiden Bandmitglieder von Tokio Hotel bei ihrem Jetset-Leben zwischen den USA und Deutschland, die zweite Staffel gewann 2025 den Deutschen Fernsehpreis. Der Champagner fließt wieder in Strömen Nun läuft die dritte Staffel an. Auch hier fließt der Champagner wieder in Strömen, doch statt wie einst zu prickeln, schmecken die acht neuen Folgen, die von Donnerstag an auf Netflix verfügbar sind, wie eine schal gewordene Suppe. „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss alles sich ändern“, lautet ein berühmter Satz aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Der Leopard“ von 1958, und man wünscht sich, er hätte in großen Buchstaben auf dem Storyboard der Regisseure Annika Blendl und Michael Schmitt geprangt. Denn die allermeisten Handlungsstränge von „Kaulitz & Kaulitz“ wirken vor allem eins: erschöpft. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Wie in den ersten beiden Staffeln folgt man den Zwillingen in ihrem Alltag, in dem sich Renovierungsarbeiten, Poolpartys, Fotoshootings und Konzerte wahllos aneinanderreihen. Manche Ereignisse wie die Hochzeit des Bandkollegen Georg Listing mit dessen Langzeitfreundin Susanne werden bruchstückhaft über mehrere Folgen erzählt, Szenen wie der Dialog, dass Bill angeblich kein Schwimmabzeichen besitze, rauschen hingegen ungebremst und mit vielen Fragezeichen an einem vorbei. Die beiden sind zu ihrer eigenen Marke geworden Sei’s drum. Von der ersten Stunde an lebte „Kaulitz & Kaulitz“ von der unterhaltsamen Dynamik der Zwillinge. Als Teil der Boyband Tokio Hotel erlebten die beiden 2005 einen kometenhaften Aufstieg, das Debütalbum „Schrei“ mit der Single „Durch den Monsun“ verkaufte sich weltweit über 1,5 Millionen Mal. Gleichzeitig polarisierte die Band, Bill schlug viel queerfeindlicher Hass entgegen. 2010 zogen die Brüder nach Los Angeles, wo sie bis heute wohnen. Seit ein paar Jahren sind sie in Deutschland indes wieder omnipräsent. Sei es als Juroren bei „The Voice of Germany“, an der Seite von Toms Ehefrau, Topmodel Heidi Klum, oder als Hosts ihres Podcast „Kaulitz Hills“, der 2025 für einen Bambi nominiert war – ihre Musikkarriere ist eine verblasste Randnotiz, die beiden sind zu ihrer eigenen Marke mutiert. Externer Inhalt von Youtube Um externe Inhalte anzuzeigen, ist Ihre widerrufliche Zustimmung nötig. Dabei können personenbezogene Daten von Drittplattformen (ggf. USA) verarbeitet werden. Weitere Informationen . Zu Recht. Mit ihrer gegenseitigen Kabbelei, ihrem schlagfertigen Humor und der sympathischen Fähigkeit, sich selbst und andere nicht zu ernst zu nehmen, suchen sie in der deutschen Promilandschaft ihresgleichen. Auch bei der dritten Staffel „Kaulitz & Kaulitz“ muss man losprusten, wenn Georg Listing erzählt, wie er als Scheidungskind lange vor seiner eigenen Hochzeit gescheut habe und Bill im nächsten Moment trocken sagt: „Ich glaube, Georg war einfach zu geizig.“ Für acht neue Folgen à 45 Minuten reicht das bloß nicht mehr. Mittlerweile hat man die Rollenverteilung der beiden verstanden. Tom ist der glücklich verheiratete Bruder, der sorgenvoll auf das erratische Datingleben von Bill blickt. Dessen Vorliebe für Männer, die gern ein paar Minuten Sendezeit einsacken, aber ansonsten davon absehen, eine offen homosexuelle Beziehung einzugehen, thematisierten bereits die ersten beiden Staffeln zur Genüge. Nun planscht ein ähnlicher Typ Mann in Bills neuem Pool, der Konflikt zwischen den Brüdern ist absehbar und fürchterlich langweilig. Ihr eingeübter Schlagabtausch kann die Inhaltsleere der Serie nicht länger kaschieren. Substanz gewinnt sie nur, wenn es um die Jugend im Dorf Loitsche bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt geht. Aufgewachsen in einer Gegend, in der „unheimlich viele Rechtsradikale unterwegs waren“, wie Mutter Charlotte erzählt, fristeten die beiden ein von Gewalt geprägtes Außenseiterdasein. In Staffel drei besuchen sie die Orte ihrer Kindheit, veranstalten sogar eine nachträgliche Abschlussfeier (die beiden brachen nach ihrem Durchbruch die Schule ab), und wie diese schillernden Superstars in einer Mehrzweckhalle alten Wegbegleitern in die Arme fallen, ist wirklich ergreifend. Gut gerettet, denkt man sich. Aber bitte keine vierte Staffel. Selbst die beste Party ist irgendwann vorbei.

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