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Die Toten Hosen lassen es im Olympiastadion zum Abschied noch mal krachen

Unterhaltung

Die "Trink aus, wir müssen gehen"-Tour wurde angekündigt als letzte Tour zum gleichnamigen letzten Studioalbum und nicht zuletzt macht Tote-Hosen-Sänger Campino seit einigen Wochen in Interviews immer wieder deutlich, dass die Bandgeschichte wohl tatsächlich zu Ende sei. So oft das Wort Abschied aber auch fiel, so richtig kann und will man das aber trotzdem nicht glauben und sich die Toten Hosen im Ruhestand vorstellen. Ehrlich gesagt hat man ihrem zweieinhalbstündigen Auftritt vor über 70.000 Fans im restlos ausverkauftem Olympiastadion auch nicht den Eindruck, dass sie selbst daran glauben, dass es das jetzt wirklich war und am Ende dieser Konzerttournee der Band-Ruhestand wartet. Ihr Auftritt im Berliner Olympiastadion ist das 65. Berlin-Konzert der Band. Das Erste, erinnert sich Campino, fand kurz nach der Bandgründung 1982 vor knapp 45 Jahren im Kreuzberger SO36 statt. Immer wieder gibt es solche kleinen Erinnerungsausflüge und als die Toten Hosen "Was früher einmal war" spielen, werden die drei riesigen Bühnen-LED-Leinwände buchstäblich zu einem gigantischen Fotoalbum der Bandgeschichte. Doch so wehmütige Nostalgie, Traurigkeit oder Abschiedsstimmung kommt deswegen noch lange nicht auf. Über 30 Lieder lang von der ersten Minute bis zur dritten Zugabe und dem großen Finale gibt es volle Energie und keine Spur von Müdigkeit auf der Bühne. Am Anfang geht es dabei erstmal fast ein bisschen hastig zu und ohne echten Zusammenhalt von Song zu Song. Diese gewisse Hektik wird sogar noch verstärkt durch die wirr und anstrengend wirkende Leinwand-Präsentation des Bühnengeschehens umrahmt von psychedelischen Popart-Bildeffekten und visuellen Spielereien, die eher irritieren als mitreissen. Dem durchgetakteten und ansonsten perfekt organisierten Vergnügen dieses großen Toten-Hosen-Fests auf Deutschlands größter Konzertbühne tut das allerdings nicht den geringsten Abbruch. Spätestens als dann nach "Herr Lehmann"-Autor und Element-of-Crime-Frontmann Sven Regener auch noch Die-Ärzte-Star Farin Urlaub bei der zweiten Zugabe für sein "Hier sind die Hosen"-Loblied vorbeischaute und dann auch noch mit Campino ein "Schrei nach Liebe"-Duett anstimmt, hat man das Gefühl auf einer riesigen Familien-Party zu sein und die Stimmung erreicht den Höhepunkt des Abends. Vorab schon ordentlich eingeheizt von den britischen Punk-Ikonen The Stranglers ("Golden Brown", "Always the Sun") und den Beatsteaks wurde der vielleicht letzte Berlin-Auftritt der Toten Hosen zum denkwürdigen Wohlühl-Punk-Abend: herrlich warmes T-Shirt Wetter, dazu eine leicht erfrischende Brise, die über die vollbesetzten Ränge wehte, und die Toten Hosen in Bestform. Einen schöneren Abschied kann man sich nicht ausdenken. Aber die Hoffnung bleibt, dass Campino und seine Bandkollegen noch mal gründlich über die Rente nachdenken und bei dieser Abschiedstour so viel Spaß haben, dass das Comeback nicht lange auf sich warten lässt.

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