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Die Übersterblichkeit des Hitzesommers: Wo in Europa die meisten Menschen wegen des Klimawandels starben

Wissenschaft

Mehr als 50.000 Menschen sind in europäischen Städten im vergangenen Sommer hitzebedingt gestorben. Dieser Wert liegt deutlich über den Schätzungen für die Jahre 2003 und 2022 – bisher die beiden heißesten Sommer. Eine neue Analyse führt zudem mehr Todesfälle auf den Klimawandel zurück als je zuvor.

Der Einfluss der Erwärmung durch Treibhausgase, vor allem CO₂ aus der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas, hat zugenommen, berichten die Forschenden jetzt im Fachmagazin „Nature Health“.

Anfang der 2000er waren demnach etwa zwei Fünftel der Hitzetoten auf den Klimawandel zurückzuführen. Für das Jahr 2026 ergibt die Analyse, dass die menschengemachte Erwärmung für zwei Drittel der Todesfälle verantwortlich ist: Rund 33.000 Menschen starben, weil die Sommerhitze dadurch verstärkt wurde.

Abgleich von gemessenen und modellierten Daten

„Diese Zahlen machen deutlich, dass unsere heißeren, extremen Sommer immer schwerwiegendere Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben“, wird die leitende Extremwetterforscherin Clair Barnes vom Imperial College London in einer Mitteilung zitiert. Und sie verweist auf eine schwerer zu erfassende Folge des Klimawandels: „Hinter diesen Statistiken stehen Menschen, die ihr Leben verloren haben, und Familien, die um sie trauern.“

Das Team hat Wetterdaten aus 854 städtischen Gebieten in 30 europäischen Ländern analysiert (EU-27, Großbritannien, Norwegen und die Schweiz). Die Forschenden verglichen die gemessenen Temperaturen mit berechneten Werten, die ohne den Beitrag von Treibhausgasen zu erwarten gewesen wären. Auf diese Weise konnten sie die Zahl der durch den Klimawandel verursachten zusätzlichen Todesfälle abschätzen.

„Der Zusammenhang zwischen höheren Temperaturen und einer höheren Zahl hitzebedingter Todesfälle ist gut belegt und statistisch fundiert“, sagt Co-Autor Garyfallos Konstantinoudis vom Imperial College London. Das ermöglicht es, die Auswirkungen der Sommertemperaturen auf die Sterblichkeit zu modellieren und vorherzusagen.

„Unsere Schätzungen sind offiziellen Sterblichkeitsstatistiken bemerkenswert ähnlich“, sagt der Forscher. Sie würden nur geringfügig von Zahlen abweichen, die von nationalen Gesundheitsbehörden nach Auswertung der tatsächlich erfassten Todesfälle veröffentlicht wurden.

Hitzeschutz und Abkehr von fossilen Brennstoffen dringend erforderlich

Der Sommer 2026 in Europa war von mehreren aufeinanderfolgenden Hitzewellen geprägt. In Süd- und Westeuropa wirkte sich das am deutlichsten aus: Hier wurden die höchsten geschätzten Sterblichkeitsraten verzeichnet. Die Temperaturen lagen im gesamten Sommer etwa 2,9 Grad Celsius über dem Durchschnitt des Jahrzehnts von 1991 bis 2020. An einigen Tagen wurden Temperaturen bis zu zwölf Grad über dem langjährigen Mittel gemessen.

Die Hitze Ende Juni war besonders belastend: Schätzungen zufolge ereignete sich fast ein Drittel aller Todesfälle im Zeitraum vom 17. Juni bis zum 1. Juli.

In dieser Phase lagen die täglichen Durchschnittstemperaturen in der gesamten Region mehr als fünf Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020.

Die Analyse zeigt zudem, dass auch Menschen in städtischen Gebieten nordeuropäischer Länder betroffen waren, wo es normalerweise kühler ist. Die Zahl der Todesfälle im Vereinigten Königreich wird auf etwa 4400 geschätzt.

Für Deutschland liegt sie bei etwa 6400 und damit deutlich unter der Schätzung des Robert-Koch-Instituts.

Dessen Schätzung von mehr als 16.000 Todesfällen gilt jedoch für das gesamte Land, das Ergebnis der aktuellen Studie nur für die ausgewählten städtischen Gebiete. Sie widersprechen sich also nicht.

Die Studie zeigt auch, dass nicht nur über 65-Jährige starben, sondern auch viele jüngere Menschen. In den untersuchten städtischen Gebieten in Europa waren es demnach schätzungsweise 6000 Menschen unter 65 Jahren, die infolge der Hitze gestorben sind, also etwa jeder achte hitzebedingte Todesfall.

„Dies ist ein erneuter Hinweis darauf, dass gezielte Schutzmaßnahmen dringend erforderlich sind“, sagt die leitende Forscherin Clair Barnes. Dabei gehe es vor allem um diejenigen, die der zunehmend extremen Hitze am stärksten ausgesetzt sind, etwa weil sie im Freien arbeiten oder wenig Möglichkeiten haben, ihren Wohnbereich zu kühlen.

Die Forscherin schlägt auch vor, gegen die Ursachen des Klimawandels vorzugehen: „Es wird immer dringender, rasch von fossilen Brennstoffen wegzukommen, um das Tempo des Klimawandels zu verlangsamen und die künftige Erwärmung zu begrenzen.“

Dieser Artikel ist im Rahmen eines Rechercheprojekts zu Hitzewellen entstanden, das vom Urban Journalism Network koordiniert und vom Journalismfund Europe unterstützt wird.

Recherche: Peter Aldhous (CCIJ), Grafiken: David Meidinger (UJN), Koordination: Hendrik Lehmann, Gaby Khazalová (UJN), Recherche und Text Deutschland: Patrick Eickemeier (Tagesspiegel)

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