Die Ukraine greift die russisch besetzte Krim mit einer neuen Taktik an. Zerstörte Abwehranlagen öffnen Drohnen den Weg tief nach Russland
Die Ukraine greift die von Russland besetzte Krim mit einer neuen Taktik an. Mehr als 300 russische Flugabwehrsysteme, Radaranlagen und Mittel der elektronischen Kriegsführung seien in den vergangenen Monaten ausgeschaltet worden. Das erklärte der ukrainische Drohnen-Kommandeur Robert „Magyar“ Browdi in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Die ukrainische Armee wolle die Halbinsel militärisch isolieren und Moskaus wichtigste Nachschubdrehscheibe im Schwarzen Meer schwächen, so Browdi. Ukraine greift Russlands Stellung auf der Krim systematisch an Laut dem Offizier laufen die Angriffe nicht als einzelne Schläge, sondern nach einem festen Plan. Die ukrainische Armee nimmt gezielt Infrastruktur ins Visier, die Russlands Truppen auf der Halbinsel versorgt und schützt. Dazu zählen laut Browdi: Eisenbahnbrücken Versorgungsstraßen Treibstofflager Radaranlagen Flugabwehrsysteme Das Ziel: Die Krim soll für russische Truppen als sicherer Stationierungsort unbrauchbar werden. Die Halbinsel gehöre zu den „zentralen Pfeilern auf dem Weg zum Ende des Krieges“, sagte Browdi laut AP. Zerstörte Flugabwehr öffnet ukrainischen Drohnen neue Wege Browdi zufolge hat die Ukraine mit den Angriffen bereits spürbare Lücken in die russische Luftverteidigung gerissen. Wenn Radare und Flugabwehr ausfallen, können Drohnenschwärme leichter in größere Tiefe vorstoßen. Das sei der Zweck dieser Angriffe. ANZEIGE ANZEIGE Laut dem ukrainischen Kommandeur haben seine Einheiten in den vergangenen Monaten mehr als 300 russische Systeme der Flugabwehr zerstört. Diese Zahl lässt sich unabhängig nicht überprüfen. Aus seiner Sicht entstand dadurch aber bereits ein Fenster für weitere Schläge. Das habe sich bereits bei vier größeren russischen Angriffswellen in den vergangenen Wochen gezeigt, sagt Browdi. Dabei seien nur noch fünf Raketen von der Krim aus abgefeuert worden. Das deutet aus ukrainischer Sicht darauf hin, dass Russland die Halbinsel deutlich seltener als Abschussplattform nutzen kann als zuvor. Russland hält auf der Krim eine große Raketenmacht bereit Trotz der ukrainischen Angriffe bleibt die Gefahr für das ganze Land groß. Russland kann laut der französischen Zeitung „L'Independant“ derzeit rund 77 ballistische Raketen und Marschflugkörper gleichzeitig starten.