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Diese deutsche Stadt liegt in neuem Reise-Ranking unter den Top-25-Orten der Welt - und mit eurem Besuch ärgert ihr sogar die AfD

Welt

Die AfD übt seit Jahren Kritik am Bauhaus-Stil und seinen Stellenwert in Deutschland, besonders der Verband in Sachsen-Anhalt. Nachdem dieser zuletzt mit einem Rekordergebnis die Landtagswahlen gewann, wurde befürchtet, dass viele Tourist:innen Sachsen-Anhalt nun meiden. Jetzt wurde die Stadt Dessau, das Herz der Architekturschule, vom Reiseverlag "Lonely Planet" jedoch als eines der besten Reiseziele 2027 ausgezeichnet – ausgerechnet wegen des Bauhauses.

Dessau-Roßlau, eine 80.000-Einwohner-Stadt in Sachsen-Anhalt, steht ab sofort neben Rabat, Chengdu und Skanör-Falsterbo auf der Liste der weltweit besten Reiseziele. Der renommierte Reiseführer-Verlag "Lonely Planet" hat die Stadt in seine Auswahl "Best in Travel 2027" aufgenommen – als einziges deutsches Ziel unter 25 Destinationen weltweit.

Dessau verfügt über drei Unesco-Titel, als Grund für die Auszeichnung verweist "Lonely Planet" jedoch dezidiert auf eines davon: das Bauhaus. Die Architektur- und Designschule wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet und zog 1925 nach Dessau – wo sie ihre produktivste Phase erlebte.

Die Idee: Kunst, Handwerk und Industrie zusammendenken und Dinge so gestalten, dass sie funktional, erschwinglich und trotzdem schön sind. Klingt heute selbstverständlich, war damals aber radikal neu. Aus dieser Schule kamen Designklassiker wie der Freischwinger-Stuhl von Marcel Breuer, die Wagenfeld-Lampe – und eine Architektur, die mit Flachdächern, Glasfassaden und offenen Grundrissen das Bauen weltweit revolutionierte. Es prägt bis heute, wie unsere Alltagswelt aussieht.

Derzeit feiert das Bauhaus sein 100-jähriges Jubiläum in Dessau. Für die AfD in Sachsen-Anhalt Zeit, um sich vom Stil des weltweit gefeierten Kulturerbes abzuwenden.

Dessau und Bauhaus von "Lonely Planet" empfohlen

"Lonely Planet" ist einer der berühmtesten Herausgeber von Reise-Rankings weltweit und die Bauhaus-Ode in "Best in Travel 2027" fand daher zuletzt große Aufmerksamkeit.

Dort hieß es:

Das Bauhaus sei "die bedeutendste aller Designideen, die auch ein Jahrhundert später noch den Kern unseres Alltags ausmacht". Ein Besuch in Dessau fühle sich an, "als würde man zur Quelle dessen gelangen, wie wir mit unserer Alltagsarchitektur umgehen". Empfohlen werden neben dem ikonischen Bauhausgebäude ("eher genial als schön") auch die Meisterhäuser – die Villen von Gropius, Klee und Kandinsky – sowie die Arbeitersiedlung Dessau-Törten.

AfD will Bauhaus als Identität Sachsen-Anhalts abschaffen

Einen besonderen Kontrast bildet diese Liebeserklärung vor allem zu lauten Meinungsbeiträgen der AfD über das Bauhaus in den vergangenen Monaten und Jahren. Bereits im Oktober 2024 hatte der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Hans-Thomas Tillschneider, das Bauhaus im Landtag zum "Irrweg der Moderne" erklärt.

In ihrem Programm zur Landtagswahl am 6. September 2026 bezeichnete die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische eingestufte Partei das Bauhaus dann als "umstrittene Architekturschule". Sie diagnostizierte dem Land eine "Identitätsstörung, die wir kritisieren und die wir heilen werden".

Die Landeskampagne #moderndenken, mit der Sachsen-Anhalt sich in den vergangenen Jahren als Innovationsstandort im Stile des Bauhauses zu positionieren versucht, will die AfD demnach durch #deutschdenken ersetzen. Statt Bauhaus sollen demnach lieber Heinrich I., Otto I., Luther, Bismarck und Nietzsche als kulturelle Bezugspunkte beworben werden.

Im Wahlprogramm kündigte die AfD zudem "patriotische Tourismuskonzepte" an.

Dessau besuchen als AfD-Protest – neben Bauhaus auch Unesco-geschützte Natur

Nach der Wahl berichtete der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband dann von vereinzelten Stornierungen von Tourist:innen, die Sachsen-Anhalt aus Protest oder Angst vor der AfD nun meiden wollen. Eine große Stornowelle ist bisher laut der "Ostdeutschen Allgemeinen" aber ausgeblieben.

Und das ist vielleicht auch erstmal gut so. Niemand hätte was davon, wenn sich wegen der Wahl der AfD Tourist:innen von Sachsen-Anhalt abwenden. Speziell diejenigen Personen, Organisationen und Kulturstätten, die der AfD eben nicht anhängen, dürften sonst alleine gelassen werden.

Ob gewollt oder ungewollt dürften sich daher viele über Dessaus "Lonely Planet"-Auszeichnung und die prominente Bauhaus-Ehrung besonders kurz nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt freuen. Sie könnte als Anstoß genutzt werden, dass wieder mehr Menschen Dessau besuchen, auch als Zeichen gegen die AfD.

Selbst für viele, die gar nichts mit dem Architektur- und Designstil anfangen können, dürfte sich eine Reise nach Dessau lohnen: Die Stadt liegt eingebettet in das Gartenreich Dessau-Wörlitz, eine 142 Quadratkilometer große Parklandschaft mit mehreren Schlössern, zudem Tempeln und kunstvoll angelegten Kanälen – ebenfalls ein Unesco-Weltkulturerbe.

Wer es lieber aktiv mag, findet an Elbe und Mulde eines der letzten naturnahen Flussgebiete Europas, das als Unesco-Biosphärenreservat geschützt ist – ideal zum Radfahren und Wandern. Drei UNESCO-Titel auf 80.000 Einwohner – das muss eine Stadt erstmal hinbekommen.

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