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Diese Nestlé-Produkte sind "Mogelpackung des Monats"

Wirtschaft

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Mini-Beutel mehrerer Nestlé-Produkte zur "Mogelpackung des Monats" gekürt: Statt 13 Stück stecken nur noch 10 in der Tüte – die Preise sinken aber gar nicht oder nur kaum. Was hinter dem Phänomen Shrinkflation steckt und wie Verbraucher steigende Kosten im Supermarkt erkennen.

Wer aktuell zu den Mini-Sammelpackungen von KitKat, Lion oder Smarties greift, erhält deutlich weniger als noch vor Kurzem: Nestlé hat die Stückzahl pro Beutel von 13 auf 10 reduziert.

Wer nicht besonders aufmerksam ist, bekommt davon wohl erst mal nichts mit. Auf der Verpackung steht lediglich der Hinweis "Neues Format – jetzt". Dass dieses neue Format erheblich weniger Inhalt bedeutet, verschweigt der Süßwarenkonzern. Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat die geschrumpften Beutel deshalb zur "Mogelpackung des Monats" gekürt – und spricht von einem besonders dreisten Fall von Shrinkflation.

Was ist Shrinkflation?

Der Begriff setzt sich aus dem englischen Wort "shrink" (schrumpfen) und "Inflation" zusammen und beschreibt eine Praxis, bei der Hersteller die Füllmenge eines Produkts verringern, den Preis jedoch beibehalten oder sogar anheben.

Wie teuer die "Schrumpfkur" für Kundinnen und Kunden tatsächlich wird, hängt maßgeblich vom jeweiligen Händler ab. Denn während der Hersteller lediglich eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) ausspricht, bestimmt der Handel den tatsächlichen Regalpreis.

So groß ist die versteckte Preiserhöhung

In Hamburger Rewe-Filialen etwa lag der Verkaufspreis nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale Hamburg zunächst weiterhin bei 4,79 Euro – obwohl drei Minis weniger in der Tüte steckten. Bezogen auf die Stückzahl entsprach das einer versteckten Preiserhöhung von rund 30 Prozent. Erst kurze Zeit später korrigierte Rewe den Preis auf 3,79 Euro nach unten, womit die Verteuerung pro Stück immer noch bei knapp drei Prozent lag.

Bei Rossmann und Kaufland vollzog sich die Preisanpassung auf 3,79 Euro zeitgleich mit der Umstellung auf die kleineren Beutel – auch hier resultiert eine Preissteigerung von knapp drei Prozent pro Stück. In einigen Hamburger Edeka-Filialen hingegen kosteten die Beutel bereits zuvor 3,79 Euro. Da der Preis dort nach der Füllmengenreduzierung unverändert blieb, schlägt die versteckte Preiserhöhung mit 30 Prozent zu Buche, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

90 Prozent teurer in fünf Jahren

Es handelt sich nicht um die erste Reduktion bei diesen Produkten. Schon in den vergangenen Jahren hatte Nestlé die Füllmenge schrittweise verringert. Im Mai 2021 enthielt ein Beutel noch 15 Minis und kostete 2,99 Euro. Danach schrumpfte der Inhalt zunächst auf 13 Stück bei gleichbleibendem Preis. Mittlerweile befinden sich nur noch 10 Stück in der Tüte, und der Regalpreis liegt deutlich höher.

Auf Basis der Daten in der Mogelpackungsliste der Verbraucherzentrale Hamburg ergibt sich zwischen 2021 und 2026 bei KitKat Minis und Smarties Minis eine Preissteigerung von 90 Prozent. Dieser Anstieg übertreffe die durchschnittliche Teuerung bei Lebensmitteln im selben Zeitraum um mehr als das Doppelte, so die Verbraucherschützer.

Geht man in der Datenbank noch weiter zurück, findet sich für das Jahr 2014 ein Preis von 1,99 Euro für 14 Minis – daraus resultiert je nach Sorte eine Verteuerung von bis zu 166 Prozent innerhalb von zwölf Jahren.

Nestlé verweist auf günstigeren Verkaufspreis

In einer Stellungnahme vom 22. Juli 2026 räumt Nestlé die Füllmengenreduzierung ein. "Durch diese Anpassung ist es uns möglich, die Minis-Beutel zu einem günstigeren UVP von 3,79 Euro anzubieten. Der bisherige UVP war 4,79 Euro." Allerdings verweist das Unternehmen auch darauf, dass die Preishoheit dem Handel obliege "und wir keinen Einfluss auf den Regalpreis haben".

Die Verbraucherzentrale Hamburg ordnet diese Darstellung so ein: "Zur Klarstellung: Der 'günstigere' UVP ist unterm Strich trotzdem eine Preiserhöhung um 3 Prozent."

Auch höhere Umweltbelastung

Die neuen Füllmengen haben nicht nur finanzielle Folgen für Verbraucher, sondern belasten auch die Umwelt. Wie die Verbraucherzentrale Hamburg feststellt, seien die Beutel bei den Lion Minis und Smarties Minis trotz geringerer Füllmenge gleich groß geblieben. Lediglich bei den KitKat Minis seien die Tüten erkennbar geschrumpft.

Um zehn Millionen einzelne Minis abzupacken, seien bei 13 Stück pro Beutel rund 770.000 Tüten nötig gewesen. Bei nur noch 10 Stück pro Beutel brauche man hingegen eine Million – also rund 230.000 zusätzliche Umverpackungen, rechnen die Verbraucherschützer vor.

Die Packungen von Nestlé sind kein Einzelfall. Eine Studie im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands aus dem Jahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass jährlich 1,4 Millionen Tonnen Müll in Deutschland eingespart werden könnten, wenn Hersteller auf überdimensionierte Verpackungen verzichten würden. Strengere gesetzliche Vorgaben könnten manche Verpackungen um bis zu 27 Prozent verkleinern.

Wie Verbraucher Shrinkflation erkennen können

Verbraucherschützer kritisieren Shrinkflation seit Jahren. Wie der Bundesverband der Verbraucherzentrale erklärt, setzen Hersteller dabei häufig auf Verschleierungstaktiken. Hinweise wie "neue Rezeptur" oder "bessere Qualität" sollen davon ablenken, dass weniger Inhalt in der Verpackung steckt. Mitunter verändern Produzenten die Packung kaum oder nur minimal, damit die Reduktion auf den ersten Blick nicht auffällt.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist die versteckte Preiserhöhung dadurch schwer zu erkennen. Wer versteckten Preiserhöhungen im Supermarkt auf die Spur kommen möchte, sollte den Grundpreis beachten, also den Preis pro Kilogramm oder Liter, der am Regalschild ausgewiesen sein muss. Derzeit lassen sich Produkte unterschiedlicher Packungsgrößen tatsächlich nur so miteinander vergleichen. Bei Verdacht auf eine Mogelpackung kann man sich an die Verbraucherzentrale des jeweiligen Bundeslandes oder an die zuständigen Eichämter wenden.

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Der Verband fordert mehr Transparenz im Supermarkt und verlangt, Hersteller als Verursacher von Mogelpackungen mehr in die Pflicht zu nehmen. So sollten Hersteller verpflichtet werden, Warnhinweise auf der Verpackung anzubringen, wenn sich Füllmenge oder Zusammensetzung eines Produkts geändert haben – und zwar für mindestens sechs Monate. In Frankreich etwa müssen Händler seit dem 1. Juli 2024 am Regal auf derartige Mogelpackungen aufmerksam machen. (red)

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