Dieser Herzchirurg bekommt selbst ein Spenderherz
Er operiert Menschen, entwickelt neue Transplantationsverfahren und kämpft gegen den Mangel an Spenderorganen. Gleichzeitig weiß Robert Montgomery über Jahre, dass auch sein eigenes Herz irgendwann versagen könnte. Nachdem er einige Male knapp dem Tod entkommt, dann die Rettung: ein Spenderherz. Aber es gibt ein ungewöhnliches Risiko.
Schon sein Vater stirbt an der Herzkrankheit
Robert Montgomery wird schon seit seiner Jugend von einer Herzkrankheit begleitet. Sein Vater leidet an einer dilatativen Kardiomyopathie, bei der sich die Herzkammern erweitern und Rhythmusstörungen und Herzversagen folgen kann. Er stirbt, als Montgomery erst 16 Jahre alt ist. Er fasst den Entschluss, Medizin zu studieren. Später stirbt auch sein Bruder mit 35 Jahren an einer dilatativen Kardiomyopathie. Daraufhin wird Montgomery untersucht. Der Schock kommt schnell: Die Diagnose trifft auch ihn.
Seine Karriere gibt er trotzdem nicht auf. Im Gegenteil: Montgomery spezialisiert sich auf Transplantationen und arbeitet unter anderem daran, mehr Menschen den Zugang zu Spenderorganen zu ermöglichen.
Über seinen damaligen Antrieb berichtet er der „New York Times“ in einer ausführlichen Reportage: „Ich ging nicht davon aus, dass ich ein normal langes Leben führen würde – mir war klar, dass ich eine Herztransplantation brauchen oder sonst sterben würde –, also hatte ich es eilig und war hyperfokussiert.“
In Patagonien bleibt sein Herz stehen
2010 wird die Gefahr plötzlich real. Bei einer Wanderung in Patagonien rast Montgomerys Herz, dann stürzt er in den Schnee. Ein implantierter Defibrillator reagiert und bringt sein Herz mit einem elektrischen Impuls wieder in einen normalen Rhythmus.
Sieben Jahre später erleidet er einen Herzstillstand. Auf dem Weg zur Klinik muss sein Sohn John ihn in einem Jeep reanimieren. Nach mehr als einem Monat im künstlichen Koma wacht Montgomery wieder auf. Danach muss er grundlegende Fähigkeiten wie Laufen, Essen und Sprechen neu erlernen.
Doch damit ist es nicht vorbei. Bei einer Broadway-Aufführung bricht Montgomery erneut zusammen und wird reanimiert. 2018 folgen während einer medizinischen Tagung in Italien sogar vier Herzstillstände in kurzer Folge. Sein Zustand ist nun so ernst, dass er schließlich für eine Herztransplantation gelistet wird.
Das Spenderherz birgt ein zusätzliches Risiko
Dann kommt die ersehnte Nachricht: Ein passendes Herz steht zur Verfügung. Allerdings gibt es eine Besonderheit. Der Spender starb infolge einer Heroinüberdosis und war mit Hepatitis C infiziert.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Transplantation von Hepatitis-C-positiven Herzen noch ein vergleichsweise neues Verfahren, was Montgomery zum Teil einer klinischen Studie macht. Der Chirurg kennt die Argumente dafür aus seiner eigenen Arbeit. Er hatte Patienten selbst dazu geraten, solche Organe in Erwägung zu ziehen, weil Hepatitis C medikamentös heilbar ist.
„Viele meiner Kollegen hielten mich für verrückt“, erinnert sich Montgomery. Seine eigene Schlussfolgerung fällt trotzdem eindeutig aus: „Also: Warum eigentlich nicht ich?“ Sechs Stunden später schlägt ein neues Herz in seiner Brust. Montgomery übersteht den Eingriff und erholt sich ungewöhnlich schnell. Bereits zwei Tage später sitzt er im Bett und beschäftigt sich wieder mit medizinischen Unterlagen.
Seine eigene Transplantation verändert zugleich seinen Blick auf ein Problem, mit dem er sich beruflich längst beschäftigt: Es gibt nicht genügend menschliche Spenderorgane.
Schweineorgane sollen neue Möglichkeiten schaffen
Montgomery richtet seinen Blick deshalb auch auf die Xenotransplantation. Dabei werden Organe einer anderen Spezies für eine Transplantation auf Menschen erforscht.
2021 verkündet sein Team einen wichtigen Versuch: Eine genetisch veränderte Schweineniere wird einem hirntoten Menschen eingesetzt. Dessen Familie hat dem Experiment zugestimmt. Das Organ arbeitet während der zugelassenen Beobachtungsdauer von 54 Stunden und zeigt keine Abstoßungsreaktion.