Dieser Windkraftpionier musste einen Insolvenzantrag stellen
Flaute bei der Windkraft: Die Geschäftsführung der Sowitec group GmbH hat beim zuständigen Amtsgericht Tübingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung gestellt. Neben der Gesellschaft betrifft das auch die Sowitec international GmbH, die Sowitec operation GmbH und die Sowitec projekt GmbH. Das Familienunternehmen Sowitec mit Sitz in Sonnenbühl wurde 1993 von den Brüdern Frank und Gerd Hummel gegründet. Ein Jahr später baute die Firma den ersten Windpark Süddeutschlands, in den Folgejahren wurden 50 Windturbinen in ganz Deutschland aufgestellt. Seit 2003 ist Sowitec auch weltweit tätig, 2012 ging ihr erster internationaler Windpark in Brasilien in Betrieb. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen laut Homepage 140 Mitarbeiter und ist in 14 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Insolvenzanträge wurden unvermeidlich „Die Stellung der Insolvenzanträge wurde unvermeidlich, nachdem in den letzten Tagen sämtliche Versuche der Geschäftsführung gescheitert sind, die Inanspruchnahme durch einen Lieferanten und aus Aval-Bürgschaften zu verhindern und diesbezüglich eine Stundung zu erreichen“, schreibt Frank Hummel, Gründer und Geschäftsführer von Sowitec, in einer ersten Stellungnahme. Der Betrieb wird uneingeschränkt fortgeführt Diese Darstellung bestätigt der als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellte Stuttgarter Rechtsanwalt Holger Leichtle: „Versuche der Geschäftsführung, Lösungen zu finden, sind gescheitert. Darüber hinaus seien erwartete Zahlungen von Kunden aus Südamerika nicht fristgerecht eingegangen. Der Geschäftsbetrieb der betroffenen Gesellschaften wird uneingeschränkt fortgeführt. Die Löhne der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld gesichert“, schreibt Leichtle in einer Pressemitteilung. Zu seinen Aufgaben gehört neben der Sicherstellung der Betriebsfortführung die Prüfung der Sanierungsfähigkeit, die Sondierung von Investoreninteressen sowie die Vorbereitung eines geordneten Insolvenzverfahrens. Leichtle hat seine Tätigkeit unmittelbar nach seiner Bestellung am Mittwoch vor Ort aufgenommen. Um sich einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Lage und die laufenden Vorhaben zu verschaffen, ist er mit einem großen Team präsent und prüft derzeit die bestehenden Projekte auf Werthaltigkeit und Durchführbarkeit. Wie es mit den 15 geplanten Windkraftanlagen in Gammertingen und Kettenacker weitergeht, ist nach derzeitigem Stand offen. Vor acht Monaten hatten Bürgermeister Andreas Schmidt, Sowitec-Geschäftsführer Gerd Hummel und die Stadtwerke Tübingen auf einer Bürgerversammlung über das Vorhaben informiert und starken Gegenwind von den Einwohnern zu spüren bekommen.