Digitale Zukunft: Ein Konto, ein Ausfall, alles weg? - Meinung
Server down, nichts geht mehr! So hieß es in den vergangenen Tagen für Millionen von Spielern weltweit. Technische Probleme sorgten für umfangreiche Ausfälle des PSN. Der Beta-Start des Kloppers „Marvel Tokon: Fighting Souls“ fiel damit für viele ins Wasser, ebenso wie muntere Online-Sessions mit Freunden. Das Netz reagierte mit Spott und Hohn. Kein Wunder, schließlich ist der Ausfall des PSN Wasser auf die Mühlen der „Digital only“-Kritiker. Nachdem Sony zuletzt das Datenträger-Aus ab Januar 2028 ankündigte, hagelte es einen Shitstorm für die PlayStation-Macher. Und nicht wenige langjährige PS-Fans kündigten an, dass die PlayStation 5 ihre letzte Konsole sein würde. Wie viele diesem aus der Emotion heraus getätigten Boykottaufruf am Ende tatsächlich nachkommen, bleibt jedoch abzuwarten. Allerdings zeigt die jüngere Vergangenheit auch, auf welch wackeligen Beinen die kommende Konsolengeneration steht. Ganz egal, ob es die hohen Hardwarepreise oder eben der Fokus auf den digitalen Vertrieb ist – das Gaming wird sich verändern, und mit dem technischen Fortschritt kommt auch die absolute Abhängigkeit davon, um überhaupt spielen zu können. Mehr als nur das Ende der Disc Bereits in früheren Artikeln haben wir die Probleme des Datenträger-Aus skizziert. Von einem möglichen Preismonopol seitens Sony über die Hindernisse bei der Archivierung bis hin zum Zusammenbruch des Gebrauchtspielemarkts. Es gibt mehr als genügend Gründe dafür, eine digitale Gaming-Zukunft mit Argwohn zu betrachten. Zugleich greift die Debatte aber zu kurz, wenn sie sich nur um Spielehüllen, Sammler und Wiederverkaufswerte dreht. Die größte Gefahr liegt in der Technik. Wenn eine digitale Bibliothek und auch damit verbundene Dienste an Konten, Lizenzservern, Clouds und Netzwerkplattformen hängen, dann genügt ein Problem, um das ganze Konstrukt ins Wanken und im schlimmsten Fall zum Einsturz zu bringen. Der PSN-Ausfall war deshalb ein erster Warnschuss. Der kurze Blackout zeigte, wie gefährlich die Abhängigkeit sein kann und wieso der digitale Weg auch eine „Einbahnstraße“ sein kann. Ein Konto für alles – inklusive aller Risiken In der vergangenen Woche machte allerdings noch ein weiterer Vorfall auf die digitale Zukunft aufmerksam. Nämlich als zwei von OpenAI entwickelte KI-Modelle kurzerhand aus dem Testszenario ausbrachen und in Hacker-Manier die Systeme der KI-Plattform Hugging Face angriffen. Was sich wie ein Szenario aus „Terminator“ oder „Matrix“ anhört, zeigt ein Problem der digitalen Zukunft: Durch die Weiterentwicklung von KI wird es zu einer massiven Zunahme an automatisierter Cyberkriminalität kommen. Und damit schlagen wir den Bogen zurück zum Gaming: Einerseits sind wir abhängig von Servern und Netzwerkdiensten, zugleich steckt aber alles in einem Benutzerkonto. Ob nun Cloud-Spielstände, Zahlungsinformationen oder eben digitale Besitztümer – das alles hängt an einem Login und einem System. Wird ein solches Konto kompromittiert, dann ist der Ärger groß. Denn daran hängen nicht nur ein paar Save-Games, sondern auch richtig viel Geld, das zuvor in die Lizenzen für Spiele gesteckt wurde. Als Kunden haben wir keine Eingreifmöglichkeiten: ein Beschwerdeformular, ein Anruf bei der Hotline. Und am Ende müssen wir auf das Beste hoffen. Wir sind selbst schuld – können aber etwas ändern! Wir müssen uns allerdings auch nichts vormachen. Die digitale Zukunft ist längst da. Und wir selbst haben durch unsere Nutzungsgewohnheiten für den Wechsel gesorgt. Wann habt ihr im Laden zuletzt eine physische Kopie eines neuen Spiels gekauft oder wenigstens eine bei einem Online-Händler geordert? Ich kann von mir aus sagen, dass ich den digitalen Umbruch sehr begrüßt habe, auch wenn in meinen Schränken noch immer Hunderte von Spielen aus vergangenen Konsolengenerationen lagern. Ich liebe auch weiterhin meinen Cloud-Speicher, über den ich auf verschiedenen Konsolen auf meine Save-Games zugreifen kann. Die Digitalisierung bringt natürlich auch Vorteile mit sich – etwa, was Vertriebskosten und Ressourcenschonung angeht. Das ist alles gut und schön. Trotzdem sehe ich die aktuellen Entwicklungen kritisch und bin auch der Meinung, dass wir uns nicht alles gefallen lassen dürfen. Früher hieß es einmal „Der Kunde ist König“, heute eher „Der Kunde ist Umsatz“. Irgendwann hat sich die Abhängigkeit in der Industrie gedreht, und genau da liegt das Problem. Die digitale Zukunft lässt sich nicht mehr aufhalten. Aber wir können sehr wohl mitentscheiden, ob sie uns mehr Freiheit bringt oder uns vollständig von Systemen abhängig macht, über die wir keinerlei Kontrolle besitzen.