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Dinosaurier: Wie sie Vogelköpfe bekamen - Forscher räumen mit Irrtum auf

Wissenschaft

Umbau zum Vogel

Dinosaurier-Forscher räumen mit Irrtum auf

Von t-online

13.10.2026 - 18:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Weg vom Dinosaurier zum Vogel gehört zu den spektakulärsten Umbauten der Erdgeschichte. Eine neue Studie räumt nun mit einer Erklärung auf, die Fachleute lange für selbstverständlich hielten.

Federn, Flügel, der aktive Flug: Wenn Forschende den Übergang vom Dinosaurier zum modernen Vogel beschreiben, stehen meist diese Merkmale im Mittelpunkt. Doch die Tiere veränderten auf dem Weg zum Vogel weit mehr. Auch Schädel, Gehirn und Sinnesorgane bauten sich grundlegend um.

Besonders deutlich zeigt sich das am Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Seine Form unterscheidet sich bei Vögeln klar von der bei ihren Dinosaurier-Vorfahren. Lange galt es als plausible Erklärung, dass die Tiere ihren Gleichgewichtssinn an die Anforderungen des Fliegens anpassten – also an die räumliche Orientierung in der Luft und daran, den Blick trotz schneller Bewegungen stabil zu halten.

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Ein internationales Team von Paläontologen – also von Wissenschaftlern, die ausgestorbenes Leben erforschen – kommt jetzt zu einem anderen Ergebnis. Die Gruppe um Guillermo Navalón von der Universität Alcalá in Spanien veröffentlichte ihre Befunde in der Fachzeitschrift "PNAS". Beteiligt war auch Serjoscha Evers, Paläontologe an den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB).

Was die Forscher verglichen

Evers und seine Kollegen nahmen die Anatomie von Innenohr und Schädel bei einer großen Bandbreite von Tieren unter die Lupe: bei Dinosauriern, bei frühen Vögeln wie dem Archaeopteryx, bei Flugsauriern – und bei heute lebenden sowie erst kürzlich ausgestorbenen Vögeln. Darunter befanden sich auch flugunfähige Arten wie Pinguine und Kiwis.

Im Zentrum der Analyse standen die Bogengänge des Innenohrs. Diese mit Flüssigkeit gefüllten Röhren registrieren, wenn sich der Kopf dreht, und bilden damit einen wichtigen Teil des Gleichgewichtssinns. Weil sie im Knochen liegen, lässt sich ihre Form selbst bei fossilen Tieren mithilfe hochauflösender Computertomografie dreidimensional rekonstruieren.

Architektur des Schädels

Das Ergebnis fiel überraschend eindeutig aus. Ob ein Vogel fliegen kann oder nicht, erklärt die Form seiner Bogengänge nur schlecht. Einen deutlich stärkeren Zusammenhang fanden die Forschenden dagegen mit etwas anderem: mit der Architektur des Schädels.

Am klarsten zeigt sich die Neuorganisation des Kopfes am Hinterhaupt, also an der Rückseite des Schädels. Dort verlagerte sich die Verbindung zwischen Schädel und Wirbelsäule bei den Vögeln zunehmend auf die Unterseite des Schädels, heißt es in der Studie. Diese Neuausrichtung des Schädel-Hals-Gelenks veränderte die umliegenden Schädelknochen – und damit auch die Form des Innenohrs, das in diesen Knochen eingebettet liegt.

Das charakteristisch "vogelartige" Innenohr erscheint damit in einem neuen Licht. Nicht als eigenständige Neuerung des Gleichgewichtssinns, sondern als Teil eines umfassenderen Umbaus des gesamten Kopf-Hals-Systems.

Die Studie mahnt damit zur Vorsicht bei einem verbreiteten Denkmuster. "Wir neigen dazu, auffällige Veränderungen eines Sinnesorgans unmittelbar als funktionelle Anpassung zu interpretieren", sagt Serjoscha Evers, Mitautor der Studie.

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Doch Form und Funktion fallen nicht immer zusammen. "Das Innenohr befindet sich aber nicht isoliert im Schädel", erklärt der Paläontologe. "Wenn sich die gesamte Architektur des Kopfes verändert, kann das auch die Form eines Sinnesorgans mitprägen – ohne dass diese Veränderung eine direkte Anpassung an eine neue Lebensweise sein muss."

Für das Bild von der Entstehung der Vögel bedeutet das: Der Flug bleibt die auffälligste Neuerung dieser Entwicklungsgeschichte, aber er erklärt nicht jede Veränderung, die mit ihm zeitlich zusammenfällt. Manches im Vogelkopf entstand offenbar nicht, weil es einem bestimmten Zweck diente – sondern weil der Umbau ringsherum es mitformte.

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