Discs für PS5 und Xbox: Sony und Microsoft machen daraus ein Geheimnis, doch ein paar Details liegen vor
Physische Spiele erleben in der öffentlichen Wahrnehmung ein Revival, seit Sony angekündigt hat, die Produktion eigener Disc-Versionen neuer Spiele ab Anfang 2028 einzustellen. Der Schritt folgt einem Wandel, bei dem digitale Verkäufe kontinuierlich einen immer größeren Teil der Publisher-Umsätze übernahmen. Während Sonys Vorstoß in den sozialen Medien und Kommentarspalten hitzige Diskussionen und Grabenkämpfe auslöste, halten sich Publisher und Plattforminhaber meist bedeckt. Sony gab im Zuge des jüngsten Geschäftserichtes eine eher allgemeine Stellungnahme ab, möchte dem Kurs aber weiter folgen. Und auch Take-Two meldete sich zuletzt nur mit dem Offensichtlichen zu Wort. Niemand wollte offiziell über die Disc-Produktion sprechen Stephen Totilo von Game File nahm die Disc-Debatte zum Anlass, um die Hintergründe der Fertigung zu beleuchten. Er hakte bei verschiedenen Unternehmen der Videospielbranche nach. Das Ergebnis war weniger informativ als erhofft. Niemand, mit dem er sprach, durfte offiziell Auskunft geben. Und weder Sony noch Microsoft wollten sich zu den Angaben äußern. Obwohl seit vielen Jahren Millionen Datenträger produziert werden, gilt der genaue Ablauf offenbar als Geschäftsgeheimnis: „Ich sprach mit Leuten aus großen und kleinen Spielefirmen, doch niemand war befugt, offiziell zu reden. Sobald ich eine Liste hatte, wie die Quellen den Ablauf beschrieben, legte ich sie Sony zur Überprüfung vor. Sie lehnten eine Stellungnahme ab. Auch von Microsoft bekam ich nichts“, so Totilo. Trotzdem konnten seine Quellen den kompletten Weg einer Disc nachzeichnen. Am Anfang steht die Entscheidung eines Publishers, überhaupt eine physische Version anzubieten. Danach folgen ein Vertrag, in dem der Publisher die Verantwortung für den Lagerbestand übernimmt, die Zertifizierung sowie die Auswahl von Cover-Motiv und Disc-Größe. Laut Game File liegen die gesamten Grundkosten einer Disc-Produktion bei rund 15 Prozent des empfohlenen Verkaufspreises. Bei einem 70-US-Dollar-Spiel entfallen also gut zehn US-Dollar allein auf die Disc-Entscheidung. Eine genaue Ausschlüsselung liegt zwar nicht vor. Aber derartige Kosten basieren in der Regel nicht ausschließlich auf der reinen Produktion, sondern auch auf Konzeption, Logistik, Verwaltung und weiteren Kostenstellen. Umfangreichere Titel bzw. Ausgaben auf mehreren Datenträgern können den Betrag weiter nach oben treiben. Das dürfte zugleich erklären, warum viele Spiele nach dem Einlegen zunächst große Updates nachladen müssen. Für Publisher bedeutet die Disc letztlich eine spürbar niedrigere Gewinnmarge als beim reinen Digitalverkauf. Davon hören wir nicht zum ersten Mal: Sony verdient auch an Xbox-Discs mit Ein weiterer Aspekt, der im Game-File-Bericht erwähnt wird, aber kein Geheimnis ist: Während Sony Interactive Entertainment die Spiele überwiegend im eigenen Werk fertigt, läuft die Produktion von Xbox-Discs über Drittanbieter wie Technicolor. Diese müssen die Blu-ray-Technik lizenzieren. Und zu den Lizenzgebern gehört Sony. „Wegen dieser Lizenz bekommt Sony einen kleinen Anteil an jeder Blu-ray für Xbox“, so Totilo. Wie viele Spiele-Discs für Xbox überhaupt noch verkauft werden, ist allerdings offen. Einerseits bietet Microsoft mit der Xbox Series S seit dem Start der neuen Generation ein rein digitales Modell an. Zeitweise soll die abgespeckte Konsole den Hauptteil der Series-Verkäufe erzielt haben. Und auch die Xbox Series X ist mittlerweile als rein digitale Edition erhältlich, während der Preis des Disc-Modells zuletzt auf 799,99 Euro stieg. Hinzu kommt der Xbox Game Pass. Wenn Spiele im Abo landen, kaufen Abonnenten vielleicht digitale Zusatzpacks, in der Regel aber nicht die Vollversion des Spiels selbst.