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Diskussionen um Deutschland-Grand-Prix Deshalb kehrt die Formel 1 vorerst nicht zurück nach Deutschland

Sport

Der Rennkalender der Formel 1 bleibt in Bewegung. Zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte in Zandvoort ist noch immer unklar, ob die beiden Nahost-Rennen in Katar und Abu Dhabi im Dezember stattfinden können. Bereits bestätigt hatte Formel-1-Chef Stefano Domenicali zu Beginn der Sommerpause, dass das Saisonfinale alternativ in Europa stattfinden wird - und damit auch den Standort Deutschland wieder zurück ins Gespräch gebracht. Die Formel 1 boomt - hat Deutschland kein Interesse? Die Diskussion ist alles andere als neu, seit dem letzten regulären Großen Preis von Deutschland am Hockenheimring 2019 und dem Corona-Ersatzrennen am Nürburgring 2020 hat sich jedoch einiges getan in der Formel 1. In Sachen Marktwert erlebte die Königsklasse zuletzt einen beispiellosen Boom. Durch Serien bei Streaming-Giganten und Memes im Netz ist die Rennserie in der Popkultur angekommen, erreicht inzwischen auch die in der Motorsportwelt durchaus attraktive Zielgruppe der Frauen unter 35 Jahren. Mehr als 40 Prozent der F1-Fans seien weiblich und jünger als 40, berichtete die Formel 1 vergangenes Jahr. Mit Audi gibt es seit dieser Saison zudem einen deutschen Rennstall, der auch operativ in Deutschland tätig ist. Auf die jüngsten Äußerungen Domenicalis reagierten Betreiber in Deutschland jedoch zurückhaltend. Hat man hierzulande wenig Interesse an einer Rückkehr der Formel 1? Nürburgring: "Planbarkeit fehlt" "Ich glaube, kein Interesse an einer Rückkehr, das greift ein bisschen kurz. Wir haben immer gesagt, wir sind gesprächsbereit, wenn es eine bezahlbare und auch ernsthafte langfristige Absicht gibt," erklärt Alexander Gerhard, Pressesprecher des Nürburgrings, gegenüber SWR Sport und greift damit einen wichtigen Kernpunkt heraus: Denn zu einem langfristigen Commitment gegenüber dem Standort Deutschland hat sich die Formel 1 noch nicht bekannt. F1-Antrittsgebühren in zweistelliger Millionenhöhe Die Planbarkeit fehlt, sagt der Betreiber. Dem könnte man entgegnen, dass man doch mit ausverkauften Rängen an nahezu allen Rennwochenenden der Formel 1, insbesondere in Europa, planen könne. Die Annahme mag korrekt sein, eine ausverkaufte Strecke ist aber nicht gleichbedeutend mit einem wirtschaftlichen Gewinn für die Betreiber der Rennstrecke. Fakt ist: Die Königsklasse fordert Antrittsgebühren im Bereich von 20 bis 30 Millionen Euro. Das Refinanzierungspotenzial für die Betreiber sei allerdings gering, sagt Alexander Gerhard. Vermarktungsrechte werden zum Problem Das dürfte vor allem mit den strengen Marketingrichtlinien von Liberty Media zusammenhängen, dem US-amerikanischen Unternehmen, das die kommerziellen Rechte an der Formel 1 besitzt. Während eines Grand-Prix-Wochenendes und auch schon zur Auf- und Abbauphase, dürfen Betreiber beispielsweise keine eigene Werbung auf Werbebanden schalten oder Teile der Strecke noch anderweitig vermieten. Um die Antrittsgebühren wieder einzufahren, bleibt quasi nur der Ticketverkauf. Entsprechend hoch müssten die Preise angesetzt werden. Für den Nürburgring wäre das aktuell insgesamt ein Verlustgeschäft. "An anderen Orten dieser Welt ist mit eingepreist, dass man mit der Formel 1 jetzt keinen Gewinn erzielt, sondern für diese Marketingmehrleistung bezahlt. Der Nürburgring ist einfach anders aufgestellt. Wir haben einen vollen Terminkalender und eine legendäre Nordschleife, die den Nürburgring auch weltweit trägt", erklärt Nürburgring-Pressesprecher Alexander Gerhard. Insbesondere, wenn es um den Fortbestand der traditionsreichen Strecken in Deutschland geht, müsse es sich wirtschaftlich lohnen, eine Veranstaltung auszurichten. Auch Hockenheimring sieht Rückkehr kritisch Auch der Hockenheimring kann noch keine konkreten Perspektiven benennen. Hier betont man, dass man im regelmäßigen Austausch mit der Formel 1 sei. "Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine neuen konkreten Ergebnisse kommunizieren. Sobald sich gemeinsam mit der Formel 1 konkrete Aussichten für die Zukunft eines Grand Prix am Hockenheimring abzeichnen, werden wir darüber selbstverständlich informieren", sagte ein Sprecher der Rennstrecke in Baden-Württemberg dem SWR. Die Probleme in Hockenheim sind dieselben wie in der Eifel: Keine staatliche Bezuschussung, die hohen Kosten rund um einen Grand-Prix-Wochenende und die hohen Antrittsgebühren. Ähnlich sieht man das bei Formel-1-Neuling Audi. Auch der deutsche Autobauer hat erkannt, dass die Formel 1 mittlerweile "ein globales Phänomen" sei. "Die Zielgruppen sind in den vergangenen Jahren deutlich jünger und weiblicher geworden. Die Formel 1 hat sich zu einer weltweiten Plattform entwickelt, über die wir unser Markenimage weiter stärken können", erklärte die Pressestelle auf SWR-Anfrage. Besonders attraktiv dürften für Audi dabei die Wachstumsmärkte in Asien und Nordamerika sein. Hierzulande ist Audi bereits eine etablierte Marke. Ein Rennen in Deutschland dürfte daher eher von emotionalem und symbolischem Wert sein. Man sei sich der Bedeutung des deutschen Heimatmarktes bewusst, wolle aber auch die "globale Perspektive im Blick behalten", so Audi weiter. Und könnte Audi zum entscheidenden Faktor in der Diskussion werden und einen Heim-Grand-Prix möglicherweise sponsern? Angesichts der wirtschaftlichen Lage in der Automobilindustrie und den jüngsten Entwicklungen rund um das Audi-Werk in Neckarsulm ist anzunehmen, dass auch dem Autobauer das nötige Kleingeld für die Summe fehlt, die alle Geldprobleme rund um das Thema Deutschland-Grand-Prix lösen müsste. Fest steht: Ähnlich wie bei den Rennstreckenbetreibern wäre es auch für Audi eine Voraussetzung, "dass auch der Promotor eines Grand Prix vom Erfolg und der wirtschaftlichen Stärke der Formel 1 profitieren kann." In der Zukunft: Alternierendes Konzept "ganz klar denkbar" Unter den jetzigen Voraussetzungen sieht es also eher schlecht aus für eine Rückkehr der Formel 1 nach Deutschland. Sollte das langfristige Commitment seitens der Formel 1 irgendwann einmal da sein und es finanzielle Helfer geben, dürfte einem Großen Preis von Deutschland in der Zukunft aber wenig entgegenstehen. Eine oft diskutierte Variante: Deutschland kehrt im Wechsel mit einem anderen Standort alle zwei Jahre in den Rennkalender zurück, wie bei Barcelona und Spa beispielsweise. "Es gibt da, glaube ich, gar keine Denkverbote", sagt Alexander Gerhard vertretend für den Nürburgring. "Ein alternierendes Konzept, das wäre, wenn es langfristig planbar ist, ganz klar denkbar."

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