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DJV-Chef über beschlagnahmte Interviews: "Frontalangriff auf Pressefreiheit"

Nation

Stand: 13.10.2026 16:44 Uhr

Als einen "frontalen Angriff auf die Pressefreiheit" hat der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Mika Beuster, das Beschlagnahmen von Recherchematerial der "Zeit" bezeichnet. Es geht um Tonaufnahmen für den Podcast "House of Block", der die Hintergründe des Block-Prozesses beleuchtet. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda drängt auf eine rechtliche Klärung.

"Man kann nicht einfach so Recherchematerial beschlagnahmen und für die Strafverfolgung verwenden", sagte Beuster im Interview zur Hamburger Woche der Pressefreiheit auf NDR Info. "Es geht um den Quellenschutz."

Beuster verwies darauf, dass Journalistinnen und Journalisten Berufsgeheimnisträger sind. "Menschen wenden sich an uns, um Skandale aufzudecken, um Geheimnisse zu berichten. Sie vertrauen sich uns an und sie brauchen auch das Vertrauen, dass das, was sie uns erzählen, an niemanden weitergegeben wird", sagte er. Wenn der Eindruck nach außen entstehe, dass Quellenschutz nicht gewährleistet sei, greife man die Grundlage des Journalismus an: "Man muss das wirklich in schärfster Form zurückweisen."

Vorgehen bei der "Zeit" setzt schwerwiegende Gründe voraus

Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten am Montag auf Erlass des Landgerichts Hamburg die Herausgabe der Tonaufzeichnungen erwirkt. Beuster kritisierte das Vorgehen scharf: "Das geht so, in dieser Art und Weise, in der Regel nicht. Da braucht es schwerwiegende Gründe, und ich hoffe, dass man das wirklich sorgfältig geprüft hat." Die Staatsanwaltschaft habe sich offenbar zu wenig Gedanken gemacht über ihr Vorgehen. Das hätte man sorgfältiger abwägen müssen.

"Es ist erstaunlich, was im Zuge dieses Block-Prozesses alles geschehen ist, aber dass nun auch die Pressefreiheit als Kollateralschaden einfach mal hingenommen wird, das verwundert mich sehr", sagte Beuster. "Ich wünschte mir, dass es da ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl beim Vorgehen gegeben hätte."

"Zeit" legt Beschwerde ein und veröffentlicht Statement

Journalistenverbände und Organisationen wie DJV, Reporter ohne Grenzen und Netzwerk Recherche hatten das Vorgehen von Gericht und Ermittlungsbehörden bereits am Montag als Angriff auf das Grundrecht auf Pressefreiheit angeprangert. Die "Zeit", die im Verfahren selbst nicht beschuldigt wird, legte Beschwerde ein und veröffentlichte ein Statement auf ihrer Website.

"Zur Pressefreiheit gehört insbesondere der Quellenschutz, der für unabhängig berichtende Medien entscheidend ist. Wir werden uns deshalb mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setzen", erklärten die Chefredakteure Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner.

Di Lorenzo: "Wir sind stark unter Druck gesetzt worden"

Anders als vom Hamburger Landgericht dargestellt, habe die Redaktion die Unterlagen nicht freiwillig herausgegeben: "Wir sind stark unter Druck gesetzt worden: Mit der Übergabe konnten wir eine Durchsuchung abwenden und immerhin vermeiden, dass noch viel mehr Unterlagen und Material beschlagnahmt werden", teilte Di Lorenzo der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schriftlich mit. Er könne sich in seiner seit 2004 andauernden Amtszeit als Chefredakteur an keinen vergleichbaren Übergriff erinnern

Beuster: Justiz soll sich zu Quellenschutz bekennen

Beuster sieht offenbar auch die Gefahr, dass mit dem Vorgehen bei der "Zeit" ein Präzedenzfall geschaffen werden könnte. "Am Ende, egal wie es ausgeht, muss klar sein: Der Quellenschutz in Deutschland ist gewährleistet", forderte er. Er dränge darauf, dass die Justiz sich klar dazu bekennt.

Auch Mediensenator Brosda fordert rechtliche Klärung

Am Dienstag drängte auch Hamburgs Kultur- und Mediensenator Carsten Brosda auf eine rechtliche Klärung der Vorgänge. "Die Pressefreiheit ist in unserer Verfassung ein hohes Gut. Dazu gehören auch das Redaktionsgeheimnis und der Quellenschutz", sagte der SPD-Politiker der dpa. Deshalb seien dem Staat strenge rechtliche Grenzen gesetzt. Insofern werfe das Vorgehen gegenüber der "Zeit" und deren Mitarbeitern Fragen auf, die dringend rechtlich geprüft werden sollten.

Der Zeitverlag hat nach eigenen Angaben der Staatsanwaltschaft die Unterlagen nur versiegelt übergeben, "um einer Verwertung vor Abschluss der rechtlichen Prüfung vorzubeugen".

Pressefreiheit: Fälle, die Gerichte beschäftigten

Der Fall der beschlagnahmten Tonaufzeichnungen bei der "Zeit" gehört zu einer Reihe ähnlicher Eingriffe in deutschen Redaktionen:

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