Doch keine Munition in der Antonow: Leipziger Flughafen
Der Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle, der in der Nacht zum Mittwoch eine Drohne mit Sprengstoffvorrichtung auf einer Start- und Landebahn entdeckt hatte, hat großes Glück gehabt. Er holte das Fluggerät nach dpa-Informationen aus Sicherheitskreisen mit einem Fußtritt aus der Luft und brachte es zu Boden. Nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen hatte er die Drohne auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ bemerkt. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung. Die „Bild“ berichtet, dass sich die Drohne zuvor vier Stunden lang unentdeckt neben den ukrainischen Antonow-Maschinen befunden habe. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Grund sei die besondere Bedeutung des Falles, teilte die Behörde am Donnerstagabend mit. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Nach Angaben aus der Regierungskoalition hatten die betroffenen Frachtflugzeuge keine Munition an Bord. Mehrere Medien hatten dies unter Berufung auf einen vertraulichen Polizeibericht gemeldet. Sprengstoff wohl in handelsüblicher Blechdose Spezialisten der Bundespolizei hatten die Sprengvorrichtung an der Drohne entschärft. Nach Angaben des LKA wurde der Zünder entfernt. Später wurde die Bombe kontrolliert gesprengt. Dass es nicht zur Explosion kam, lag demnach daran, dass der Zünder defekt war. Laut „Bild“-Informationen aus Sicherheitskreisen soll im Paket Semtex gewesen sein, ein Plastiksprengstoff, der auch beim Anschlag von Lockerbie 1988 zum Einsatz kam und den Geheimdienste und Terroristen nutzen. Die Sprengvorrichtung bestand demnach aus einer handelsüblichen Blechdose, die mit dem Semtex-Sprengstoff befüllt und wieder vollständig verschlossen worden sein soll. Am Dosenboden soll der Zünder montiert gewesen sein. Die „Bild“ berichtet außerdem, dass die Drohne über eine Abwurfeinrichtung verfügt habe und mit zwei Sim-Karten ausgestattet gewesen sein soll. Diese könnten für die Steuerung der Drohne genutzt worden sein. Da laut „Spiegel“ ein Teil der Drohne auf einer Tragfläche einer der Antonows gefunden wurde, könnte sich die Drohne zwsichenzeitlich auf dem Flugzeug befunden haben. Suche nach möglicher zweiter Drohne Nach dem Fund der Sprengstoff-Drohne steht der Flugverkehr auf der nördlichen Landebahn weiter still. Seit Donnerstagmorgen starten und landen die Flugzeuge den Beobachtungen zufolge auf der sogenannten Südpiste, die zuvor noch gesperrt war. Die Suche nach einer möglichen zweiten Drohne läuft weiter. Dieses war mutmaßlich mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei. Bei der Maschine seien nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt worden, hieß es. Dobrindt sieht „neue Gefahrenqualität“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Mittwochabend in einer Pressekonferenz am Flughafen von einer „neuen Gefahrenqualität“ und einem „hybriden Anschlagsszenario“ gesprochen. Er hält den Vorfall für einen Anschlag, der auf hochprofessionelle Täter zurückgeht. Dabei schließt er auch „fremde Mächte“ als Drahtzieher nicht aus. Man brauche dafür ein hohes Maß an Technikerfahrung und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff. Außerdem sei davon auszugehen, dass es sich bei dem verwendeten Sprengstoff um militärischen Sprengstoff handele. „Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen“, so Dobrindt. Ukrainischer Botschafter hat einen Verdacht Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. „Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem Nachrichtensender Welt TV. Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. „Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an.“ Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet. Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Ländern bei der Bundespolizei eingerichtet. (Tsp, mit Agenturen)