DAX +0,41 % 26.440,31 Pkt 18:00:00 MDAX +0,40 % 32.464,39 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,09 % 6.539,59 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,07 % 53.732,41 Pkt 22:41:05 S&P 500 +0,48 % 7.785,76 Pkt 22:39:27 Nasdaq +0,53 % 26.729,16 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,59 % 68.713,80 Pkt 08:45:03 Gold +1,30 % 4.437,30 USD 23:00:00 Silber +0,18 % 65,11 USD 22:59:58 Brent 0,00 % 88,52 USD 22:59:58 WTI 0,00 % 82,40 USD 22:59:59 Bitcoin -0,05 % 62.994,67 USD 09:58:59 EUR/USD +0,37 % 1,15730 USD 23:29:57 EUR/GBP +0,11 % 0,85480 GBP 00:09:58 EUR/CHF +0,34 % 0,94060 CHF 23:29:57 EUR/JPY +0,38 % 184,365 JPY 23:29:57

Doch sie ist wohl noch nicht am Ende

Welt

Startseite Wirtschaft Russlands Wirtschaft hat Probleme, doch sie ist wohl noch nicht am Ende Von: Fabian Hartmann Uns auf Google folgen Immer mehr Ökonomen sehen Russlands Wirtschaft vor dem Kollaps. Ein US-Medienbericht widerspricht nun und hält Moskau weiter für resilient. Moskau – Mit seiner Ende Februar 2022 initiierten Ukraine-Invasion begann Wladimir Putin den Abnutzungskrieg mit Kiew und sorgte für Russlands ökonomische Isolation durch weitreichende westliche Sanktionen. Lange Zeit schien Russlands Wirtschaft der eigentlich für eine Krise prädestinierten Grundsituation – zumal Moskaus Kriegsausgaben hoch sind – resilient zu trotzen. In vier Kriegsjahren verzeichnete die russische Ökonomie sogar Wachstum. 1588 Tage nach Beginn des Ukraine-Kriegs und einer Reihe effizienter ukrainischer Angriffe auf Russlands Energie-Infrastruktur zeigt sich die russische Kriegskasse, ähnlich der wirtschaftlichen Gesamtsituation, allerdings nicht mehr so widerstandsfähig. So zumindest die Einschätzung einiger internationaler Wirtschaftsinstitute, derer sich immer mehr Ökonomen anzuschließen scheinen. Doch ein US-Medienbericht hält nun dagegen. Putins Energiewirtschaft leidet unter ukrainischen Drohnenangriffen – Putin erwägt wohl Treibstoffimporte Im fortwährend erbittert geführten Ukraine-Krieg waren Wolodymyr Selenskyjs Streitkräfte über weite Strecken – vor allem in den ersten beiden Kriegsjahren – massiven Hürden ausgesetzt: darunter personeller Unterzahl und der Abhängigkeit bei Waffenlieferungen von Europa und den USA, um nur zwei von zahlreichen Faktoren zu nennen. Inzwischen jedoch haben Wissenschaft und die boomende Szene ukrainischer Rüstungs-Start-ups das Gesicht des Kriegs durch unbemannte Drohnen, KI-Sensorik und den Einsatz von Robotern ebenso stark verändert wie die Frontkämpfe selbst. Russland nimmt davon schweren Schaden, wie zuletzt im Zuge wirksamer Schläge auf die russische Energie-Infrastruktur. Das wurde auch im hoch gesicherten russischen Machtzentrum in Moskau deutlich. Selbst der sich sonst für gewöhnlich verschlossen haltende Kreml-Machthaber musste zuletzt angesichts der Drohnenangriffe Kiews zugeben, dass in Russland inzwischen Engpässe bei der Benzinversorgung bestehen, wie n-tv berichtete. Putin berief daraufhin eine Krisensitzung ein. Nun wurde bekannt, dass Russland offenbar Treibstoff von anderen Ländern zu importieren erwägt, wie The Moscow Times am Dienstagmittag (29. Juni) berichtete. Zahlreiche Wirtschaftsinstitute prognostizieren Russlands Wirtschaft bald massive Probleme Inmitten der schlagkräftigen ukrainischen Drohnenangriffe fällen eine ganze Reihe international agierender Ökonominnen und Ökonomen mittlerweile fatale Urteile zur Situation der russischen Kriegswirtschaft. So etwa Nigel Gould-Davies vom International Institute for Strategic Studies (IISS), der die Situation schon Mitte des Vormonats (18. Mai) als „bevorstehende Krise Russlands politischer Ökonomie“ bezeichnete. Denn Russlands Wirtschaft habe fast ihre volle Produktionskapazität erreicht, und sei bei der Nutzung knapper Ressourcen zur Rüstungsproduktion mit sinkenden Erträgen konfrontiert. Noch gravierender aber ist der Engpass bei den Arbeitskräften, und das bei einer gesamtrussischen Arbeitslosenquote von nur 2 Prozent. Denn der Bedarf an Soldaten und Arbeitern in Rüstungsbetrieben ist mit dem Kriegsbeginn explosionsartig gestiegen, während die Auswanderungswelle seit Februar 2022 und personelle Verluste an der Front die Zahl der Arbeitskräfte verringern. Ein ähnliches Resümee fällten Autorinnen und Autoren des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nach einer Analyse in Kooperation mit dem Stockholm Institute of Transition Economics vor wenigen Wochen (11. Juni). Im beiliegenden Bericht namens „Endgame: Russlands Kriegswirtschaft stößt an ihre Grenzen“ gehen die Beteiligten primär vom inzwischen stark gesunkenen russischen BIP im Vergleich zum Kriegsbeginn aus: Hatte es damals noch 6,5 Prozent betragen, sank es im April dieses Jahres auf nur noch 1,8 Prozent. „Gleichzeitig dürften höhere Ölpreise infolge des Krieges am Golf vermutlich nur vorübergehende fiskalische Effekte haben“, sagte Kiel-Institut-Experte Moritz Schularick weiter. US-Medium sieht Russlands Wirtschaft nicht so nah am Abgrund wie viele Ökonomen weltweit Jene Untergangsprognosen der russischen Wirtschaft trägt ein am Dienstag (30. Juni) veröffentlichter Artikel von The Economist jedoch nicht mit. Ihnen hält das US-Wirtschaftsmedium etwa vor, das inflationsbereinigte Pro-Kopf-BIP in Russland, das zwischen 2022 und 2025 um insgesamt 12 Prozent gestiegen war, als nicht genügend gewichtigen Faktor einbezogen zu haben. Das sei im Vergleich zu anderen Schwellenländern zwar kein hervorstechendes Ergebnis, nach fast viereinhalb Jahren Ukraine-Krieg aber immerhin nicht unbedingt schlecht. Gestützt werde dies durch Daten des staatlich-russischen Kreditinstituts VEB, die auf eine Belebung des russischen BIP im März und April hindeuteten. Unabhängig prüfen lassen sich jene Daten jedoch nicht. Entgegen der Annahme, Russlands Wirtschaft stehe vor dem Abgrund, verbessert sich die russische Wirtschaftslage, The Economist zufolge, gegenwärtig sogar leicht. So liege Russlands Inflation gar bei der Hälfte ihres jüngsten Höchststands von über 10 Prozent. Und die Reallöhne, die bereits um 25 Prozent über dem Niveau von liegen, steigen weiter an. Vielen Unternehmen gehe es gut, und Russlands Oligarchen gar noch besser: Erkennbar werde es etwa daran, dass der Absatz aus dem Westen geschmuggelter Luxusautos zuletzt deutlich anstieg; jener der italienischen Luxusmarke Lamborghini gar um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu verdanken sei die Widerstandskraft der russischen Wirtschaft zu einem großen Teil den massiven Fiskal-Konjunkturmaßnahmen. So gab der Kreml 2025 sieben bis acht Prozent des russischen BIP für seine Streitkräfte aus. Diese Ausgaben, so argumentieren diejenigen, die eine Krise prophezeien, entziehen dem Rest der Wirtschaft Arbeitskräfte und belasten die Staatskasse. Doch die Militärausgaben entsprechen einem Anstieg von 3–4 Prozent des BIP gegenüber dem Vorkriegsniveau – das ist zwar keineswegs nichts, doch es dürfte The Economist zufolge nicht ausreichen, um massive Folgewirkungen zu haben. So teilt das US-Wirtschaftsmedium die Ansicht, dass Russlands zivile Wirtschaft nicht schrumpft, sondern sich vielmehr weiterhin über Wasser halten dürfte. (Quellen: The Moscow Times, n-tv, IISS, IfW, The Economist) (fh)

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