Doktrin vor – Entlassungen im großen Stil geplant
Startseite
Politik
Hegseth stellt neue Militär-Doktrin vor – „Keine Fettsäcke, keine Transen, keine Spinner“
Von: Ines Alberti
Uns auf Google folgen
US-Kriegsminister Pete Hegseth teilt seine Vision für das Militär – Diskriminierung, Kriegsverherrlichung und Angriffen auf die Presse inklusive.
Quantico – US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am 30. September 2026 auf der Marine Corps Base Quantico in Virginia eine neue Militärdoktrin vorgestellt. In einer Rede vor rund 600 Offizieren kündigte er die Entlassung von 20 Prozent der aktiven Generäle und Admiräle an. Gleichzeitig definierte er in drastischen Worten, wen er künftig nicht mehr im US-Militär dulden will. Die Rede markiert den vorläufigen Höhepunkt eines radikalen Umbaus der amerikanischen Streitkräfte. Und wem das bekannt vorkommt: Hegseths Appell fand auf den Tag genau ein Jahr nach einer ersten Ansprache am selben Ort und zu ähnlichen Inhalten statt.
Hegseth ließ wenig Raum für Interpretation. „Wir sind nicht mehr das ‚woke‘ Department oder das ‚schwache‘ Department“, sagte er laut New Republic zu den versammelten Offizieren. „Einfache Übersetzung davon: No fatties, no trannies, no beardos, no weirdos, no wimps, no radicals. Just warriors.“
„Keine Fettsäcke, keine Transen, keine Spinner“
In politisch korrekter Sprache ist gemeint: keine mehrgewichtigen Menschen, keine trans* Personen, keine Bartträger, keine Menschen, die nach Hegseths Definition komisch oder schwach sind, keine Radikalen. Stattdessen: „Nur Krieger“. Hegseth fuhr fort: „Die ideologischen Clowns sind draußen. Die patriotischen Cowboys sind drin – mit Testosteron-Tests obendrauf.“ Diversität sei nicht die Stärke des Militärs, Einheit schon.
Gegenüber der Presse, zu der er einst selbst gehörte, zeigte er sich gewohnt feindselig: „Unsere sogenannte Presse lässt iranische Staatsmedien vernünftig aussehen“, sagte Hegseth laut New Republic. Er versuchte, den Militärs klarzumachen, dass Reporter, die negativ über Trump berichteten, im Grunde die Soldaten untergraben.
Die rund 600 Anwesenden in Quantico erhielten zudem ein ungewöhnliches Mitbringsel: ein 144-seitiges „Feldhandbuch“, das eine Sammlung von Hegseths Reden enthält. Das Vorwort stammt von keinem Geringeren als Präsident Donald Trump. Darin heißt es laut dem Nachrichtenportal: „Unser Ziel ist FRIEDEN, weshalb wir uns auf den Krieg vorbereiten.“ Trump schrieb demnach weiter, er werde die Soldaten nicht bitten, „in dumme Kriege zu ziehen“, und verspreche: „Ich werde euch entfesseln, um gewaltsam, tödlich und unaufhaltsam zu sein.“
Ein Jahr nach der ersten Quantico-Rede
Hegseth selbst bezeichnete seine Rede vom Vorjahr als „Liberation Day“ – als Tag der Befreiung. Tatsächlich hatte er am 30. September 2025 am selben Ort eine erste Grundsatzrede gehalten, die den Ton für seinen Kurs setzte. Damals sagte er laut The Hill: „Ehrlich gesagt, es ermüdet mich, auf Kampfformationen zu blicken und fette Soldaten zu sehen.“ Und weiter: „Es ist vollkommen inakzeptabel, fette Generäle und Admiräle in den Fluren des Pentagon zu sehen.“ Das zeichne „ein schlechtes Bild“ und „nicht wer wir sind“.
Bereits 2025 hatte Hegseth angekündigt, dass jedes Mitglied der Streitkräfte zweimal jährlich einen Fitnesstest sowie eine Körpermaß-Überprüfung absolvieren müsse. Damals erklärte er auch: „Ich will nicht, dass mein Sohn neben Soldaten dient, die nicht in Form sind, oder in einer Kampfeinheit mit Frauen, die nicht denselben körperlichen Standard erfüllen wie Männer.“
Ein Jahr später zieht Hegseth nun Bilanz – und verschärft den Kurs. Generäle, die seinen Vorgaben nicht gefolgt seien, „arbeiten hier nicht mehr“, sagte er. Laut der BBC haben seit Hegseths Amtsantritt mindestens 20 Generäle, Admiräle und zivile Militärführer ihren Posten verloren oder wurden entlassen. Das US-Militär zählt insgesamt mehr als 800 aktive Generäle und Admiräle.
Drohnen, Religion und Elon Musk
Neben der Personalpolitik kündigte Hegseth mehrere neue Strukturen an. Das „Autonomous Warfare Command“ soll die Beschaffung von Robotern und Drohnen beschleunigen und mit Künstlicher Intelligenz verknüpft werden. Ein neu geschaffenes „Office of Religious Affairs“ soll „direkt an die Spitze“ berichten und „religiöse Unterstützung stärken“.
Besonders Aufsehen erregt das sogenannte „Project Meridian“: eine groß angelegte Studie zur „Zukunft der Kriegsführung“, die Hegseth von Elon Musk, dem ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich und dem Rüstungsunternehmer Palmer Luckey leiten lässt. Hegseth bezeichnete die drei als „Amerikas beste Köpfe“ und „die besten Voraussager künftiger Konflikte“. Die Ergebnisse sollen in 120 Tagen vorliegen. Zudem kündigte Hegseth eine neue Militärbasis an – Standort und Finanzierungsquelle nannte er nicht.
Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft
Die Reaktionen auf Hegseths Rede und den Plan zahlreicher Entlassungen fallen deutlich aus. Der demokratische Senator Mark Kelly aus Arizona sagte laut BBC bereits am Vortag: „Wir brauchen starke Führungspersönlichkeiten. Diese Menschen haben jahrzehntelange Erfahrung, einige der besten Führungskräfte, die unser Militär je hatte. Er entlässt sie.“
Alexander Downes, Politikwissenschaftler an der George Washington University, sagte der BBC, Hegseths Bilanz sei „etwas verdächtig“. Frühere Verteidigungsminister hätten zwar ebenfalls Veränderungen in der Militärführung vorgenommen, Hegseths Kürzungen seien aber „zweifellos mehr“ als diese. Downes betonte zugleich, dass es nicht grundsätzlich schlecht oder gut sei, die Zahl der Offiziere zu reduzieren – „es hängt alles davon ab, warum man es tut und welche Funktion es erfüllt.“
Bürgerrechtsorganisationen wie die NAACP und das National Women’s Law Center werfen Hegseth vor, Beförderungen von Schwarzen und Frauen zu blockieren. Das Pentagon hatte zuvor erklärt, es werde „die Hautfarbe oder das Geschlecht eines Soldaten niemals als Faktor bei Beförderungen berücksichtigen“ und dass im Verteidigungsministerium „die Leistungsgesellschaft oberste Priorität habe“.
Die Rede fällt in eine angespannte Zeit: Seit sieben Monaten führen die USA gemeinsam mit Israel Krieg gegen den Iran. Dabei wurden laut New Republic mindestens 22 US-Soldaten getötet und mehr als 820 verwundet. Im Iran starben demnach mehr als 3500 Menschen. (Quellen: BBC, New Republic, The Hill) (ial)