Donald Trump: Macht, die sich rechnet
Was Donald Trump sagt und schreibt, ist erfahrungsgemäß selten für die Ewigkeit. »Bitcoin, sieht so aus, als wäre das ein Betrug«, meinte der US-Präsident etwa 2021 während seiner ersten Amtszeit in einem Interview mit dem Sender Fox News. Kryptowährungen, die sollten doch »sehr, sehr hoch reguliert« werden, gerade weil sie in Konkurrenz zum Dollar stünden. Oder 2019, in einem Post, damals noch auf Twitter: Sie seien einfach »kein Geld«, ihr Wert sei »stark schwankend« und basiere auf »nichts als Luft« – er sei »kein Fan«. Nun, die Zeiten ändern sich, und Trump hat eigentlich ein Faible für Geschäfte, hinter denen mehr Schein als Sein steht. Zumal das Präsidentenamt da doch einige lukrative Möglichkeiten bietet. Von Regulierung spricht er längst nicht mehr, im Gegenteil.
So kam es also, dass Trump im vergangenen Jahr allein aus Kryptogeschäften seiner Familie mehr als 1,4 Milliarden Dollar eingenommen hat, ausgewiesen im aktuellen Finanzbericht an das US-Büro für Regierungsethik, der in dieser Woche öffentlich wurde. Dazu kräftige Gewinne aus Immobilieninvestments, Lizenzgebühren und überhaupt immer wieder dann, wenn sein Name draufsteht: auf Bibeln, Turnschuhen, Eintrittskarten für exklusive Dinnerabende. Oder eben im Kryptobusiness: zum Beispiel mit Meme Coins mit dem Schriftzug »$TRUMP«, quasi virtuelle Gedenkmünzen oder Sammelkarten. Der Präsident ist eine Marke, und die Geschäfte liefen im ersten Jahr wieder im Amt offensichtlich so gut wie lange nicht mehr. Insgesamt verbuchte Trump 2025 mindestens 2,2 Milliarden Euro an Gewinnen.
Das war nicht immer so. Während der ersten Amtszeit hatten etwa Golfklubs und Resorts einigermaßen zu kämpfen, Gäste blieben weg, Lizenznehmer wollten Trumps Namen nicht mehr auf ihren Liegenschaften stehen haben – da schlugen zwischenzeitlich auch mal erhebliche Verluste zu Buche. Aber der Präsident hat sich durchgeschlagen und neue Wege gefunden, den Kult um seine Person zu Geld zu machen – ganz egal, wie es gerade politisch läuft. Wobei das durchaus nicht immer sauber zu trennen ist: die Geschäfte und die Politik. Wenn Trump etwa inzwischen die Deregulierung von Kryptowährungen vorantreibt, wenn ihm das Emirat Katar einen Luxusjet (»Palast der Lüfte«) zum Geschenk macht, wenn letztlich der Verdacht besteht, der Zugang zum Präsidenten ließe sich erkaufen, nicht nur mit dem Eintritt zu illustren Veranstaltungen.
Auch die Aktiengeschäfte werfen Fragen auf. Etwa, dass Trump Anteile an Dutzenden Unternehmen hält, die von Regierungsaufträgen profitieren. Angefangen beim Techkonzern Palantir über Boeing bis hin zu privaten Gefängnisbetreibern, die seine Abschiebepolitik umsetzen. Und die zeitlichen Zusammenhänge sind teils zumindest bemerkenswert: Am selben Tag, als Trump im Juli 2025 seine Pläne für eine Deregulierung im KI-Bereich vorlegte, erwarb er Anteile von jeweils einer bis eineinhalb Millionen Dollar an genau jenen sechs Firmen, denen das besonders hilft und die darauf gedrängt hatten: Amazon, Apple, Broadcom, Meta, Microsoft, Nvidia. Oder im April 2025, als Trump die Märkte mit seinen Zollkapriolen bewegte und nur Stunden, bevor er sie für 90 Tage erst einmal wieder zurücknahm, die vage Empfehlung in Versalien postete: »Jetzt ist ein großartiger Zeitpunkt, um zu kaufen.«
Dass Trump die Präsidentschaft zu Geld machen will, dass er persönliche Bereicherung und politische Agenda zusammen denkt, ist kaum zu übersehen und lange bekannt. Seine Söhne mögen die Geschäfte des Familienunternehmens führen, zurückgezogen hat er selbst sich daraus nicht. Während seine Vorgänger stets darum bemüht waren, jegliche Interessenkonflikte von vornherein auszuschließen, etwa durch eine unabhängige treuhänderische Vermögensverwaltung, sieht Trump das Problem weiterhin nicht: »Es ist nichts Illegales daran«, sagte er dem Sender CNBC.
Regeln? Sind doch was für Verlierer
Die Empörung seiner politischen Gegner und vonseiten kritischer Beobachter, die der aktuelle Finanzbericht noch einmal hat lauter werden lassen, prallt am Präsidenten ab. Der Marke Trump haben solche Debatten schließlich bislang kaum geschadet, gerade weil der geschäftliche Erfolg genau die Selbstdarstellung spiegelt, die an seiner Basis lange verfangen hat: Er ist ein Gewinner, er kann es einfach – also tut er auch als Präsident das Richtige. Regeln? Sind doch was für Verlierer. Entgrenzter Kapitalismus, der Amerika wieder groß macht, das war immer Trumps großes Versprechen. Dass dabei einiges kaputtgeht, ist eingepreist, solange es andere trifft.
Nur ist eben in diesen Tagen der Kontrast sehr viel härter geworden. Auf der einen Seite steht Trump einmal mehr als Profiteur der eigenen Politik da, in dessen Schatten auch Freunde und Familie richtig gute Geschäfte machen. Auf der anderen Seite leiden genau jene besonders, die weiter daran glauben sollen, dass dieser Präsident ihr Leben besser macht: einfache Leute mit geringem Verdienst, denen die steigenden Lebenshaltungskosten über den Kopf wachsen. Die nicht verstehen, was der Krieg gegen den Iran neben horrenden Preisen gebracht hat. Die von Trump währenddessen hören: »Ich liebe die Inflation.« Die erleben, wie er ein Gesetz für bezahlbares Wohnen blockiert, weil er eine tendenziell undemokratische Wahlreform für wichtiger hält.
Aus dem Wahlkampf für die Midterms im November sind die wirtschaftlichen Probleme nicht mehr herauszuhalten. Die Republikaner müssen fürchten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren, selbst im Senat wackelt sie. Die Zustimmungswerte des Präsidenten kommen nicht aus dem Keller. Längst wenden sich Anhängerinnen und Anhänger ab, auch prominente Unterstützer revoltieren vor allem gegen die Iranstrategie, und im Kongress schwelt der Widerspruch. Der Debatte um Trumps Einkünfte und Interessenkonflikte aber begegnete seine Partei in den vergangenen Tagen wie schon so oft in weiten Teilen mit Schweigen. Und auch an der Basis ist der große Aufschrei bislang ausgeblieben.
Es ist ja auch nicht so, dass man nicht hätte wissen können, um wessen Interessen es hier ganz allein geht. Seine Meme Coins beispielsweise hat Trump nie als wertschöpfende Investition angepriesen, sondern schlicht als einen »Ausdruck der Unterstützung«. Wer dachte, damit ließe sich teilhaben am Erfolgsmodell dieses Mannes, man könne sich quasi einkaufen auf der Gewinnerseite, hat nicht aufgepasst und wird bitter enttäuscht sein. Während Trump weitgehend risikolos Geld einsammelte, verloren die fast eine Million Käufer bis Ende Juni mehr als 3,8 Milliarden Dollar.