Donald Trump plant Golfplatz in Washington - Richterin droht US-Präsident
Donald Trump stand am Sonntag im Regen, aber er sah schon das Grün. Der Präsident ließ sich mit Innenminister Doug Burgum und dem Golfplatz-Architekten Tom Fazio nach East Potomac fahren, jenen öffentlichen Kurs in einem Park zwei Meilen südöstlich des Weißen Hauses, den Generationen von Washingtonians seit 100 Jahren vor allem deshalb schätzen, weil er nahe liegt, billig und offen ist. Trump, Golfer mit Hang zum Betrügen beim Einlochen, sah etwas anderes: eine Bühne für sich, für Amerikas Hauptstadt und für sein Lieblingsspiel. Auch interessant Danach dekretierte er: „Es wurde festgestellt, dass wir auf diesem fantastischen Gelände, mit Wasser und unvergleichlichen Blicken auf die Monumente Washingtons, einen der großartigsten Golfplätze irgendwo auf der Welt bauen werden.“ Ergo soll am 1. September mit den umfangreichen Renovierungsarbeiten begonnen werden. Denn heute sei der Platz, weil über Jahrzehnte vernachlässigt, „praktisch unbesiegbar”. Trumps Golfplatz-Pläne stoßen auf Kritik und Finanzierungsfragen Damit ist die nächste Front in Trumps Verschönerungskrieg in Washington eröffnet. Nach Reflecting Pool, Lafayette Park, Triumphbogen und Ballsaal geht es nun um einen historischen Volksgolfplatz. Trump verspricht einen Nobel-Kurs, geeignet für die U.S. Open, den Ryder Cup, die PGA Championship. Geschätzter Kostenpunkt: 75 Millionen Dollar. Wie das Ganze finanziert werden soll, ist nebulös. Das Weiße Haus spricht pauschal von privaten Zuwendungen, Insider befürchten, dass – wie beim Ballsaal am Weißen Haus – der Steuerzahler für das Nischen-Projekt zur Kasse gebeten wird. Davon ab steht dem Plan, wie so oft bei Trumps Hauptstadtprojekten, erst einmal die Wirklichkeit im Weg: finanziell, rechtlich, historisch, ökologisch – und schlicht räumlich. Auch interessant East Potomac Park ist kein freies Spekulationsgelände. Der Park wurde Ende des 19. Jahrhunderts als öffentliche Erholungsfläche geschaffen; Denkmalpfleger verweisen darauf, dass er „für immer“ der Erholung der Bevölkerung dienen sollte. Der gesamte Park umfasst nach Angaben der „Cultural Landscape Foundation” rund 130 Hektar, der Golfplatz selbst 85 Hektar. Das ist für ein kommunales Spielfeld viel, für Trumps Traum eines Major-tauglichen Prestigeplatzes mit Sicherheitszonen, Zuschauer-Kapazitäten, TV-Infrastruktur und Turnierlogistik aber eng. Anders formuliert: Entweder bleibt der Plan kleiner als die Ankündigung. Oder er frisst sich tiefer in einen historischen Park hinein. Genau dort beginnen die rechtlichen Probleme. Anwohner und DC Preservation League klagen gegen Luxus-Golfplatz-Pläne Denn gegen das Vorhaben läuft bereits eine Klage der DC Preservation League und zweier Anwohner. Sie werfen dem Innenministerium und dem National Park Service vor, mit der Verwandlung eines öffentlichen Erholungsraums in einen exklusiven Hochglanzkurs Umwelt- und Denkmalschutzrecht zu umgehen. Die Organisation spricht von einem Versuch, den Park in einen „exklusiven Luxus-Golfplatz“ umzubauen. Ihre Geschäftsführerin Rebecca Miller sagt über den Platz: „Er soll öffentlich zugänglich sein, für Menschen aus allen unterschiedlichen Hintergründen. Und wir wollten, dass das so bleibt.“ Ein Bundesgericht hat der Regierung zwar einfache Wartungsarbeiten erlaubt. Aber Richterin Ana Reyes machte deutlich, dass sie keine Abrissbirnen-Politik duldet. Größere Eingriffe, Schließungen, schweres Gerät oder das Fällen von mehr als zehn Bäumen müssen vorher den Klägern und Behörden rechtzeitig angezeigt werden. In der Anhörung im Mai warnte Reyes ausdrücklich, dass die Regierung nicht erst handeln und dann um Verzeihung bitten könne. Falls doch die Bagger anrollen, werde es „ernste Konsequenzen“ geben. Auch interessant Die Skepsis ist nicht theoretisch. Auf dem Gelände lagern bereits große Mengen Erde und Bauschutt aus der abgerissenen Ostflügel-Baustelle des Weißen Hauses. Ein vom National Park Service beauftragter Bericht fand darin Blei, Chrom und andere Stoffe oberhalb von Nachweisgrenzen. Trump-Golfplatz in Washington: Zweifel an Prestige und Zukunft Auch sportlich ist Trumps Ansage umstritten. Die Austragungsorte der U.S. Open sind auf Jahrzehnte hinaus weitgehend vergeben, die PGA Championship mindestens bis 2035. Washington wird also nicht plötzlich zum Golf-Mekka, nur weil Trump es am Sonntag im Niesel-Regen so bestimmte. Für viele lokale Spieler ist das Problem einfacher. „Es ist praktisch, es ist bequem und es ist günstig“, sagte ein Golfer dem lokalen Sender NBC4. Ein anderer berichtete, der Platz könne ein Upgrade vertragen – „die Herausforderung ist, ihn zu verbessern und für die Menschen im Distrikt bezahlbar zu halten.“ Wie das gehen soll, hat Trump bisher nicht dargelegt.