Donald Trump schwenkt um
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Trumps plötzlicher Briefwahl-Sinneswandel – kurz vor den Midterms 2026
Von: Tobias Utz
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Jahrelang wetterte Donald Trump gegen die Briefwahl. Angesichts schlechter Umfragewerte erfolgt nun vor den Midterms plötzlich die Kehrtwende.
Washington, D.C. – Jahrelang gehörte die scharfe Ablehnung des „Mail-in Voting“ zum festen Repertoire von Donald Trump. Nach der US-Wahl 2020 bezeichnete er Briefwahlen wiederholt als betrugsanfällig und illegitim. Doch mit Blick auf die anstehenden Midterms 2026 und die politische Machtbalance in den USA vollziehen die Republikaner einen pragmatischen Kurswechsel: Trump ruft seine Anhänger nun aktiv dazu auf, die Briefwahl zu nutzen.
Bereits Anfang Oktober veröffentlichte Trump ein Video, in dem er dazu aufrief: „Vote early. Vote by mail“, sagte er. Das erklärte Ziel der Republikaner dabei: Konservative Wähler sollen „alle geeigneten Mittel“ nutzen, um ihre Stimme abzugeben – sei es per persönlicher Stimmabgabe am Wahltag, durch vorzeitiges Wählen oder per Briefwahl. „Wenn in Ihrem Bundesstaat die Möglichkeit zur vorzeitigen Stimmabgabe besteht, warten Sie nicht. Gehen Sie wählen“, so der US‑Präsident.
Briefwahl vor Midterms: Das steckt hinter Trumps Strategiewechsel
Hinter dem Sinneswandel steckt eine nüchterne wahlstrategische Kalkulation. Für die Republikaner geht es in den Midterms um die Mobilisierung von Stammwählerschaft, deshalb auch die konkrete Ansprache konservativer Wählergruppen. Die Überzeugung unentschlossener Wählerinnen und Wähler scheint damit für Trump & Co. in den Hintergrund zu rücken. Dies ist möglicherweise eine Reaktion auf die anhaltend schlechten Umfrageergebnisse der Republikaner vor den Midterms. Dabei fällt beispielsweise auf, dass Trumps Zustimmungswerte vorwiegend bei Männern auf einen Tiefstand fallen.
In den vergangenen Wahlzyklen hatten die Demokraten bei der Briefwahl und vorzeitigen Stimmabgabe regelmäßig einen deutlichen Vorsprung erzielt. Während demokratische Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen über Wochen hinweg per Post einreichten („banking votes“), verließen sich Republikaner weitgehend auf den traditionellen Wahltag. Daran angepasst verlief Trumps Strategie bezüglich der Briefwahl.
Am 3. November wird in den USA bei den Zwischenwahlen abgestimmt
Der komplette Zeitplan der Midterms im kompakten Überblick.
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte er kürzlich weitreichende Einschränkungen, welche die Zustellung der Briefwahlunterlagen für die Midterms an die Wählerinnen und Wähler umfangreich verändert hätten, zurückgewiesen. Die Entscheidung fiel, nachdem Wahlbeamte der Bundesstaaten gewarnt hatten, dass ihnen nicht genügend Zeit zur Verfügung stehe, die Bestimmungen umzusetzen, die auf einer im März 2026 erlassenen Anordnung Trumps beruhten. Donald Trump reagierte darauf in seinen sozialen Medien: Die Entscheidung sei ein „Desaster“, wetterte er. Die ganze Welt lache über die USA, so der 80-Jährige.
Interessanterweise hatte Trump beispielsweise bei der Sonderwahl zum Repräsentantenhaus in Florida im März 2026 selbst per Briefwahl abgestimmt – trotz wiederholter öffentlicher Tiraden dagegen. Nun folgte schließlich die Anpassung seiner Kommunikationsstrategie.
Trump geht es „um die Wahlbeteiligung“ bei den Midterms 2026
Aus Kreisen der Republikaner war zuletzt wiederholt zu hören, dass die Kritik an der Briefwahl schade: Schlechte Witterungsverhältnisse, lange Warteschlangen an den Wahllokalen oder plötzliche Verhinderungen können die Mobilisierung am Stichtag empfindlich schwächen. Indem Stimmen frühzeitig per Briefwahl gesichert würden, können Kampagnenteams ihre Ressourcen in den letzten Wahlkampftagen gezielter auf unentschlossene Wähler konzentrieren. Das bestätigte ein Wahlkampfmitarbeiter der Republikaner eindeutig. „Es geht um die Wahlbeteiligung“, sagte er dem Sender CNN vor den Midterms.
Dem Sender zufolge wurden bereits mehr als neun Millionen Stimmen für die US-Zwischenwahl abgegeben. (Quellen: CNN, AP, Archiv, eigene Recherche) (tu)