Donald Trump teilt taktloses KI-Video nach tödlichem Tigerangriff
Bei dem Mann, der in einem Zoo in Yorkshire von einem Tiger getötet wurde, handelt es sich um den Kinderschauspieler William Chapman. Nach dem tragischen Vorfall meldete sich die Familie des Verstorbenen zu Wort: „Er war ein aufgeweckter, herzlicher und liebenswerter junger Mann, den seine Familie von ganzem Herzen liebte – und William liebte sie ebenfalls.“
Der 23 Jahre alte Chapman war am 10. Oktober in das Gehege eines Amur-Tigers im „Yorkshire Wildlife Park“ gestiegen und dort von dem Tier getötet worden. Er starb noch am Ort des Geschehens. Der junge Brite litt laut der Stellungnahme unter psychischen Erkrankungen, ihm seien starke Medikamente verabreicht worden. Es liege nun am Gerichtsmediziner, zu entscheiden, welche Rolle dies bei seinem Tod gespielt habe, betont seine Familie. „Wir möchten alle bitten, diesen Prozess zu respektieren.“
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Trotzdem verbreiteten Augenzeugen ein Video des Vorfalls im Internet. Das Video wurde vielfach geteilt, am Dienstagabend dann auch von Donald Trump über einen Account des Weißen Hauses – „Rapid Response 47“ – auf der Plattform X. Zu sehen war dort ein 41-Sekunden-Ausschnitt des Videos, in dem sich der Tiger dem Mann von hinten nähert und ihn an seinem Pullover im Nacken packt. Der Moment, in dem der Mann stirbt, ist nicht zu sehen. „Leg dich niemals mit der Natur an!“, schrieb Trump unter den Post.
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Später teilte er auf „Truth Social“ einen Beitrag, in dem eine Reihe KI-generierter Bilder von Menschen, die von Großkatzen zerfleischt werden, zu sehen sind. Das Video ist mit blassen Synthesizer-Klängen unterlegt. Sogar Trump-Unterstützer nahmen diese besonders grausamen und taktlosen Beiträge gemischt auf: „Ich bin ein großer Unterstützer, aber kein Fan dieses Posts“, schreibt ein User, andere bezeichnen den Post als „krank“. Wenig später lud Trump auf „Truth Social“ ein KI-generiertes Video hoch, in dem er selbst mit einem Tiger ringt. Am Ende des Videos liegen sich der lächelnde Tiger und Trump in den Armen. Das Video ist untermalt mit der Melodie von „The Lion Sleeps Tonight“.
Die Familie bittet um Privatsphäre
Die Familie des Verstorbenen meldete sich daraufhin zu Wort: Die Veröffentlichung und Verbreitung „dieser zutiefst beleidigenden Inhalte“ verursache bei ihr in einer Zeit, in der sie besonders verletzlich sei, schwerwiegende psychische Belastungen. Sie bat um Privatsphäre. Auch Sprecher der britischen Regierung bekundeten ihr Beileid und forderten dazu auf, den Wunsch der Familie zu respektieren, kein Material des Vorfalls zu teilen und verbreiten.
Oliver Coppart von der South-Yorkshire-Polizei mahnte indes, dass Spekulationen zu den Hintergründen des Vorfalls zu dem Schmerz beitragen würden, den Chapmans Familie ertragen müsse. Antworten würden mit der Zeit kommen. Nach Angaben der Polizei besuchte der junge Mann den Tierpark allein. Eine Augenzeugin sah ihn mit Kopfhörern vor dem Gehege auf und ab gehen. Später bat Chapman eine Besucherin, ein Foto mit dem Tiger im Hintergrund zu machen, dann kletterte er in das Gehege.
Viele sorgen sich auch um den Tiger
Auf einem Video, das vermutlich von seinem Handy aufgenommen und geteilt wurde, sah man das Innere des Geheges. Das Video und der Account wurden kurz darauf gelöscht. Als der Tiger ihn angriff, soll Chapman beide Fäuste geballt haben und seine kleinen Finger abgespreizt haben. Manche vermuten, es könnte ein Zeichen für „schlecht“ in Makaton gewesen sein, einer Kommunikationsform, die von Menschen mit Lernbehinderungen genutzt wird.
Chapman ging früher auf die Jackie Palmer Stage School in High Wycombe. Als Kind spielte er in der ITV-Produktion „May Contain Nuts“ an der Seite von Shirley Henderson – die vor allem für ihre Rolle als „Moaning Myrtle“ in den Harry-Potter-Filmen bekannt ist – und Darren Boyd mit. Außerdem verkörperte er Edward Jenner in der BBC-Serie „True Stories“.
Auch seine Schule gedenkt des Verstorbenen: „Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Beileid gelten Williams Familie und Freunden in dieser unglaublich schweren Zeit.“ Sie hätten es genossen, mitzuerleben, wie sich William sowohl als Mensch als auch als Künstler weiterentwickelt habe.
Nach dem Vorfall reagierten viele Besucher schockiert und bekundeten ihr Beileid. Viele sorgten sich auch um den Tiger. Sibirische Amur-Tiger gehören zu den größten Wildkatzen der Welt. Ein männliches Tier wiegt durchschnittlich zwischen 160 und 190 Kilogramm. Der Tierarzt David Sands sagte bei BBC, dass Tiger Raubtiere seien und natürlicherweise angreifen würden. „Ich glaube nicht, dass man dem Tier selbst die Schuld geben könnte.“ Der Park beruhigte die Besorgten später auch in einem Statement auf Instagram: „Wir können alle versichern, dass der Tiger sicher ist und es ihm gut geht und er wegen des Vorfalls nicht eingeschläfert wird.“