Donau-Niedrigwasser: Ungarn beginnt mit Versenkung von Lastkähnen nahe Atomkraftwerk
Ungarn hat damit begonnen, zwei Lastkähne zu versenken, um den Wasserstand der Donau nahe des Atomkraftwerks Paks zu erhöhen. Der Wasserstand im Pumpwerk des Kraftwerks sei bereits um etwa einen Zentimeter gestiegen, sagte der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar laut Bloomberg am Samstag. Das Atomkraftwerk Paks benötigt Wasser aus der Donau, um seine Reaktoren zu kühlen. Fällt der Pegel zu stark, ist der Betrieb gefährdet. Nach Angaben von Reuters läuft die Anlage derzeit nur mit rund 25 Prozent ihrer Kapazität. Grund sei eine historische Dürre und ein Rekord-Niedrigwasser der Donau. Laut Bloomberg produziert Paks aktuell 485 Megawatt – bei einer Gesamtkapazität von rund 2000 Megawatt. Das Kraftwerk ist für Ungarn von zentraler Bedeutung: Bloomberg zufolge liefert es etwa 40 Prozent des im Land erzeugten Stroms. Erdbeben der Stärke 7,7 in Indonesien: Mindestens 38 Tote Versenkte Kähne und eine Unterwasser-Barriere Um den Wasserstand kurzfristig anzuheben, versenken die Behörden laut Reuters zwei jeweils rund 80 Meter lange Lastkähne in der Nähe des Kraftwerks. Ministerpräsident Magyar erklärte demnach in einem Facebook-Beitrag: „Die Donau geht zurück ... Das kontrollierte Versenken der Kähne beginnt in Kürze.“ Ziel sei es, den Pegel so weit zu heben, dass die beiden noch laufenden Turbinen weiterarbeiten können. Parallel entsteht laut Bloomberg eine Art Barriere unter Wasser, die die Strömung verlangsamen und den nutzbaren Wasserstand erhöhen soll. Rund 5000 Tonnen Stein sollten dafür laut Magyar noch am Samstag eintreffen. Was ein kompletter Stillstand kosten würde Aktuelle Prognosen deuteten laut Magyar darauf hin, dass der Wasserstand bis zum frühen Montagmorgen einen kritischen Punkt erreichen könnte. Dann müsste eine der beiden laufenden Turbinen abgeschaltet werden, berichtet Reuters. Sinke der Pegel weiter, droht sogar der komplette Stillstand der Anlage. Ein solcher Ausfall würde laut Bloomberg Ungarns Bedarf an Stromimporten in den Abendstunden erhöhen und zusätzliche Kosten verursachen, bevor die Reaktoren wieder in Betrieb genommen werden können. Die Summen sind erheblich: Magyar schätzt laut Bloomberg, dass ein Stillstand von Paks mindestens 50 Milliarden Forint pro Monat kosten würde (rund 138 Millionen Euro). Verluste für Unternehmen durch eine knappere Stromversorgung seien darin noch nicht eingerechnet. Kein Einzelfall: Auch Rumänien ist betroffen Das Problem beschränkt sich nicht auf Ungarn. Anhaltende Hitzewellen haben nach Angaben von Bloomberg den Wasserstand in Flüssen und Wasserwegen in ganz Europa sinken lassen und die Stromnetze belastet. Das benachbarte Rumänien musste laut Reuters am Donnerstag den letzten noch laufenden Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda wegen des niedrigen Donau-Pegels abschalten. Zuvor waren ein Felsen gesprengt und mehrere mit Steinen beladene Kähne im Fluss versenkt worden, um den Betrieb des Reaktors möglichst lange aufrechtzuerhalten. Lesen Sie mehr zum Thema