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Donauwörth: Mysteriöse Stange vibriert am Münster und sorgt für Rätsel

Wissenschaft

Sie steht unscheinbar an der Mauer des altehrwürdigen Donauwörther Liebfrauen-Münsters - nahe dem Turm: eine Stange. Eigentlich könnte man sie schlichtweg übersehen, so unspektakulär ist sie. Einst trug sie ein Verkehrsschild, das längst nicht mehr gebraucht wird. Inzwischen ist der obere Teil abmontiert. Die Reststange hat keinerlei Funktion mehr. Und dennoch ist sie ein Blickfang – und längst im Gespräch. Menschen bleiben stehen, rätseln, runzeln die Stirn über das Phänomen, das sie dort sehen, nehmen Videos auf und wundern sich. Denn diese Stange wackelt. Nein - sie vibriert im Staccato. Fast ununterbrochen und teilweise enorm heftig. Auf den ersten Blick grundlos. Was ist das Geheimnis dieser Stange? Stadt Donauwörth sucht Lösung, um die verankerte Stange zu entfernen Die Stadt Donauwörth hat für sie eigentlich das Aus vorgesehen. Doch so einfach lässt sie sich nicht beseitigen. Pressesprecher Mirko Zeitler: „Die Stange ist so solide im Boden verankert, dass sie schwer zu entfernen ist, ohne das Pflaster zu beschädigen. Kollegen arbeiten an einer Lösung.“ Den Auslöser für das rätselhafte Schwingen kann Zeitler nur vermuten: „Ich denke, dass sich der Wind am Eck des Münsters fängt und auf die Stange trifft.“ Physiklehrer untersucht Phänomen am Donauwörther Münster Wir wollen es genauer wissen und verabreden uns mit einem Donauwörther Physiklehrer am Münster, um das Phänomen an Ort und Stelle in Augenschein zu nehmen. Er hat einen spannenden Verdacht. Er spricht von einem bekannten Phänomen - der Strömungsmechanik. Sie ist ein Zusammenspiel von Aerodynamik und der Platzierung der Stange dicht an der Hauswand. Strömt Luft an einem runden Gegenstand vorbei, entstehen dahinter abwechselnd links und rechtsdrehende Wirbel. „In der Physik nennt man das eine Kármánsche Wirbelstraße“, erklärt der Physiklehrer. Bei jedem Wirbelabriss erhält die Stange einen winzigen Impuls. Der Venturi-Effekt zieht die Stange in Richtung Wand des Donauwörther Münsters Weil das Rohr dicht an der Wand steht, könnte zusätzlich der Venturi- oder Düsen-Effekt wirken: Der schmale Spalt zwischen Wand und Stange beschleunigt die Luft. Und noch ein Gesetz könnte greifen: das Bernoulli-Prinzip. Dabei entsteht dort, wo die Luft schneller ist, Unterdruck, der die Stange zur Mauer zieht. Schlägt sie minimal zur Wand aus, wird der Spalt noch enger, die Luft noch schneller und der Unterdruck noch größer. Federt die elastische Stange zurück, öffnet sich der Spalt wieder – und der Effekt beginnt von vorn. Selbst winzige Impulse schaukeln sich dann auf Die Konstruktion wirkt dabei wie ein langer Hebel mit einer bestimmten Eigenfrequenz. Sie hängt - so unser Fachmann - unter anderem von Länge, Durchmesser und Material ab. Passt der Takt der aerodynamischen Bewegung zu dieser Eigenfrequenz, kann Resonanz entstehen. Und dann kommt es dazu, was Beobachter als dieses Vibrieren wahrnehmen: „Selbst winzige, ständig wiederkehrende Impulse können sich dann aufschaukeln und den Ausschlag am oberen Ende immer größer werden lassen“, erklärt der Physiklehrer. „Bis zu mehreren Zentimetern, selbst bei kaum spürbarem Wind.“ Diese Theorie hält der Fachmann eher für unwahrscheinlich Alternativ könnte noch etwas anderes eine Rolle spielen: Unterirdische Vibrationen wären denkbar. Wärmepumpen, Trafostationen, Glockengeläut oder vorbeifahrender Schwerlastverkehr etwa können solche auslösen. Unser Fachmann hält das allerdings für eher unwahrscheinlich. Warum? „Weil solche Schwingungen meist höherfrequent oder nur stoßweise auftreten, können sie das dauerhafte Schwingen wohl nicht verursachen.“ Klappi Storch bringt Reichsstraße als Öko-Kraftwerk ins Spiel Szenenwechsel hin zu einem anderen „Experten“: Das Donauwörther Stadtmaskottchen Klappi Storch hat eine andere - eher satirische - Erklärung parat. Es ist bestens über die Geheimnisse der Stadt informiert und behauptet augenzwinkernd: „Ja, ich kenne den Grund aus erster Hand!“ Die abgesägte Stange sei nichts Geringeres als „der Energiespar-Mast der Stadt Donauwörth“. Aha - wie funktioniert der? Ganz einfach – zumindest in der Phantasie-Welt von Klappi Storch: Die Stange nimmt die Erschütterungen vorbeifahrender Autos und vorbeilaufender Menschen auf und verwandelt sie mit ihren Vibrationen in Öko-Strom. Ein kleines Kraftwerk mitten in der Reichsstraße – ganz ohne Genehmigungsverfahren. Ah ja! - Dann ergibt ja auch Tempo 20 in der Reichsstraße einen völlig neuen Sinn! Klappi Storch: „Autos dürfen nur noch 20 km/h fahren, um das Netz nicht zu überlasten.“ Bei höherem Tempo droht ein Kollaps. Klappi Storch fordert leisere Schritte in der Reichsstraße Auch Fußgänger müssten - laut Klappi Storchs gewagter These - ihren Beitrag leisten: „Sie sollen leiser auftreten – aus demselben Grund.“ Denn wer schweren Schritts durch die Reichsstraße stapft, könnte zur kommunalen Stromüberproduktion beitragen. Das Ziel des revolutionären Energieprojekts ist laut Klappi Storch ambitioniert: „Der Haushalt der Stadt Donauwörth soll signifikant entlastet und die Landesgartenschau finanziert werden.“ - Damit, lieber Klappi Storch, wären wir dann allerdings endgültig in deinem Reich der Märchen angekommen...

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