Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: US-Börsen verlieren deutlich - KI-Aktien unter Druck
Am letzten Handelstag der Woche bewegt die US-Indizes eine Rede von Fed-Chef Warsh. An den Anleihemärkten gibt es Hinweise, dass der Ausverkauf von Staatsbonds vorerst vorbei sein könnte.
Ein Straßenschild an der Wall Street in New York. Foto: dpa
Düsseldorf. Die Wall Street baut ihre Verluste im Tagesverlauf am Freitag immer weiter aus. Anleger lassen sich nicht vom Optimismus des US-Notenbankchefs Kevin Warsh mit Blick auf die wirtschaftliche Lage der USA beeindrucken.
Der Dow Jones der Standardwerte notiert 0,5 Prozent im Minus bei 51.899 Punkten.
Der breit gestreute S&P 500 fällt um 1,3 Prozent auf 7646 Zähler.
Die Technologiebörse Nasdaq liegt 2,3 Prozent niedriger bei 26.103 Punkten.
Der Nasdaq 100, der die 100 Nicht-Finanzunternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung abbildet, verliert 2,6 Prozent und kommt auf 29.170 Zähler.
Die Wall Street setzt damit am Freitag den Börsentrend der Woche fort, der von einer Verkaufswelle bei den Aktien von Chipherstellern geprägt war. Anlegerinnen und Anleger in den USA erwarten steigende Zinsen. Sie fürchten, dass der Zinsdruck vor allem Unternehmen mit KI-Bezug zusetzt.
Der Kursrückgang bei Speicherchip-Aktien habe den Anlegern „einen Vorwand geliefert, ihr Engagement in allen KI-nahen Unternehmen zu reduzieren“, sagte David Morrison, Chefanalyst bei Trade Nation.
Warsh versprühte am Freitagmorgen Konjunkturoptimismus. In einem Gespräch mit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, in Bangkok verwies er auf einen Investitionsschub, der weit über den Bereich der Künstlichen Intelligenz hinausgehe. Er habe den Eindruck, dass die Wirtschaft in seinem Land an Stärke gewinne und über „reichlich Rückenwind“ verfüge, sagte Warsh.
Er bescheinigte der US-Wirtschaft trotz zahlreicher globaler Krisen und einer hartnäckigen Inflation Widerstandsfähigkeit. „Ich bin optimistisch – manche würden vielleicht sagen: naiv, dass wir zumindest in den Vereinigten Staaten gestärkt aus dieser Phase hervorgehen werden.“ Die USA seien besser in der Lage, weltweit beim Wirtschaftswachstum eine Führungsrolle einzunehmen.
Warsh will Zinspolitik der Fed nicht kommentieren
Ob aus dem rhetorischen Rückenwind durch Warsh „ein tragfähiges Grundgerüst für eine Jahresendrallye entsteht, bleibt fraglich“, gab Marktanalyst Timo Emden vom Broker Captrader zu bedenken. „Die aktuelle Schaukelbörse unterstreicht nach wie vor die undurchsichtige Gemengelage. Zwischen Zinsfragen, KI-Zweifeln und Krisenherden fehlt den Anlegern weiterhin der entscheidende rote Faden.“
Zur Zinspolitik der Federal Reserve (Fed) hielt sich Notenbankpräsident Warsh wie gewohnt bedeckt. „Ich halte nichts davon, jetzt schon zu sagen, was ich auf den verbleibenden Sitzungen in diesem Jahr tun könnte“, erklärte er.
Dem CME FedWatch-Tool zufolge, das zeigt, wie wahrscheinlich die Märkte eine Änderung des Zinssatzes einschätzen, rechnen aktuell 85 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung bei der nächsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses Ende Oktober. Für die Fed-Sitzung im Dezember hingegen erwarten knapp 77 Prozent eine Zinserhöhung.
Im September hatte die Fed die Zinsen erstmals seit etwa drei Jahren angehoben. Damit habe die Zentralbank deutlich gemacht, dass sie für Preisstabilität sorgen werde, sagte Warsh. Die Inflation hat sich im September mit 3,7 Prozent jedoch noch weiter vom Ziel der Fed von zwei Prozent entfernt.
Die Geldpolitik, sowohl der Fed als auch der Europäischen Zentralbank (EZB), befinde sich „angesichts einer Rekordverschuldung und strapazierter Staatshaushalte schon längst in einem Zielkonflikt“, kommentiert Helaba-Strategin Claudia Windt. Im Nachgang der IWF-Jahrestagung gibt es in den kommenden Tagen zahlreiche Reden von Vertretern der Fed, der EZB und der Bank of England zur aktuellen Inflations- und Zinslage.
Ausverkauf bei Staatsanleihen offenbar vorerst gestoppt
Der monatelange Ausverkauf an den globalen Anleihemärkten kommt vor dem Wochenende langsam zum Stillstand. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank im Wochenverlauf um 0,14 Prozentpunkte auf 5,11 Prozent, nachdem sie in der Vorwoche mit mehr als 5,3 Prozent den höchsten Stand seit 2002 erreicht hatte.
Geldanlage
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Die jüngste Erholung bei den Anleihen ist vor allem auf eine gestiegene Nachfrage nach sicheren Anlagen zurückzuführen. Die Sorgen über die Nachhaltigkeit des KI-Booms haben Technologieaktien unter Druck gesetzt und Anleger dazu veranlasst, Kapital aus risikoreichen Anlagen abzuziehen. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor im Wochentrend etwa drei Prozent und erlebte damit seine schwächste Woche seit Juli.
Gleichzeitig gelten die inzwischen hohen Anleiherenditen für Investoren wieder als attraktiv, insbesondere im Vergleich zu hohen Aktienbewertungen und geringen Risikoaufschlägen bei Unternehmensanleihen. Ob die Erholung bei den Anleihen nachhaltig ist, hängt maßgeblich davon ab, wie sich Inflation und Zinsen für Unternehmen weiterhin entwickeln.
US-Importpreise steigen im September deutlich
Die Preise für US-Einfuhren legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,1 Prozent zu, wie das Arbeitsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat stiegen sie um 1,1 Prozent. Hier hatten von Reuters befragte Ökonomen nur mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent gerechnet, nach einem Plus von revidiert 0,5 Prozent im August. Die USA importieren viele Waren, Vorprodukte und Rohstoffe aus dem Ausland. Daher wirken sich steigende Einfuhrpreise letztlich auch auf die Inflation aus.
Tech-Aktien standen nach einer schwachen Woche auch am Freitag unter Druck. Der Dow Jones konnte hingegen leicht zulegen. Markus Koch erklärt, dass Anleger aufgrund der Schwäche im KI-Sektor wieder vermehrt auf die Standardwerte übergehen.
An den Börsen dürfte hingegen positiv ankommen, dass die US-Unternehmen ihre Produktion im September stärker gesteigert haben als erwartet. Die Fertigung von Industrie, Versorgern und Bergbau legte um 0,7 Prozent zu, wie die Fed am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent gerechnet.
Auf den Industriesektor entfallen in den USA 9,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im jüngst veröffentlichten Konjunkturbericht „Beige Book“ der Fed heißt es, die Unternehmen behielten für die kommenden Monate weiter einen positiven Wirtschaftsausblick bei. Die Erwartungen deuteten jedoch eher auf ein leichtes Wachstum hin, das durch anhaltende Unsicherheiten belastet werde.
Blick auf die Einzelwerte:
Tesla und SpaceX: Die Vorstellung eines neuen Sportwagens von Tesla und dessen Partner SpaceX beflügelt die Aktien beider Unternehmen. Tesla hat eine Neuauflage seines Roadster-Sportwagens vorgestellt, die mit raketenähnlichen Triebwerken von SpaceX ausgestattet ist. Die Produktion ist für 2028 geplant. Die Aktie des Autobauers verliert 2,7 Prozent, die des Raumfahrtunternehmens verliert drei Prozent.
Eli Lilly: Der US-Pharmakonzern hat für seine Abnehmpille Foundayo eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Zulassung in der Europäischen Union genommen. Ein Ausschuss der EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Freitag die Zulassung des Medikaments zur Gewichtskontrolle und zur Behandlung von Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen.
Die EU-Kommission muss der Empfehlung nun noch zustimmen, bevor Eli Lilly das Mittel auf den Markt bringen kann. Foundayo wäre nach der Pille Wegovy des dänischen Rivalen Novo Nordisk das zweite orale Medikament dieser Art mit einer Zulassung in der EU. Die Aktie notiert 0,3 Prozent höher.
Netflix: Der US-Streamingdienst ernennt nach eigenen Angaben den früheren Disney-Manager Peter Rice zum neuen Vorstand im Inhaltebereich. Er soll ab dem 26. Oktober die Strategie von Netflix für Serien, Filme und Live-Formate verantworten. Die Personalie folgt auf die Ankündigung vom Vortag, sechs Prozent der Belegschaft (etwa 1000 Mitarbeiter) zu entlassen.
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Zudem gibt es Zweifel, ob Netflix sein Wachstum aufrechterhalten kann. Ihm machen Konkurrenten wie YouTube und TikTok zu schaffen, die mit kostenlosen, nutzergenerierten Inhalten Zuschauer anziehen. Die Aktie verliert 3,5 Prozent.
Coreweave: Dem Rechenzentrum- und Softwareunternehmen macht der anhaltende Ausverkauf bei KI-Aktien zu schaffen. Händler verweisen zudem auf anhaltende Sorgen über die Schuldenlast des Unternehmens. Anleger befürchten derzeit, dass die Betreiber von Rechenzentren nicht rechtzeitig profitabel werden, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Die Coreweave-Papiere stürzen um 12,3 Prozent ein.
Mit Material der Nachrichtenagentur Reuters.
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