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Drei gute Nachrichten, die Hoffnung machen

Wissenschaft

In Kolumbien kühlen Bäume eine Großstadt, in Berlin wird eine große Herausforderung mit kleinen Konzepten angegangen und im Erzgebirge ist der Luchs los – drei gute News für die Woche.

Die tägliche Flut an negativen Nachrichten lässt viele frustriert, traurig, wütend oder mit einem Gefühl der Ohnmacht zurück. Trotzdem werden negative Schlagzeilen mehr gelesen als positive Meldungen – vermutlich aus einem evolutionsbiologischen Grund: Das menschliche Gehirn ist darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu bewahren. Deshalb reagiert es auf Schreckensmeldungen besonders sensibel und speichert negative Informationen stärker ab.

Aber: Doomscrolling, also gezielter und massiver Konsum von negativen Nachrichten, kann der psychischen Gesundheit schaden, wie zahlreiche Studien belegen. Positive Informationen wirken da wie ein Gegengewicht. Sie verdeutlichen, dass es auch konstruktive Lösungen für ein gutes Miteinander und eine bessere Zukunft gibt. In diesem Sinne: Hier sind die guten News der Woche.

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Good News 1: Start-up für bezahlbaren Wohnraum in Berlin

Bezahlbarer Wohnraum ist in Berlin knapp. Wegziehen, sich räumlich verkleinern, mehr arbeiten, an anderen Stellen sparen oder ein Zimmer untervermieten – viele Optionen haben Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen in der Hauptstadt nicht. Dass Architekt Van Bo Le-Mentzel sich mit dieser Entwicklung nicht tatenlos abfinden will, bewies er bereits mit seiner Tiny Foundation.

Diese entwickelt innovative Mikro-Wohnlösungen wie Tiny Houses für sozial benachteiligte Menschen, Co-Living-Konzepte für soziale Nachbarschaften oder Not-Hotels auf Parkplätzen für Obdachlose. Aus der Tiny Foundation ist im Oktober 2025 das Start-up Gemeinwohlbau COB01 hervorgegangen – ebenfalls mit dem Ziel, bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln in Berlin zu schaffen. Ziel sind Warmmieten ab 330 Euro.

Mondäne Altbauwohnungen mit hohen Decken und Stuck darf man natürlich nicht erwarten. Der Tiny-Gedanke ist auch im neuen Start-up zentral: Gemeinwohlbau will kleine Baulücken kaufen und sie durch intelligente Planung und effiziente Flächennutzung in günstigen Wohnraum umwandeln. Serielle Baukastenbauweise soll die Kosten und Bauzeiten möglichst gering halten.

Um die Grundstücke zu kaufen, setzt das Unternehmen auf Crowdfunding – mit Erfolg. Seit Februar hat das Start-up mehr als eine halbe Million Euro gesammelt. Laut Architekt Le-Mentzel stammt das Geld nicht von Investoren, sondern von "ganz normalen Menschen", die Verantwortung für ihre Stadt übernehmen und ihr Geld alternativ anlegen wollen.

Der soziale Gedanke schließt auch die Kapitalgeber ein: Aus Fairness gegenüber finanziell schwächeren Mietern bekommen sie zwar kein Vormietrecht, sollten sie aber selbst in eine Notsituation kommen – etwa durch eine Eigenbedarfskündigung – werden sie bei Neuvermietungen bevorzugt oder ans Hausverwaltungsnetzwerk des Start-ups vermittelt. Schon bald soll es losgehen mit den kleinen Lösungen für eine große Stadt: Im Oktober wollen sich die gemeinnützigen Berliner Häuslebauer für das erste Grundstück entscheiden.

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Good News 2: Fast eine Million Bäume als urbane Klimaanlage

Hitzeschutz spielt in vielen Städten angesichts des Klimawandels eine immer wichtigere Rolle. Kurzfristige Lösungen wie Klimaanlagen oder öffentliche Kühlräume packen das Problem aber nicht an der Wurzel. Für das Klima- und Hitzemanagement der kolumbianischen Metropole Medellín sind Wurzeln ein zentraler Faktor - und zwar im wahrsten Sinne.

Vor zehn Jahren startete die Stadt das Begrünungsprogramm Corredores Verdes – grüne Korridore. Rund 880.000 Bäume und 2,5 Millionen kleinere Pflanzen wie Bodendecker wurden seitdem entlang von Straßen, Wasserläufen und Hügeln gepflanzt. Die Korridore wurden so angelegt, dass sie wie ein grünes Netzwerk miteinander verbunden sind. Auch an vielen Häuserfassaden ranken mittlerweile Pflanzen.

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Ursprünglich sollte die Maßnahme die Luftqualität in der Stadt verbessern und der zunehmenden Hitze entgegenwirken. Durch den Schattenwurf der Bäume heizen sich Asphalt und Beton weniger auf. Beim Verdunsten von Feuchtigkeit über die Blätter kühlt die Luft zusätzlich ab. Heute ist der Effekt messbar: Durch die grünen Korridore sank die Temperatur in Medellín um bis zu zwei Grad Celsius. Auf die Lärm- und Schadstoffbelastung wirkt sich die Begrünung ebenfalls positiv aus – und auf die urbane Artenvielfalt.

Auch in vielen deutschen Städten werden Flächen zunehmend entsiegelt und begrünt. Einige setzen auf das sogenannte Schwammstadt-Konzept: Bei Regen nimmt die Stadt Wasser wie ein Schwamm auf und speichert es. Statt direkt und ungenutzt in die Kanalisation zu fließen und diese bei Starkregen zu überfluten, sickert das Wasser in begrünte Mulden und wird in Speichern unterhalb der Oberfläche aufgefangen. Begrünte Dächer und Wasserspeicher auf Flächen wie Garagendächern ergänzen das Schwamm-Konzept.

In trockenen Phasen zehren die Pflanzen vom Wasservorrat und kühlen die Städte weiter. Gleichzeitig wird Überschwemmungen entgegengewirkt. In der Rummelsburger Bucht in Berlin wird das Prinzip bereits angewendet. Mehr urbane Grünflächen haben einen weiteren nennenswerten Aspekt: die positive Wirkung auf das Wohlbefinden. Dass schon kurze Aufenthalte in der Natur Stress reduzieren können, ist belegt. Auch, dass selbst der Blick ins Grüne eine messbar entspannende Wirkung hat.

Trotzdem werden größere Begrünungsmaßnahmen von vielen zunächst kritisch gesehen. Womöglich, weil der Effekt nicht direkt spürbar ist und sie zunächst unverhältnismäßig teuer und aufwendig erscheinen. Das Beispiel der kolumbianischen Millionenstadt Medellín zeigt jedoch, dass sie eine gute und vor allem langfristig gedachte Investition sind.

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Good News 3: Doppelter Luchs-Zuwachs im Erzgebirge

Mit seinen sanften Hügeln, weiten Wäldern und urigen Dörfern zieht das Erzgebirge zunehmend Aktivurlauber in die Region. Seit einigen Tagen erkunden zwei neue Bewohner ihr neues Habitat: die Luchse Lotta und Luca. Weibchen Lotta stammt aus dem Wildgatter Oberrabenstein in Chemnitz, Männchen Luca aus einem Tierpark in Belgien. Beide wurden im Rahmen des Projekts "RELynx Sachsen" des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie im Forstbezirk Eibenstock ausgewildert.

Damit die Auswilderung bestmögliche Chancen auf Erfolg hat, wurden die Luchse gut auf ihr neues Leben in freier Wildbahn vorbereitet. Erste Station der Jungluchs-Schule war ein Freigehege im Wildkatzendorf Hütscheroda. Dort lebten sie nahezu ohne Kontakt zu Menschen. Um sicherzustellen, dass sich die Tiere für das Projekt eignen, wurden ihre Gesundheit und ihr Verhalten in dieser Zeit aufmerksam beobachtet.

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Dabei zeigten sich Luca und Lotta als das perfekte Match für das Auswilderungsprojekt. Und so begann die große Reise in die Freiheit für die jungen Luchse. Ganz alleine streifen die Wildkatzen mit den Pinselohren aber nicht durch den Eibenstocker Forst. Die ersten Luchse wurden bereits im Jahr 2024 in der Region ausgewildert. Mit Luca und Lotta ist ihre Zahl auf neun gestiegen.

Mit jedem ausgewilderten Luchs steigt die Chance auf eine stabiler werdende Population. Die ausgewilderten Tiere werden gezielt gewählt: Lotta und Luca stammen aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für den Karpatenluchs. Sie sollen die genetische Vielfalt der sächsischen Luchs-Population erweitern und hoffentlich schon bald gesunden Nachwuchs zeugen.

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