Dreifachtherapie könnte Reservoirbildung bei Neugeborenen verhindern
Bisherige Therapien gegen das Humane Immundefizienzvirus (HIV) können zwar die Viruslast deutlich senken, das virale Reservoir jedoch nicht erreichen. Eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Jonah B. Sacha von der Oregon Health & Science University in Portland, USA, überlegte daher, ob eine Kombination verschiedener Therapien möglicherweise erfolgreich sein könnte. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal »Nature Microbiology« veröffentlicht. Um die Hypothese zu untersuchen, infizierte das Team infantile Rhesusaffen mit einem HIV-ähnlichen Virus, dem Simian Immunodeficiency Virus (SHIV). Die Forscher konzentrierten sich auf Neugeborene, weil sich bei einer HIV-Übertragung rund um die Geburt der Infektionszeitpunkt meist gut bestimmen lässt. Das Team testete verschiedene Behandlungsregime, die bewusst erst 72 Stunden nach erfolgreicher Infektion einmalig verabreicht wurden. Zu diesem Zeitpunkt hat das Virus bereits begonnen, sich im Körper auszubreiten, und einzelne Therapieansätze gelten als nicht mehr ausreichend für eine dauerhafte Viruskontrolle. Getestet wurden: Leronlimab, an dessen Entwicklung Sacha jahrelang mitgearbeitet hat, blockiert den HIV-Corezeptor CCR5, über den das Virus in viele Zielzellen eindringt. Mit der Dreifachtherapie unterbanden die Forscher zudem die Vermehrung der Viren und neutralisierten frei zirkulierende Viren. Die einzelnen Behandlungen oder Zweifachkombinationen unterdrückten eine Infektion nicht ausreichend. Zwar sank die Viruslast oft deutlich, aber nach Ende der Therapie kam das Virus bei vielen Tieren zurück. Das zeigte, dass sich dennoch ein Reservoir gebildet hatte. Die acht Affen, die eine Dreifachtherapie erhalten hatten, wurden jedoch scheinbar erfolgreich therapiert. Nachdem zunächst nachweisbare Virusmengen festgestellt worden waren, wurde das Virus nach Therapiebeginn rasch unterdrückt. Nach Absetzen der Medikamente blieb bei allen acht Tieren das Virus über mindestens sechs Monate hinweg nicht nachweisbar. Auch ein Jahr nach Therapiebeginn fanden die Forscher weder replizierendes noch latentes Virus in Blut- oder Gewebeproben. Selbst nach experimenteller Entfernung von CD8-T-Zellen, die normalerweise eine Viruskontrolle unterstützen, flammte die Infektion nicht wieder auf.