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Drohnen an deutschen Flughäfen: Neues System soll Sicherheit bringen

Technologie

Deutsche Flughäfen werden mit Drohnendetektionssystemen ausgestattet. Ein Vorfall wie in Leipzig soll nicht noch einmal vorkommen. Doch reicht das?

Als im August eine mit Sprengstoff bestückte Drohne auf dem Leipziger Flughafen entdeckt wurde, war dies einmal mehr Zufall. Ein Busfahrer entdeckte das Fluggerät, sicherte sie mit dem Fuß und rief das Sicherheitspersonal. Zuvor war die Drohne über das Flughafengelände geflogen, ohne dass sie bemerkt wurde.

Das soll sich nicht wiederholen. Am Montag wurden an den Flughäfen in Stuttgart und Hamburg neue Drohnendetektionssysteme in Betrieb genommen, im Verlauf der Woche soll auch Leipzig folgen. An fünf weiteren deutschen Flughäfen ist dies bereits geschehen. Künftig sollen so Drohnen bereits im Anflug auf die Flughäfen registriert und notfalls auch eliminiert werden.

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Doch auch wenn die neue Technik Fortschritte verspricht, so bleiben weiterhin Lücken. Vor allem die Abwehr gefährlicher Drohnen bleibt eine Herausforderung.

Bilger verspricht: "Wir handeln konsequent"

Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) betonte bei der Inbetriebnahme des Detektionssystems in Berlin: "Angesichts der aktuellen Lage handeln wir konsequent." Er setzt große Hoffnungen in die neuen Systeme. Diese seien "eine wichtige technische Grundlage, um mögliche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und die zuständigen Stellen schnell zu informieren". Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) ergänzte, es sei "wichtig, so früh wie möglich verlässliche Informationen zu erhalten, um richtig handeln zu können".

Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden an den 15 internationalen deutschen Flughäfen 166 Drohnen gesichtet. Entdeckt wurden sie in der Regel von Piloten beim Landeanflug. Auch Flughafenpersonal, Polizei oder Bürger hatten in der Vergangenheit Drohnen gemeldet, manchmal waren auch nur einzelne Lichter zu sehen. Ulrich Heppe, Geschäftsführer des Flughafens Stuttgart, erklärte bei der Vorstellung, hierbei habe es auch viele Falschmeldungen gegeben – beispielsweise, wenn Menschen einen hellen Stern für eine Drohne hielten.

Die neue Überwachung soll hier nun ansetzen, allerdings hat auch diese Technik Lücken: Erfasst werden vor allem Ziele mit Transponder oder ab einer bestimmten Größe. Kleine Drohnen können weiterhin übersehen werden. Hier sieht auch Sicherheitsexperte Manuel Atug im Gespräch mit t-online eine Herausforderung. Die Systeme böten längst keinen umfassenden Schutz. "Man kann mit einem Detektionssystem nur das erkennen, was man explizit abdeckt."

Zudem handelt es sich bei den neu installierten Systemen vorerst nur Übergangslösungen. Erst im Januar sollen die Flughäfen komplett umgerüstet werden. "Das ist noch keine voll ausgereifte Technik, weil das alles noch relativ neu ist", schränkt Atug ein.

Neues System erkennt auch Drohnen im Anflugbereich

Das Verkehrsministerium arbeitet dabei mit dem Innenministerium zusammen, das den Ausbau koordiniert. Dabei werden rund um das Gelände Sendemasten installiert, die mit Sensoren versehen sind. Diese erkennen, ob und wo ein Flugobjekt fliegt. In so einem Fall wird der Standort demnach an das Lagezentrum gesendet, wo beispielsweise anhand von Geschwindigkeit und Standort des Flugobjekts entschieden werden kann, wie reagiert werden soll. Wichtig ist dabei, dass erstmals auch Drohnen im An- und Abflugbereich frühzeitig erkannt werden können.

Laut dem "Tagesspiegel Background" nutzen der Hauptstadtflughafen BER und mindestens drei weitere Flughäfen dabei ein System des israelischen Herstellers Magos. Das System AR-300 kann Drohnen mit einem Durchmesser zwischen 24 und 140 Zentimetern dreidimensional orten. Es ist allerdings unklar, ob alle Flughäfen das gleiche System nutzen.

Zur Person

Manuel Atug ist Gründer und Sprecher der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG KRITIS), eines Zusammenschlusses von Fachleuten zur Verbesserung der Resilienz und der IT-Sicherheit. Er wurde bereits mehrfach als Sachverständiger im Bundestag angehört.

Zuständig für den Betrieb des Systems ist die Deutsche Flugsicherung (DFS), die bereits jetzt den Luftverkehr kontrolliert und in den Towern der Flughäfen sitzt. Auf den dortigen Kontrollgeräten der Lotsenradare tauchen Drohnen aber in der Regel nicht auf.

Nun sollen die gesammelten Daten in einer DFS-Zentrale im hessischen Langen zusammenlaufen. Mit dem System werde die "Möglichkeit verbessert, Drohnen im relevanten Luftraum frühzeitig zu erkennen und die verfügbaren Informationen für die weitere Lagebewertung allen beteiligten Partnern bereitzustellen", sagte eine Sprecherin t-online.

Live-Lagebild: Zweifel am Zweck

Ziel ist dabei auch, ein Live-Lagebild des Luftraums zu erstellen. Experte Atug zeigt sich skeptisch: "Ein Live-Lagebild an den Flughäfen hätte kaum einen Mehrwert. Was soll das bringen?" Er wendet ein: "Wenn ein einzelner Flughafen angegriffen wird, hilft das Lagebild nicht." Es reiche im ersten Schritt, wenn alle Drohnen identifiziert und an die Polizei gemeldet werden.

Denn die DFS registriert die Drohnen zwar, darf aber keine Maßnahmen zur Abwehr einleiten. Das ist auf dem Flughafengelände Aufgabe der Bundespolizei. Befindet sich die Drohne im Anflug außerhalb des Geländes, ist die jeweilige Landespolizei zuständig. Beide können auch die Bundeswehr um Unterstützung bitten.

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Durch die jetzt genauere Positionsbestimmung dürften insbesondere die Landespolizeien bessere Chancen bei der Abwehr haben, auch wenn mitunter viel Zeit vergehen kann, bis tatsächlich gehandelt werden kann. Experte Atug betont: "Die Abwehr ist ein fieses Thema, bei dem man schwer gewinnen kann. Es gibt viele Risiken und mögliche Kollateralschäden."

Kritik an der Bundesregierung

Allerdings sieht er vor allem auf staatlicher Seite Handlungsbedarf. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) lasse "sich von der Lage treiben und reagiert nur, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Aber es wird zu wenig proaktiver Schutz unternommen." Atug kritisiert, dass es erst nach Vorfällen Maßnahmen gebe.

In der Vergangenheit hatte Dobrindt eine Drohneneinheit der Polizei, ein Technologiezentrum zur Drohnensicherheit und ein Drohnenabwehrzentrum eröffnet. Zu Letzterem gab es allerdings bereits Kritik, dass die personelle Ausstattung kaum den versprochenen Zielen entspreche. Atug sieht bei Dobrindts Vorgehen die falschen Prioritäten: "Es braucht nicht noch mehr Zentren, sondern klarere Zuständigkeiten und Meldeketten innerhalb des Polizeiapparats. Die Abläufe sind bisher überhaupt nicht geklärt."

Nun muss sich die Bundesregierung insbesondere auch am Erfolg der Detektionssysteme messen lassen. Ein weiterer Vorfall wie in Leipzig würde das Vorgehen weiter infrage stellen. Um das zu verhindern, soll das Netz weiter ausgebaut werden. Nachdem die wichtigsten acht Flughäfen mit der Drohnendetektion ausgestattet wurden, soll dies zeitnah auch auf alle 15 internationalen Flughäfen in Deutschland ausgeweitet werden.

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