DAX -0,94 % 26.091,33 Pkt 18:00:00 MDAX -1,65 % 31.822,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,37 % 6.444,46 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,15 % 53.539,33 Pkt 18:23:13 S&P 500 -0,13 % 7.735,21 Pkt 18:23:03 Nasdaq -0,77 % 26.439,77 Pkt 18:23:12 Nikkei -3,16 % 65.326,42 Pkt 08:45:03 Gold +4,37 % 4.556,60 USD 18:13:12 Silber +3,27 % 66,04 USD 18:13:10 Brent +1,52 % 92,40 USD 18:12:56 WTI +0,59 % 85,44 USD 18:13:10 Bitcoin +6,17 % 68.672,99 USD 18:23:11 EUR/USD +0,76 % 1,16710 USD 18:22:54 EUR/GBP +0,30 % 0,85740 GBP 18:23:13 EUR/CHF -0,69 % 0,93240 CHF 18:23:13 EUR/JPY +0,17 % 184,841 JPY 18:23:13

Drohnen-Eskalation in Moskau: „Neue Phase des Krieges”

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620 Drohnen flogen laut russischen Angaben in der Nacht auf Dienstag in Richtung Moskau und Umland. Wie der „Spiegel“ berichtet, meldete Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin eine der bislang größten ukrainischen Angriffswellen auf die Hauptstadtregion. Die meisten Drohnen seien abgeschossen worden. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben bislang nicht. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters über eine Drohnenattacke auf die Moskauer Region berichtet. Dabei soll ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden sein. Die politische Bedeutung der Angriffe „Wir sind jetzt in einer neuen Phase des Krieges“, sagt Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Gespräch mit FOCUS online. Der Krieg ist ihm zufolge in Russland angekommen; auch dort würden Menschen durch Angriffe getötet und jeden Tag Infrastrukturen zerstört. Denn: Ukrainische Angriffe zielten in den vergangenen Monaten vermehrt auf Raffinerien, Lager, Raketenfabriken und Kommandostände tief in Russland. Zugleich verändere sich die Art und Weise, wie der Krieg in Russland kommuniziert werde, so Meister. Für den Kreml seien sowohl die materiellen Schäden als auch der daraus entstehende Imageschaden problematisch. Angriffe auf Raffinerien, Militärfabriken und Versorgungslinien könnten nach seiner Einschätzung Russlands Einnahmen und die Versorgung der Armee beeinträchtigen. Gleichzeitig werde sichtbar, dass Russland seine Infrastrukturen nicht vollständig schützen könne. ANZEIGE ANZEIGE Wie die Angriffe in Russland bewirken könnten Alexander Libman, Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Osteuropa und Russland an der Freien Universität Berlin, unterscheidet auf Nachfrage von FOCUS online drei mögliche Auswirkungen der Angriffe. Erstens könnten sie die Unsicherheit in der Bevölkerung befeuern und den Krieg für die Menschen in Moskau spürbarer machen. Das könnte die Unterstützung für die gewaltsame Auseinandersetzung verringern. Zweitens sei auch das Gegenteil möglich: ein sogenannter Rally-around-the-flag-Effekt. Angesichts einer äußeren Bedrohung könnte sich die Bevölkerung stärker hinter der russischen Führung versammeln und eine entschlossenere Fortsetzung des Krieges fordern. Als dritte Möglichkeit nennt Libman den Umgang des russischen Staates mit den Folgen. Entscheidend sei, ob der Staat Schäden kompensiere, betroffene Unternehmen unterstütze und eine Versorgung organisiere. „Wenn die Regierung sich als inkompetent erweist, dann ergibt sich ein enormes Problem für Putin“, sagt Libman. Welcher dieser Effekte überwiegt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Der Professor verweist auch auf mögliche wirtschaftliche Folgen. So seien Lagerhäuser des Onlinehändlers Wildberries von den Angriffen betroffen gewesen. Das Unternehmen sei stark verschuldet. Sollten die ukrainischen Attacken in der aktuellen Intensität andauern, könnten nach Libmans Einschätzung Probleme für Unternehmen, Banken und den Staat entstehen. Weitere Eskalation möglich Stefan Meister rechnet mit mehr Härte in der russischen Politik. Er erwartet verstärkte Angriffe auf die Ukraine, mehr Repressionen im Inneren und nach der Duma-Wahl im September möglicherweise eine Teilmobilisierung. „Putin wird einfach härter werden, je mehr die Ukraine attackiert“, sagt Meister. Seiner Einschätzung nach ändern die Angriffe zunächst nichts an Putins politischer Position. Einen unmittelbaren Machtverlust erwartet Meister nicht. Auch Libman hält weitere Eskalationsschritte für möglich. Putin müsse auf äußeren Druck allerdings nicht zwangsläufig mit einer spektakulären Maßnahme reagieren. Eine mögliche Antwort seien intensivere Angriffe auf zivile Ziele sowie auf Infrastrukturen in der Ukraine. Welche Hebel der Kreml ziehen könnte, sei schwer vorherzusagen.

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