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Drohnen stellen Ukraines Luftverteidigung vor strategische Zerreißprobe

Technologie

Startseite Politik Nur 5 Sekunden zur Abwehr: Russlands pfeilschnelle Jet-Drohne fordert die ukrainische Verteidigung heraus Von: Tim Krüger Uns auf Google folgen Moskaus strahlgetriebene Angriffsdrohnen erreichen bis zu 600 km/h und untergraben damit ein gesamtes Abwehrsystem der Ukraine. Der Krieg in der Ukraine erlebt erneut einen technologischen Wandel. Russland vollzieht in der Luft einen fundamentalen Strategiewechsel: Statt wie bisher primär auf propellergetriebene Einwegdrohnen der Typen Geran-1 und Geran-2 zu setzen, werden diese schrittweise durch strahlgetriebene Hochgeschwindigkeitssysteme ersetzt. Kapitän dritten Ranges Dmytro Pletenchuk, Sprecher der ukrainischen Marine, bestätigte diese Entwicklung in einem Interview mit dem staatlichen Sender Ukrinform: „Die Russen reduzieren die Anzahl der konventionellen Drohnen, die sie einsetzen, während sie gleichzeitig effektiv die Anzahl der strahlgetriebenen Drohnen erhöhen.“ Die Konsequenzen dieses Wandels reichen weit über taktische Anpassungen hinaus. Bisherige ukrainische Abwehrkonzepte, die über Jahre hinweg aufgebaut, erprobt und skaliert wurden, verlieren durch die neue Drohnengeneration schlagartig ihre Wirksamkeit. Was einst eine kosteneffiziente und flächendeckende Verteidigung ermöglichte, gerät nun an seine physikalischen und ökonomischen Grenzen. „Geran-5“ macht bisherige mobile Flugabwehrgruppen wirkungslos Die Konsequenzen für die ukrainische Luftverteidigung sind gravierend. Über Jahre hatte die Ukraine ein flächendeckendes Netzwerk aus mobilen Flugabwehrgruppen aufgebaut, die mit Maschinengewehren, Flugabwehrkanonen und Akustiksensoren ausgerüstet waren. Diese Einheiten fingen zeitweise 60 bis 80 Prozent aller einfliegenden Geran-2-Drohnen ab – und das zu vergleichsweise geringen Kosten. Die neuen Jet-Drohnen vom Typ Geran-5 steigen jedoch auf Dienstgipfelhöhen von 4.000 bis 6.000 Metern auf, weit außerhalb der Reichweite von Maschinengewehren. Im Zielanflug passieren sie die Abwehrzonen mit bis zu 700 km/h. Das Zeitfenster für einen Abschuss am Boden schrumpft von ehemals 30 bis 45 Sekunden auf unter fünf Sekunden – eine Zeitspanne, in der ein manueller Abschuss praktisch nicht mehr möglich ist. Parallel dazu nutzt Russland koordinierte Schwarmtaktiken zur gezielten Systemüberlastung. Günstige Täuschkörper und langsame Geran-2-Drohnen werden vorgeschickt, um ukrainische Radarsysteme zur Aktivierung zu zwingen und Abfangraketen zu verbrauchen. Erst dann dringen die schnellen Jet-Drohnen durch die geschwächten Abwehrringe ein. Zudem verharren die Geran-Systeme in Haltezonen über dem Schwarzen Meer, während Aufklärungseinheiten Lücken im Abwehrnetz identifizieren, bevor simultane Mehrvektor-Angriffe eingeleitet werden. Russlands Drohnengenerationen im Vergleich Die technologische Grundlage der neuen russischen Drohnensysteme basiert auf einem gezielten Transfer iranischer Rüstungstechnologie, kombiniert mit einer beschleunigten Eigenentwicklung in russischen Produktionsstätten wie Alabuga und Ischewsk. Der Unterschied zur bisherigen Generation ist dabei gravierend: Seit Jahresbeginn 2026 wurden bereits über 1.400 strahlgetriebene Angriffe verzeichnet – gegenüber lediglich rund 180 Einsätzen im gesamten Vorjahr, wie das Fachportal Defense Blog ausführt. General Olexandr Syrskyj, damaliger Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, erklärte im Juni, Russland plane, bei 50 Prozent seiner Langstrecken-Angriffswellen künftig auf strahlgetriebene Systeme zu setzen. Ukrainische Abfangdrohnen und F-16 stoßen an ihre Grenzen Die Ukraine hatte auf den massiven Einsatz russischer Billigdrohnen mit einer weltweit einzigartigen Lösung reagiert: dem flächenhaften Einsatz von FPV- und starrflügeligen Abfangdrohnen, die zu Kosten zwischen 1.500 und 6.000 US-Dollar pro Stück produziert werden konnten. Mit Geschwindigkeiten von rund 282 km/h waren diese Systeme in der Lage, propellergetriebene Geran-2-Drohnen verlässlich einzuholen und zu neutralisieren. Mit dem Aufkommen der Geran-3 und Geran-5 kollabierte diese Strategie. Ein Propellerdrohnensystem mit maximal 282 km/h ist physikalisch nicht in der Lage, einen Flugkörper bei 370 bis 600 km/h einzuholen. Fortschritte ukrainischer Ingenieure erlaubten es zwar, einzelne Abfangdrohnen auf bis zu 400 km/h zu beschleunigen, was für die Geran-3 ausreichend sein kann. Gegen die Geran-5 indes stoßen auch diese Systeme an die physikalischen Grenzen des Propellerantriebs. Als Konsequenz muss die ukrainische Luftwaffe vermehrt bemannte Kampfflugzeuge für die Drohnenabwehr einsetzen. Die von westlichen Partnern gelieferten F-16 und Mirage 2000-5 haben seit ihrer Einführung über 1.300 Luftziele abgefangen. Aus ökonomischen Gründen versuchen Piloten, Jet-Drohnen primär mit der Bordkanone zu bekämpfen – bei der F-16 ist das die sechsläufige 20-mm-Gatling-Kanone M61A1 Vulcan. Doch diese Vorgehensweise birgt erhebliche Gefahren: Detoniert eine Drohne mit einem bis zu 90 Kilogramm schweren Gefechtskopf im Trümmerfeld vor dem Jagdflugzeug, droht der Verlust von Maschine und Besatzung. Mindestens drei ukrainische F-16 gingen bei nächtlichen Drohnen-Abfangeinsätzen verloren. Dennoch zeigte sich Präsident Selenskyjs Berater Alexander Kamyshin von der mit der ukrainischen Flamingo FP-5 verglichenen Drohne unbeeindruckt und bezeichnete diese als „billigen Abklatsch“. Größte Bedrohung durch ballistische Raketen Die kritischste Folge liegt jedoch in der Gefährdung der ballistischen Raketenabwehr. Gelingt es Russland, durch massierte Jet-Drohnen-Wellen die Vorräte an Mittelstrecken-Abfangraketen aufzubrauchen, werden wertvolle Patriot-PAC-3-Batterien zur Drohnenabwehr gezwungen. Werden diese Bestände erschöpft – eine PAC-3-Rakete kostet knapp vier Millionen US-Dollar –, bleiben ukrainische Städte bei nachfolgenden kombinierten Großangriffen schutzlos gegenüber ballistischen Flugkörpern wie der Iskander-M oder der Kinschal.

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