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Drohnen zwingen Ukraines Spezialkräfte zu Fuß an die Front

Welt

Startseite Politik Tödliche Gefahr für Fahrzeuge: Drohnen zwingen Ukraines Spezialkräfte verstärkt zu Fuß an die Front Von: Tim Krüger Uns auf Google folgen Ukrainische Spezialkräfte meiden Fahrzeuge, marschieren zu Fuß und verteilen sich auf Kleinstgruppen – der Drohnenkrieg erzwingt einen Paradigmenwechsel. Klingt wie ein militärischer Rückschritt, ist aber nötig: Ukrainische Elitesoldaten rüsten sich mit Schrotflinten aus und marschieren häufiger kilometerweit zu Fuß – weil russische FPV-Drohnen gepanzerte Fahrzeuge zur Zielscheibe machen. Gemeint sind Kamikaze-Drohnen, die per Videobrille gesteuert werden. Die Anpassung daran spiegelt eine tiefgreifende taktische Revolution wider, die das Gesicht des modernen Krieges verändert. Die omnipräsente Drohnenbeobachtung hat das Schlachtfeld im Ukraine-Konflikt grundlegend transformiert. Hochauflösende Kameras und Sensorik erfassen inzwischen eine Tiefe von zehn bis zwanzig Kilometern hinter der Kontaktlinie, in exponierten Abschnitten dehnt sich dieser überwachte Raum auf bis zu fünfzig Kilometer aus. Unter diesen Bedingungen ist jede sichtbare Truppenbewegung ein potenzielles Angriffsziel – und klassische mechanisierte Kriegsführung, die auf schnellen Fahrzeugkolonnen basiert, verliert ihren strategischen Wert zunehmend. Ukrainische Spezialkräfte weichen dem Drohnennetz zu Fuß aus „Die Lage hat sich verändert“, sagte ein Angehöriger des 4. Ranger-Regiments der ukrainischen Spezialkräfte gegenüber Business Insider. Der stellvertretende Kommandeur einer Kleineinheit, der aus Sicherheitsgründen nur unter seinem Rufnamen „Gur“ zitiert werden wollte, beschrieb, wie sich sein Verband auf die veränderte Bedrohungslage eingestellt hat: „Es gibt inzwischen deutlich mehr FPV-Drohnen, insbesondere solche mit Glasfaserkabeln. Dadurch gibt es mehr Drohnen, die unsere Fahrzeuge oder unsere Soldaten aus größerer Entfernung treffen können.“ Die Reaktion seiner Einheit ist pragmatisch und konsequent: mehr Fußmärsche, mehr Abstand zwischen den Soldaten – in der Regel zehn bis zwanzig Meter. Die operativen Konsequenzen sind gravierend. Einsätze beginnen typischerweise fünfzig bis sechzig Kilometer von der Kontaktlinie entfernt – und dennoch innerhalb der Reichweite russischer Angriffe. Die erste Hälfte dieser Strecke legen die Soldaten noch in gepanzerten oder leichten Militärfahrzeugen zurück. Die verbleibenden fünfundzwanzig bis dreißig Kilometer absolvieren sie müßig zu Fuß, langsam in Kleinstgruppen von zwei bis vier Mann, mit strikt eingehaltenem Sicherheitsabstand. Oleksij Wyskub, erster stellvertretender ukrainischer Verteidigungsminister, schätzte im Mai dieses Jahres, dass sich die sogenannte Todeszone – jener Bereich, in dem Drohnen und Bodenroboter Soldaten und Fahrzeuge gleichermaßen bedrohen – bis Jahresende verdoppeln könnte. Begrenzte Trefferquoten: Die technischen Grenzen der FPV-Drohne FPV-Drohnen sind entgegen ihrer öffentlichen Wahrnehmung keine fehlerfreien Präzisionswaffen. Erfahrene Drohnenteams berichten, dass unter Gefechtsbedingungen nur rund 43 Prozent der Missionen in einem ordnungsgemäßen Treffer resultieren – werden abgebrochene Starts mitgezählt, sinkt die Erfolgsquote auf zwanzig bis dreißig Prozent. Signaldegradation im Tiefflug, fehlende Allwettertauglichkeit und Frequenzüberschneidungen zwischen eigenen und feindlichen Systemen erklären die erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, wie auch die Bundeswehr in Praxistests feststellte. Das Wettrüsten im Schatten der Nacht: Thermische Tarnung als neue Disziplin Da Tagbewegungen an der Front nahezu unmöglich geworden sind, verlagern beide Konfliktparteien ihre infanteristischen Operationen zunehmend in die Nachtstunden. Als Antwort darauf wurden Aufklärungs- und Angriffsdrohnen mit hochempfindlichen Infrarotsensoren ausgestattet, die Körperwärme selbst im dunklen Gelände erfassen. Ein technologisches Wettrüsten im Bereich der thermischen Tarnung ist die Folge. Einfache metallisierte Mylar-Rettungsdecken halten Infrarotstrahlung zwar zurück, führen bei aktiver Bewegung jedoch zu extremem Wärmestau. Sobald die gestaute Hitze an den Rändern entweicht, demaskiert sie den Soldaten sofort. Zudem reflektieren manche Materialien die Umgebungstemperatur so stark, dass sie auf Wärmebildkameras als auffällige „Kälte-Anomalien“ auffallen – was Soldaten auf der Suche nach Tarnung erst recht verrät Moderne Spezialgewebe, darunter ukrainische Stealth-Ponchos aus mehrschichtigen Materialverbunden, steuern die Emission gezielt und ermöglichen gleichzeitig den Feuchtigkeitstransport – damit bleibt der Träger auch bei längeren Fußmärschen thermisch unauffällig.

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