DTM-Horrorcrash sorgt für Norisring-Abbruch: Erste Details über Verletzung
(Motorsport-Total.com) - Ein Horrorunfall hat das DTM-Samstagsrennen (Rennbericht) auf dem Norisring überschattet: Während des Boxenstopp-Fensters krachte der führende Grasser-Lamborghini-Pilot Maximilian Paul, der seinen Stopp noch nicht absolviert hatte, beim Anbremsen der Grundigkehre mit enormer Geschwindigkeit in die Tür des Schubert-BMW von Kelvin van der Linde, der seinen Stopp bereits absolviert hatte. Paul verlor beim Anbremsen die Kontrolle über seinen Temerario GT3, donnerte zunächst rechts in die Leitplanken, verlor dabei das rechte Vorderrad und krachte dann ungebremst in den BMW, der bereits mit geringer Geschwindigkeit in der Kurve war. Das Rennen wurde nach dem Crash, der an das Drama um Gary Paffett und Mike Rockenfeller 2017 an der gleichen Stelle erinnert, abgebrochen. Kelvin van der Linde konnte danach aus dem BMW aussteigen, bei dem die Tür fehlte, Paul blieb zunächst im Lamborghini sitzen, bei dem die komplette Front fehlte. Beide Piloten waren laut offiziellen Angaben ansprechbar, wurden allerdings zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht. Verdacht auf Beinbruch bei Maximilian Paul Genaue Angaben über den Gesundheitszustand der beiden waren zunächst nicht verfügbar. Vor der offiziellen Pressekonferenz der Top 3 wurde verkündet, dass die Untersuchung bei Kelvin van der Linde ergeben habe, dass es ihm gut gehe. "Er hat selbst entschieden, dass er ein zweites Mal im Krankenhaus untersucht wird, um sicherzustellen, dass zu 100 Prozent alles in Ordnung ist", verweist ein ADAC-Sprecher auf die Computer-Tomographie. Paul hat es offenbar deutlich schlimmer erwischt. "Er wurde mit dem Verdacht auf einen Unterschenkelbruch ins Krankenhaus gebracht", teilt der ADAC-Sprecher mit. Das hat die erste Diagnose ergeben. "Generell geht es ihm gut, und er war nach dem Unfall bei Bewusstsein. Er wird zumindest bis morgen im Krankenhaus sein." Direkt nach dem Unfall herrschte Ungewissheit über den Zustand der beiden Piloten. "Ich habe nur seine Aussage am Funk gehört, dass etwas ziemliche Schmerzen bereitet", sagte Kelvin van der Lindes Bruder Sheldon van der Linde. Teamchef Torsten Schubert konkretisierte später bei ran.de: "Momentan hält er sich den Arm. Wir untersuchen ihn noch ein bisschen, denn er wurde genau in der Seite getroffen, aber die Autos sind sehr sicher, da sind ein Kreuz und Aufprallplatten drin, der Sitz ist sehr stabil. Wir hoffen, dass es nicht ernst ist, aber er muss noch medizinisch untersucht werden." Teamchef Grasser schließt Fahrfehler von Paul aus Auch die Unfallursache sorgte lange für Rätselraten. "Wir vermuten, dass etwas gebrochen ist - und deshalb hatten wir keinerlei Informationen, was passiert ist", meinte Pauls Teamchef Gottfried Grasser direkt nach dem Unfall. "Aus meiner Sicht sieht man, dass es einen Kontakt mit der Leitplanke rund 120 Meter vor der Kurve gab. Das Auto bog scharf nach rechts ab, und für mich sieht es so aus, als hätte er auf der linken Seite keine Bremswirkung gehabt." Man habe "auch gehört, dass ein Auto viel Öl verloren hat", so Grasser. "Das könnte ein Grund sein, warum das passiert ist." Einen Fahrfehler schloss der Österreicher von Anfang an aus: "So verbremst sich ein Rennfahrer nicht." Ölverlust bei Timo Glock offenbar als Ursache für Crash Das bestätigte auch Pauls Teamkollege Mirko Bortolotti: "Es soll Öl auf der Strecke sein, das könnte auch ein Auslöser sein." Öl, das möglicherweise von Timo Glocks Dörr-McLaren stammt, der laut eigenen Angaben Getriebeöl verloren hat. Darauf deutete auch die verschmutzte Front von Teamkollege Ben Dörrs Boliden hin, der direkt hinter Glock fuhr. Später sollte der Ex-Formel-1-Pilot ausscheiden. Interessant ist, dass es beim Temerario GT3 laut Informationen von Motorsport-Total.com bereits beim Freitagtraining Probleme mit den Bremsen gab, die auf dem Norisring wie auf keinem anderen DTM-Kurs belastet werden. Die Bremse, die beim Temerario bereits bei den ersten Saisonrennen als Herausforderung galt, überhitzte am Freitag sogar bei kürzeren Runs. Gottfried Grasser stellte aber später auf ran.de klar, dass er nicht an einen Bremsdefekt glaube: "Es ist eine Ölspur vorne. Wir vermuten, dass es das Öl vom McLaren war - und er beim Bremsen auf die Ölspur gekommen ist und dadurch das Fahrzeug verloren hat." Auch die Daten zeigen laut dem Teamchef, dass es "kein Problem bei der Bremse" sei. "Das ist einmal sicher."