DTM-Qualifying Sachsenring 2: Pole für Engel, Wittmann und Thiim gehen baden
(Motorsport-Total.com) - Schwieriges Sonntags-Qualifying der DTM auf dem Sachsenring auf nasser Strecke: Nach einem Regenguss heute Morgen trocknete es zwar ab, aber für Slicks war es dann doch zu feucht. Die Poleposition sicherte sich Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel mit einer 1:26.307, was rund zehn Sekunden langsamer ist als die Zeiten auf trockener Strecke (Qualifying-Ergebnis).
Der 41-Jährige verkürzte damit seinen Rückstand in der Gesamtwertung auf drei Punkte auf DTM-Leader Thomas Preining, der mit 1,030 Sekunden Rückstand Sechster wurde.
"War eine mega Runde", ist Engel bei ran.de stolz auf seine Leistung. "Wir haben vorher mit dem Team viel gesprochen, was die richtige Strategie sein könnte - und ich glaube, wir haben sie getroffen. Das Auto war super, ich konnte direkt am Anfang eine gute freie Runde setzen."
Die Bedingungen gaben Rätsel auf, denn Engel setzte seine Bestzeit früh in der Session - und die Zeiten wurden trotz ausbleibenden Regens im Laufe des Qualifyings nicht mehr schneller. Aber warum war das der Fall? "Das kommt immer darauf an, worauf du setzt", gibt sich Engel kryptisch. "Wir haben es offensichtlich richtig getroffen."
Teamkollegen der Titelfavoriten in Lauerstellung
Zweiter wurde Preinings Manthey-Porsche-Teamkollege Ricardo Feller, der bereits satte 0,448 Sekunden Rückstand hatte. "Wir haben uns auf den Regen gefreut - ich persönlich natürlich auch", sagt der Schweizer, der seinen Manthey-Porsche in einer schwierigen Debütsaison für das Team erstmals in die erste Startreihe stellt, bei ran.de. "Das Auto hat sich gerade super gut angefühlt - und jetzt hoffe ich, dass es nass bleibt fürs Rennen."
Auf Platz drei landete Engels bereits am Samstag sehr starker Winward-Mercedes-Teamkollege Jules Gounon (+0,755). "Wir haben uns tatsächlich für die riskante Variante entschieden und bis zum Schluss gewartet, bevor wir auf die Strecke gegangen sind", erklärte der Franzose bei ran.de.
Denn gerade auf nasser Strecke ist die Gefahr eines Abbruchs besonders hoch. Zudem fielen die starken Zeiten früh in der Session. "Ich glaube, dass die Strecke zu Beginn etwas schneller war, aber ich freue mich trotzdem über Platz drei", sagt der "Mamba"-Pilot, der auch noch von Grasser-Lamborghini-Pilot Maximilian Paul aufgehalten wurde, wodurch dieser um drei Plätze zurückversetzt wurde (Startaufstellung).
Was aus Mercedes-AMG-Sicht positiv ist: Gounon steht vor den Titelrivalen seines Teamkollegen Engel - und könnte diesen daher im Rennen Punkte wegnehmen. "Ich werde versuchen, ihn zu unterstützen. Er kämpft um die Meisterschaft. Ich möchte auch Mercedes-AMG helfen und ein gutes Rennen fahren", kündigt Gounon an.
Preining über Quersteher: "Dachte mir kurz, das war es jetzt"
Vierter wurde Ben Dörr (+0,874) im Dörr-McLaren, auf Platz fünf positionierte sich Land-Porsche-Youngster Bastian Buus (+0,938) - und Sechster wurde Preining, der einen wilden Quersteher noch abfing. "Ich dachte mir kurz, das war es jetzt - aber ich konnte es abfangen", beschreibt der "Grello"-Pilot die Schrecksekunde - und trauert einer besseren Platzierung nach.
"Grundsätzlich waren wir schnell, die erste Reihe wäre auf jeden Fall möglich gewesen, aber war nichts", sagt er. Jetzt hofft er vor allem auf einen unfallfreien Start. "Solange mir beim Start keiner reinfährt, kann es ein gutes Rennen werden. Der Weg zur ersten Kurve wird die größte Challenge - danach ist alles möglich."
Herber Rückschlag für Wittmann nach Samstag-Sieg
Für Marco Wittmann setzte es einen herben Rückschlag: Der Schubert-BMW-Pilot, der seinen Rückstand in der Meisterschaft nach Pole und Sieg am Samstag auf 14 Punkte verkürzt hatte, kam mit 2,005 Sekunden Rückstand nur auf Platz 19.
"War wohl nichts", sagt er bei ran.de schulterzuckend. "Wir haben uns schwer getan. Ich glaube, wir haben den Reifen einfach nicht wirklich zum Arbeiten bekommen. Wir wissen, dass wir uns im Regen schwerer tun, aber Kelvin steht deutlich weiter vorne", verweist Wittmann auf Teamkollege Kelvin van der Linde, der mit 1,224 Sekunden Rückstand auf Platz sieben landete.
"Dementsprechend müssen wir uns angucken, was wir zwischen den beiden Autos anders gemacht haben - und das gegebenenfalls, falls im Rennen Regen kommt, entsprechend anpassen. Wir waren auch verwundert", sagt der zweimalige DTM-Champion.
Die Änderung der Balance of Performance (BoP) - der BMW erhielt vor dem Sonntag mehr Gewicht und einen ungünstigen Ladedruck - dürfte keine große Rolle gespielt haben, da bei Regen andere Faktoren mehr Einfluss haben.
Noch schlechter lief es für Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim: Der Comtoyou-Pilot, der in der Meisterschaft hinter Wittmann Vierter ist, wurde mit 2,038 Sekunden Rückstand nur 20. Am Vortag kündigte der Däne an, dass er seinen Rückstand vor dem Hockenheim-Finale von 30 auf 15 Punkte verkürzen wolle, was nach dem Qualifying schwierig werden dürfte.
Audi-Gaststarter sorgt für positive Überraschung
Wo sich die anderen Titelkandidaten positionierten? Landgraf-Mercedes-Pilot Lucas Auer, der in der Gesamtwertung Fünfter ist, wurde Neunter, Emil-Frey-Ferrari-Pilot Matteo Cairoli - auf Platz sechs in der Gesamtwertung - positionierte sich mit 1,865 Sekunden Rückstand auf Platz 17.
Eine positive Überraschung gelang Audi-Gaststarter Simon Connor Primm: Der 21-jährige Sachse trotzte dem Regen und stellte seinen R8 LMS GT3 Evo II mit 1,603 Sekunden Rückstand auf den zwölften Startplatz. Damit hätte er seinen Traum, es in die Top 10 zu schaffen, beinahe verwirklicht.