DTM-Rennen Sachsenring 2: Dörr gewinnt im Chaos vor Preining, Strafe für Engel
(Motorsport-Total.com) - Der Sieger eines völlig verrückten Sonntagsrennens auf dem Sachsenring (Rennergebnis) heißt Ben Dörr. Der Dörr-McLaren-Pilot war nicht zu stoppen und triumphierte trotz eines irren Reifenpokers vor dem Start sowie mehrerer Unfälle und Safety-Car-Phasen, die seinen komfortablen Vorsprung kurz vor Ende zunichtemachten.
Thomas Preining (Manthey-Porsche) wird Zweiter und macht einen Schritt in Richtung Titelgewinn. Denn Kontrahent Maro Engel, der von der Pole gestartet war, kam zwar als Fünfter ins Ziel, allerdings bekam der AMG-Pilot noch eine Strafe, weil er kurz vor Ende dem Schubert-BMW von Kelvin van der Linde ins Heck fuhr und ihn aus dem Rennen riss.
Die Sportkommissare drückten Engel für die Kollision eine 15-Sekunden-Strafe auf, die ihn bis auf den 17. Platz zurückwirft. Das Feld lag wegen der späten Safety-Car-Phase dicht zusammen, sodass die Strafe besonders schmerzhaft ist: Der Winward-Pilot geht am Sonntag damit leer aus und liegt in der Gesamtwertung nun sogar 23 Punkte zurück.
Ricardo Feller (Manthey-Porsche) wird Dritter, gefolgt von Matteo Cairoli, der im Emil-Frey-Ferrari vom 14. Startplatz kam und eine starke Aufholjagd auf den Asphalt legte. Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) erbt den fünften Platz von AMG-Markenkollege Engel. Marco Wittmann (Schubert-BMW) wird Sechster.
Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) kommt als Siebter über die Ziellinie, gefolgt von Lucas Engstler im Abt-Lamborghini. Bastian Buus (Land-Porsche) und Maxmilian Paul (Grasser-Lamborghini) komplettieren die Top 10. Gaststarter Simon Connor Primm erreicht im Seyffarth-Audi nach einer soliden Vorstellung den 16. Platz.
Kein Regen, aber Reifenpoker vor dem Rennstart
Bereits die Startphase stellte Teams und Fahrer vor eine schwierige Entscheidung: Zwar hatte sich der Regen über dem Sachsenring inzwischen verzogen und neuer Niederschlag war ebenfalls nicht in Sicht, allerdings hatte das Zeittraining am Morgen bereits gezeigt, dass der Asphalt auf der Berg-und-Talbahn nur langsam abtrocknet.
Entsprechend unterschiedlich fiel zunächst die Reifenwahl aus: Während etwa Polesetter Engel und Titelkontrahent Preining auf Slick-Reifen setzten, entschied sich anfangs Feller für den Regenreifen. Der Start des Rennens wurde aufgrund einer verschmutzten Strecke allerdings um zehn Minuten verschoben.
Die Teams bekamen dadurch noch einmal die Möglichkeit, ihre Entscheidung zu überdenken, und setzten nun doch mehrheitlich auf Slick-Reifen. Nur sechs Piloten, nämlich Buus, Vermeulen, Primm, Glock, Thiim und Kalender, gingen schlussendlich noch mit profilierten Reifen ins Rennen - und sollten damit zunächst goldrichtig liegen.
Denn schon während der Einführungsrunde rutschte Polesetter Engel auf feuchter Strecke ins Kiesbett. Der AMG-Pilot konnte sich allerdings befreien und seine Führungsposition wieder einnehmen. Die Rennleitung entschied sich für zwei Einführungsrunden, wobei die Renndistanz bereits nach Ende der ersten Runde zu laufen begann.
Buus stürmt mit Regenreifen in Führung, aber ...
Auch der eigentliche Rennstart verlief entsprechend chaotisch: Buus stürmte auf den ersten Metern vom fünften Startplatz an die Spitze, gefolgt von Engel und Feller. Im Hinterfeld gab es mehrere Dreher und Ausritte, unter anderem von Auer und Gaststarter Primm im Audi.
Auch Vermeulen und Glock profitierten von ihrer Reifenwahl und schoben sich auf die Plätze drei und sechs nach vorn. Nach wenigen Runden war die Strecke allerdings doch schon so weit abgetrocknet, dass die Piloten mit Slick-Reifen zunehmend im Vorteil waren.
Buus war zu diesem Zeitpunkt an der Spitze zwar um mehr als drei Sekunden enteilt, doch die Konkurrenz holte den Rückstand rasant auf. Zu Beginn der fünften Runde übernahm Dörr, der zwischenzeitlich auch an Polesetter Engel vorbeigegangen war, die Führung.
Engel tat sich dagegen zunehmend schwer und lieferte sich einen harten Zweikampf mit Buus. Dadurch kamen auch van der Linde, Preining und Feller in Schlagdistanz. Sowohl der BMW-Pilot als auch Preining schnappten sich wenig später den Polesetter, der damit bereits auf die vierte Position zurückgefallen war.
Ben Dörr brennt Feuerwerk an der Spitze ab
Mit dem Öffnen des ersten Boxenstoppfensters kamen alle Piloten mit Regenreifen direkt zum Reifenwechsel. Engel musste sich derweil auch gegen Engstler geschlagen geben. Das Winward-Team hatte offenbar mit hohen Reifendrücken gepokert, was Engel in der Startphase einen Vorteil verschaffte, mit steigenden Temperaturen aber zum Problem wurde.
Dörr brannte an der Spitze bereits ein Feuerwerk ab und setzte sich innerhalb weniger Umläufe bereits um mehr als zehn Sekunden von der Konkurrenz ab. Kelvin van der Linde musste seinen zweiten Platz gegen Preining und Engstler verteidigen. Das brachte auch den viertplatzierten Engel wieder näher heran.
Preining war nach elf Runden der erste Pilot aus den Top 5, der zum Reifenwechsel kam. Eine Runde später folgte eine kuriose Szene: Kelvin van der Linde wollte zum Boxenstopp abbiegen, bekam allerdings kurz zuvor die Ansage, doch noch weiterzufahren.
Das nutzte Engstler aus, um den Südafrikaner auf der Start-Ziel-Geraden zu überholen. Erst einen Umlauf später kamen Engstler, van der Linde und Engel gemeinsam zum Stopp, wobei es zwischen den drei Piloten zu keinen Positionsveränderungen kam.
Preining, Feller und Cairoli, die früher zum Stopp gekommen waren und ihre Reifen bereits auf Temperatur gebracht hatten, rutschten auf der Strecke allerdings durch. Nur Ben Dörr blieb an der Spitze völlig unbeeindruckt: Der McLaren-Pilot absolvierte seinen Stopp und verteidigte seine Führung mit großem Vorsprung.
Thiim räumt Gounon ab - Dörr verliert Vorsprung
Nach dem ersten Boxenstopp war Cairoli, der nur vom 14. Startplatz ins Rennen gegangen war, der Mann des Rennens: Der Emil-Frey-Ferrari-Pilot überholte Feller im Kampf um die dritte Position und nahm anschließend die Verfolgung von Preining auf.
Bis zum Öffnen des zweiten Boxenstoppfensters blieb das Renngeschehen weitgehend ruhig: Engel schnappte sich Engstler im Kampf um den sechsten Platz, während Cairoli zwar dicht an die Stoßstange von Preining heranfahren konnte, aber kein Überholmanöver ansetzen konnte.
Feller war der erste Pilot beim zweiten Stopp, gefolgt von van der Linde, Engel und Engstler. Alle Stopps verliefen weitgehend reibungslos, sodass es zunächst keine Verschiebungen gab. Preining kam zwei Runden später, Dörr und Cairoli noch einen Umlauf danach.
In der Zwischenzeit kam es zur Kollision zwischen Jules Gounon und Nicki Thiim: Der Comtoyou-Aston-Martin-Pilot krachte der "gelben Mamba" des Franzosen, der gerade erst aus der Box gekommen war, heftig in die Seite. Beide Piloten mussten ihre Autos abstellen, und das Safety-Car rückte aus.
Maro Engel schießt Kelvin van der Linde ab
Das dürfte vor allem Dörr geärgert haben, der seinen großen Vorsprung dadurch einbüßte. Das Rennen wurde für die letzten drei Runden noch einmal freigegeben, allerdings schien Preining den Neustart zu verschlafen. Cairoli konnte sich auf dem Weg zur ersten Kurve bereits daneben setzen. Ein Überholmanöver gelang ihm jedoch nicht, stattdessen schlüpfte Feller vorbei.
Dahinter ging das Chaos weiter: Maro Engel fuhr dem Schubert-BMW von Kelvin van der Linde ins Heck und riss den Südafrikaner ins Aus. Das Safety-Car musste erneut ausrücken, allerdings waren die Sportwarte schnell genug, um noch einen weiteren Restart zu ermöglichen.
Auch dabei ließ Dörr keinen Zweifel an seinem Sieg: Der McLaren-Junior brachte den Triumph ungefährdet über die Ziellinie, gefolgt von Preining und Feller. Es ist der zweite Sieg für Dörr, allerdings der erste Erfolg, den er aus eigener Kraft holen konnte. Am Lausitzring hatte der 21-Jährige den Sieg nach einer Strafe gegen Mapelli geerbt.
Thomas Preining baut DTM-Tabellenführung aus
Mit seinem zweiten Platz baut Thomas Preining seine Führung in der Gesamtwertung deutlich aus. Der Österreicher liegt nun 23 Punkte vor Engel. Wittmann liegt auf dem dritten Platz 24 Punkte zurück. Auer hat auf dem vierten Platz schon 45 Punkte Rückstand und gilt damit als Außenseiter.
Mit Blick auf die Gesamtwertung ist allerdings nicht außer Acht zu lassen, dass Engel nach der Disqualifikation von Mirko Bortolotti im zweiten Rennen in Oschersleben derzeit die Punkte für den Sieg auf seinem Konto verbucht. Sollte die Berufung von Grasser, die am 25. September verhandelt wird, erfolgreich sein, würde der AMG-Pilot noch einen Zähler auf Preining verlieren.
Der Titelkampf in der DTM 2026 wird trotzdem erst beim Saisonfinale in Hockenheim (9. bis 11. Oktober) entschieden: Am letzten Wochenende des Jahres sind noch 56 Zähler zu holen, jeweils 25 Punkte für die beiden Rennsiege sowie je drei Punkte für die Poleposition.