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Dürre belastet Ostdeutschland: Reicht der Sommerregen?

Wissenschaft

Dürre belastet Ostdeutschland Tiefe Bodenschichten bleiben vielerorts ausgetrocknet Stand: 06.07.2026 17:10 Uhr Den Böden im Süden und Osten Deutschlands fehlt das Wasser. Obwohl es regional geregnet hat, sind die tieferen Bodenschichten vielerorts ausgetrocknet. Das bedroht Ernten, Wälder und Flüsse. von MDR WISSEN / GP Die jüngste Hitzewelle hat die Böden in Deutschland zwar zusätzlich ausgetrocknet. Die eigentliche Ursache der angespannten Lage liegt jedoch tiefer – und reicht Monate zurück. Das sagt der Leipziger Dürreforschers Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Vor allem die geringen Niederschläge seit dem Herbst 2025 haben dazu geführt, dass in vielen Regionen Deutschlands ein erhebliches Wasserdefizit entstanden ist. Besonders betroffen sind neben Süddeutschland auch zahlreiche Gebiete in Ostdeutschland. Blitzdürre im Oberboden Die obersten Bodenschichten können schon nach wenigen heißen Tagen austrocknen. "Was die Hitzewelle macht, ist das Ausprägen einer Blitzdürre im Oberboden", so Marx gegenüber der DPA. Entscheidend für Landwirtschaft, Wälder und Gewässer ist vor allem die Feuchtigkeit in tieferen Schichten. Genau dort ist die Lage derzeit kritisch. Der UFZ-Dürremonitor zeigt, dass sich die Dürre im Gesamtboden – also bis in Tiefen von rund zwei Metern – seit Monaten weiter aufgebaut hat. Sie ist vielerorts sogar ausgeprägter als im Vorjahr. Ursache ist eine langanhaltende Phase mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen. Ostdeutschland kämpft seit Monaten mit Trockenheit Gerade in Mitteldeutschland sind die Folgen sichtbar. Laut UFZ war das Frühjahr 2026 insgesamt deutlich zu trocken. Zwar brachten April und Mai regional Regen, doch vielerorts kam er zu spät. Insbesondere Teile von Thüringen und Sachsen-Anhalt verzeichneten bis Ende Mai selbst im Oberboden noch hohe Dürreintensitäten. Für die tieferen Bodenschichten reichten die Niederschläge ohnehin nicht aus. Jetzt ist die Bodenfeuchte so niedrig, dass es einen extrem nassen Sommer bräuchte, um das wieder auszugleichen – und das ist eher unwahrscheinlich. Andreas Marx, UFZ-Dürremonitor Das ist für Ostdeutschland besonders problematisch. Die Region gehört bereits heute zu den trockensten Deutschlands. Seit den Dürrejahren 2018 bis 2020 haben sich viele Grundwasserreserven nur teilweise erholt. Fällt über Monate hinweg zu wenig Niederschlag, entsteht schnell erneut ein Wasserdefizit, das sich nicht innerhalb weniger Wochen ausgleichen lässt. Ein nasser Sommer wäre nötig – aber unwahrscheinlich Nach Einschätzung von Andreas Marx dürfte sich die Situation in den kommenden Monaten nur schwer entspannen. Im Sommer trocknen Böden normalerweise weiter aus, weil Pflanzen und hohe Temperaturen zusätzlich Wasser verbrauchen. Um das aktuelle Defizit auszugleichen, wäre ein außergewöhnlich niederschlagsreicher Sommer notwendig. Genau das gilt jedoch als eher unwahrscheinlich. Selbst einzelne Starkregenereignisse helfen kaum, wenn das Wasser oberflächlich abfließt oder nur die oberen Zentimeter des Bodens erreicht. Die tieferen Schichten profitieren davon oft nur wenig. Risiken für Landwirtschaft und Wälder Für Landwirte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wächst damit die Sorge um die Sommerkulturen. Mais, Kartoffeln oder Zuckerrüben benötigen in den kommenden Wochen ausreichend Wasser. Bleiben größere Niederschläge aus, drohen Ertragseinbußen. Noch herrscht Pragmatismus. "Wir gehen hinsichtlich der Erträge zuversichtlich in die diesjährige Ernte und erwarten regional durchschnittliche Ergebnisse", sagte Torsten Krawczyk, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V., Anfang Juli bei der Pressekonferenz zum Ernteauftakt. Auch die Wälder stehen unter Druck. Trockenstress schwächt Bäume und macht sie anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Viele ostdeutsche Wälder leiden bereits seit Jahren unter den Folgen wiederkehrender Dürreperioden. Die anhaltende Trockenheit könnte die Schäden weiter verschärfen. Sinkende Flusspegel möglich Die Auswirkungen beschränken sich nicht auf Felder und Wälder. Ein erheblicher Teil des Wassers in Flüssen stammt aus dem Grundwasser. Sinken die Grundwasserstände, nimmt deshalb auch die Gefahr von Niedrigwasser zu. Davon könnten in Mitteldeutschland unter anderem Elbe, Saale und ihre Nebenflüsse betroffen sein. Niedrige Pegelstände haben nicht nur ökologische Folgen. Sie können auch die Schifffahrt und den Gütertransport beeinträchtigen, wenn Schiffe ihre Ladung reduzieren müssen. Ob sich die Dürre im weiteren Jahresverlauf verschärft oder zumindest teilweise entspannt, hängt letztlich von den Niederschlägen der kommenden Wochen ab. Zwar steige durch die Klimaveränderung die Wahrscheinlichkeit für heiße Sommer und Hitzewellen, so das UFZ in seinem aktuellen Bericht "doch ein trockenes Frühjahr bedeutet nicht automatisch auch einen trockenen Sommer". Zwar seien Niederschläge in Mitteleuropa nur schwer über längere Zeiträume vorherzusagen. Andererseits könnten bereits durchschnittliche Sommerniederschläge ausreichen, um eine Verschärfung der Dürre und größere Ernteschäden zu verhindern. gp/ufz/dpa/copilot

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