Düsseldorf-Oberbilk: Krawalle nach Marokkos WM-Aus
„Gegen 0.45 Uhr ist die erst gute Stimmung bei den rund 1500 Menschen ziemlich gekippt“, so ein Polizeisprecher. „Vermummte warfen mit Böllern, Glasflaschen und selbst gebauten Brandsätzen – in die Menge, auf die Straße und teils gezielt auf Polizisten.“ Die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, räumte die Polizei die Ellerstraße, berichtet der Sprecher. Ein 15-jähriger Marokkaner aus Viersen wurde in Gewahrsam genommen, weil er einen Einkaufswagen auf die Polizei geschleudert hatte. Er wurde seinen Eltern übergeben. Ein 20-jähriger Deutscher aus Wesseling bei Köln wurde in Gewahrsam genommen, weil er eine Flasche auf die Polizei geworfen hatte. Er muste mit auf eine Polizeiwache kommen und kam in eine Zelle, die er Stunden später nach Beruhigung wieder verlassen durfte. Die Bilanz der Polizei am Morgen des 10. Juli: Drei Polizisten wurden verletzt. Einer davon, 27 Jahre alt, musste ins Krankenhaus und ambulant behandelt werden. Er war nach den Angriffen nicht mehr dienstfähig. Die Polizei schrieb mehrere Anzeigen. Ein Instagram-Video des Kanals „Düsseldorf Aktuell“ zeigt eine kurze Straßenszene aus der Nacht: Hunderte Menschen mit Marokko-Fahnen rennen auf der Ellerstraße entlang, verfolgt von Dutzenden Polizisten in Schutzausrüstung. Gegen 2.45 Uhr – mehr als zweieinhalb Stunden nach Abpfiff des WM-Spiels – endete der Einsatz. Die Polizei wertet jetzt Videoaufnahmen aus, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen und mögliche weitere Straftaten zur Anzeige zu bringen. An der Ellerstraße deutete am Freitagmorgen nichts mehr auf das Chaos der Nacht hin. Nur einige rot-weiße Verkehrsabsperrungen lagen zur Abholung bereit. In einigen Ecken lag etwas mehr Müll als sonst: Fastfood-Reste und -Verpackungen, eine leere Böller-Batterie, Reste einer roten Bengalofackel. Menschen gingen zur Arbeit, Händler bestückten ihre Obst- und Gemüse-Auslagen. „Wir haben nicht viel gehört“, sagte eine Anwohnerin. Lauter als beim Achtelfinale war es also offenbar nicht. Schon nach dem Sieg Marokkos gegen Kanada am 4. Juli war es zu tumultartigen, aber friedlichen Szenen in Oberbilk gekommen, die zu einem Großeinsatz der Polizei geführt hatten. Ein Mitarbeiter eines marokkanischen Cafés erzählte im Gespräch mit unserer Redaktion: Es sei weniger voll gewesen als beim Achtelfinale, das an einem Samstag stattfand. Damals hätten auch mehr Familien mitgefeiert und Menschen, die sonst arbeiten müssen. Die Stimmung sei auch am Donnerstagabend lange gut geblieben – trotz der fußballerischen Enttäuschung. „Marokko hat leider schlecht gespielt, Frankreich hat verdient gewonnen“, sagte er. Dass die Lage dann eskaliert sei, findet er sehr bedauerlich. „Warum kann man nicht fröhlich feiern, sodass auch unsere Nachbarn es genießen können?“ Manche Leute, sagte er, die könnten sich einfach nicht benehmen.