E-Auto-Fahrer lädt 36 Minuten an Aldi-Ladesäule
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E-Auto-Fahrer lädt sonntags am Supermarkt auf – und zahlt 30 Euro Strafe
Von: Sebastian Grauvogl
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Ein Urlauber tankt sein E-Auto auf dem Supermarktparkplatz am Windfeld in Miesbach. Eine Woche später flattert eine Zahlungsaufforderung über 30 Euro ins Haus.
Miesbach – 20,50 Euro hat Jörg Zimmer (60) das Aufladen seines E-Autos am Supermarktparkplatz am Windfeld in Miesbach gekostet. Das waren aber nur die Kosten für die 50 Kilowattstunden Strom. Eine weitere Rechnung erwartete den Urlauber aus Moers bei Duisburg im heimischen Briefkasten – und die hatte es in sich: 30 Euro sollte Zimmer bezahlen, weil er beim nur 36 Minuten langen Tankvorgang einen Parkverstoß begangen hatte. Begründung der mit der Überwachung beauftragten Münchner Firma Park-Depot: Es ist nur während der Öffnungszeiten des Aldi- und Rewe-Marktes erlaubt, dort ein Auto abzustellen. Zimmer hatte aber an einem Sonntag aufgeladen.
Tatsächlich stehen auf dem gesamten Parkplatz Schilder, die auf diese Regeln hinweisen. Dass diese aber auch für die in blau markierten Stellplätze an den (im Gegensatz zu den Supermärkten eben rund um die Uhr geöffneten) Schnellladesäulen gelten, wird zumindest nicht explizit erwähnt. „Als ich den Strafzettel bekommen habe, dachte ich zunächst an einen Schildbürgerstreich“, berichtet der 59-Jährige, der mit seiner Frau und den beiden Kindern auf dem Weg von Bad Tölz in Richtung Kärnten war.
Autofahrer: „Das ist Abzocke.“
Die Ladestation am Windfeld in Miesbach habe er in der offiziellen App des Betreibers EnBW entdeckt – ohne Hinweis auf die Nutzungsregeln auf dem von Kameras zur Kennzeichenerfassung überwachten Supermarktparkplatz. Die nämlich machen die Nutzung der E-Tankstelle außerhalb der Öffnungszeiten von Aldi und Rewe praktisch unmöglich. Doch wer davon nichts weiß, zahlt Strafe. „Für mich ist das schlicht dreiste Abzocke“, ärgert sich Zimmer.
Damit ist er offenbar nicht allein. Wie ein Blick in die Google-Rezensionen der EnBW-Ladesäule zeigt, sind schon etliche E-Auto-Fahrer in die Gebührenfalle geraten. Gleich reihenweise warnen Nutzer vorm Aufladen an Sonntagen, in der Nacht oder über die Höchstparkdauer von zwei Stunden hinaus. Sonst komme eine Woche später die Zahlungsaufforderung einer „Vertragsstrafe“ in Höhe von 30 Euro. Der eine oder andere Betroffene wittert gar eine „Goldgrube für die Parkabzocker“.
Die können übrigens auch Kunden von DHL unfreiwillig füllen. Dann nämlich, wenn sie außerhalb der Supermarkt-Öffnungszeiten die ebenfalls auf dem Parkplatz befindliche Packstation nutzen möchten. Einen Service also, der von DHL ganz bewusst damit beworben wird, rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche zur Verfügung zu stehen. Am Miesbacher Windfeld allerdings nur, wenn man nicht mit dem Auto vorfährt und parkt, sonst können die Versandkosten schnell um 30 Euro teurer werden.
Unternehmen kündigen deutlichere Hinweise an
Bei EnBW zeigt man Verständnis für den Ärger der Kunden. Man werde die Reklamationen zum Anlass nehmen, „um noch einmal in die Abstimmung mit dem Standorteigner und der Parkraumbewirtschaftung zu gehen und eine bessere Transparenz der Gegebenheiten vor Ort sicherzustellen“. Grundsätzlich gehe EnBW beim Ausbau der Schnellladeinfrastruktur auch Kooperationen mit den jeweiligen Parkplatzeigentümern ein. In deren Händen liege dann auch die Bewirtschaftung der Flächen sowie die Festlegung von Vorgaben wie der maximalen Parkdauer. „Wir empfehlen ladenden Kunden, sich stets genau über die jeweils gültigen Bestimmungen zu informieren“, teilt der Sprecher mit. Diese seien – wie auch in Miesbach – vor Ort ausgeschrieben.
Dies soll laut Auskunft der Pressestelle der Rewe-Group künftig an den Ladesäulen noch auffälliger beschildert und auch in der EnBW-App deutlicher hinterlegt werden. Eine generelle Befreiung von der Höchstparkdauer sei aber nicht geplant, denn: Rewe verfolge die Strategie, Kunden ein Ladeangebot während des Einkaufs bereitzustellen. „Entsprechend liegt der Fokus auf einer schnellen und alltagstauglichen Ladeerfahrung“, teilt eine Sprecherin des Unternehmens mit. Deshalb seien die E-Tankstellen mit DC-Technologie und Leistungen zwischen 75 und 300kW ausgestattet. „Das Konzept ist daher bewusst nicht auf mehrstündige Standzeiten ausgelegt.“ Auftraggeber der Parkraumbewirtschaftung am Windfeld in Miesbach sei aber nicht Rewe, sondern Aldi, fügt die Sprecherin vorsorglich hinzu.
Der Discounter hat bis bis dato noch nicht auf die Anfrage unserer Zeitung reagiert. Auch von Park-Depot und DHL stehen die Antworten noch aus.