E-Autos: Unfallforscher fordern bessere Warngeräusche bei niedriger Geschwindigkeit
Wenn Unfälle zwischen Elektroautos und Zufußgehenden geschehen, dann häufig, wenn E-Autos aus dem Stand anfahren, rückwärtsfahren oder bei Dämmerung und Dunkelheit abbiegen. Für die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ist das ein Hinweis, dass Fußgängerinnen und Fußgänger die leisen Elektro-Pkw in solchen Situationen nach wie vor schlechter wahrnehmen als Verbrenner – obwohl neu zugelassene E-Autos seit 2021 bei Geschwindigkeiten unter 20 Kilometer pro Stunde Geräusche abgeben müssen. »Doch die künstlichen Fahrgeräusche sind womöglich nicht hörbar genug oder lassen sich noch nicht eindeutig einem Pkw zuordnen«, sagt die Leiterin der UDV, Kristin Zeidler. In einer neuen Studie untersuchte die UDV, ob und wie sich Unfälle mit E-Autos und mit Verbrennern unterscheiden. Dazu analysierten die Forschenden einerseits Daten aus der Unfalldatenbank der Versicherer, mit denen sie die Crashs von E-Autos mit baugleichen Verbrennern aus den Klassen Mini, Kleinwagen, Kompakt-, Mittel- und Oberklasse vergleichen konnten. Ergänzend führte das Team eine Literaturrecherche und eine Online-Befragung von 238 E-Auto- und Verbrennerfahrern durch. Blinden- und Sehbehindertenverband: Lautlose E-Autos sind »große Gefahr« Insgesamt zeigte sich dabei, dass mit E-Autos nicht mehr oder weniger Unfälle geschehen als mit Verbrennern. »Unsere Ergebnisse sind ausdrücklich kein Argument gegen E-Mobilität«, sagt Zeidler. Doch wenn es kracht, dann unterscheiden sich die Unfallmuster. Der eingangs beschriebene Befund war dabei der deutlichste: Unfälle mit Fußgängern geschehen bei Elektroautos häufig in Situationen, in denen das Auto langsam fährt und der Fußgänger das Auto offenbar schlecht wahrnimmt. Unter allen Unfällen mit Zufußgehenden machten solche Situationen bei Elektroautos 76 Prozent der Unfälle aus, bei Verbrennern 54 Prozent. Das Problem ist seit Längerem bekannt – die Europäische Union hat deshalb das sogenannte Acoustic Vehicle Alert System, kurz AVAS, zur Pflicht gemacht. Dafür hat sich etwa der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband eingesetzt: Ohne AVAS seien Elektroautos nahezu lautlos und stellten für blinde und sehbehinderte Fußgänger eine »große Gefahr« dar. Die Erkenntnisse der Unfallforschenden legen nahe, dass das Problem auch mit AVAS noch nicht gelöst ist. Künstliche Fahrgeräusche sollten daher künftig klarer als Pkw-Geräusche erkennbar sein und Zufußgehende besonders bei niedrigen Geschwindigkeiten warnen, fordert die UDV. E-Auto mit einem Pedal beschleunigen und abbremsen? Für viele offenbar ungewohnt Weiterhin zeigte die UDV-Studie, dass Unfälle mit E-Autos offenbar häufig durch eine Fehlbedingung der Pedale entstünden. Dies ist den Angaben zufolge insbesondere beim Anfahren aus dem Stand ein Problem, wofür die Forschenden das sogenannte One-Pedal-Driving verantwortlich machen – dabei lässt sich das E-Auto mit einem Pedal sowohl beschleunigen als auch abbremsen. In der Analyse war fast jeder Zweite, der auf diese Weise verunglückte, älter als 75 Jahre. »Die Studie legt nahe, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann«, sagt Zeidler. Aktive Sicherheitstechnik könne Unfälle beim Anfahren verhindern, wenn sich Personen oder Gegenstände im Weg befinden.