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E-Autos: Wo europäische Modelle China überraschend schlagen

Wirtschaft

Die europäische Autoindustrie hat laut einer Studie massiven Nachholbedarf bei Investitionen in Zukunftstechnologien. Während andere europäische Großkonzerne ihre Investitionen heuer um rund zehn Prozent steigerten, sind die Investitionen europäischer Automobilhersteller um rund 20 Prozent eingebrochen, wie eine aktuelle Analyse des Kreditversicherers Acredia gemeinsam mit Allianz Trade zeigt. Das sei der stärkste Rückgang seit 2018. Dennoch gebe es auch einen Lichtblick.

„Europas Autoindustrie braucht nicht einfach mehr Kapital - sie muss vor allem konsequenter in die richtigen Zukunftsfelder investieren“, stellte Gudrun Meierschitz, Vorständin der Acredia Group, in einer Aussendung fest. „Wer heute bei Software, Batterietechnologie, KI und autonomer Mobilität den Anschluss verliert, wird morgen auch bei Wertschöpfung und Marktanteilen zurückfallen.“

Drei Milliarden Wertschöpfung gefährdet

Die Studie zeichnet ein düsteres Bild. Die Wertschöpfung führender deutscher Autohersteller je verkauften Fahrzeug im ersten Halbjahr in Europa lag 30 bis 45 Prozent niedriger als 2021/22. „Gleichzeitig verloren sie seit 2021 rund zehn Prozentpunkte Marktanteil in Europa und sieben Prozentpunkte in China“, heißt es darin weiter.

„Setzt sich diese Entwicklung fort und gehen bis 2030 in Europa und China jeweils weitere drei Prozentpunkte Marktanteil verloren, wären rund drei Milliarden Euro Wertschöpfung gefährdet. Bereits ein Rückgang um jeweils 0,5 Prozentpunkte würde die jährliche Wertschöpfung um rund 480 Millionen Euro reduzieren“, kommt die Analyse zum Schluss.

Chinesische Autohersteller erhöhen unterdessen zunehmend den Wettbewerbsdruck. „Ihr Anteil an den europäischen Neuzulassungen erreichte Mitte 2026 annähernd zehn Prozent. Erstmals verkauften chinesische Marken mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa“, so die Studie. Maßnahmen wie EU-Zölle hätten diesen „Vormarsch“ nicht gebremst, denn chinesische Hersteller würden verstärkt auf Hybride sowie Plug-in-Hybride setzen und gleichzeitig ihre Vertriebs- und Servicenetze in Europa ausbauen.

Das ist der Lichtblick

Gleichzeitig ortet die Studie einen Lichtblick: „Im preisgünstigsten Segment der Limousinen und Kleinwagen unter 50.000 Euro bieten europäische Modelle derzeit ein um drei bis fünf Prozent besseres Preis-Reichweiten-Verhältnis als chinesische Elektroautos auf dem europäischen Markt“, heißt es darin.

Europäische E-Autos sind laut Meierschitz durchaus konkurrenzfähig. „Europäische Hersteller müssen sich im direkten Wettbewerb keineswegs verstecken“, erklärte die Acredia-Vorständin. Sie dürften ihr Kapital „nicht länger mit der Gießkanne“ verteilen, sondern müssten gezielt auf jene Technologien setzen, „die die Wertschöpfung der nächsten zehn Jahre bestimmen“, lautet ihre Forderung.

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