DAX -0,94 % 26.091,33 Pkt 18:00:00 MDAX -1,65 % 31.822,47 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,37 % 6.444,46 Pkt 18:00:00 Dow Jones +0,01 % 53.463,05 Pkt 22:38:37 S&P 500 -0,48 % 7.707,98 Pkt 22:38:31 Nasdaq -1,18 % 26.331,09 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,20 % 66.111,47 Pkt 06:42:40 Gold +1,26 % 4.546,10 USD 06:47:36 Silber +2,08 % 67,10 USD 06:47:24 Brent +0,21 % 91,81 USD 06:47:36 WTI -1,61 % 84,45 USD 06:47:43 Bitcoin +0,25 % 69.459,27 USD 06:57:34 EUR/USD +0,85 % 1,16780 USD 06:56:54 EUR/GBP +0,32 % 0,85790 GBP 06:57:44 EUR/CHF -0,68 % 0,93380 CHF 06:57:44 EUR/JPY +0,23 % 185,123 JPY 06:57:44

EBM-Papst: Wie Madison Air binnen zehn Wochen den Weltmarktführer kaufte

Wirtschaft

EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer wird auch unter den neuen Eignern bleiben. Foto: picture alliance/dpa EBM Papst: Wie ein US-Konzern binnen zehn Wochen den Weltmarktführer für Ventilatoren kaufte Der Weltmarktführer für Ventilatoren wird amerikanisch. Wie der Deal ablief – und warum es für die deutsche Belegschaft nur teilweise Entwarnung gibt. DieDie Nachricht kam am späten Montagvormittag überraschend. Für die Belegschaft. Für Branchenbeobachter. Auch für die Politik. Dabei hätten die Anzeichen für eine bevorstehende Übernahme von EBM-Papst kaum klarer sein können – jedenfalls rückblickend. Einen geplanten Besuch des baden-württembergischen Ministerpräsidenten am Unternehmenssitz in Mulfingen hatte der Weltmarktführer für Ventilatoren kurzfristig abgesagt. Schlechtes Timing dafür, hieß es. Parallel hatte die Unternehmensführung bei ihrer Belegschaft innerhalb kurzer Zeit ungewöhnlich viele Daten zur Unternehmensleistung abgefragt. Wie üblich, wenn ein Kaufinteressent prüft, worauf er sich einlässt. Klar seien einige Mitarbeiter da stutzig geworden, sagt EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer im Interview mit der WirtschaftsWoche. Es habe intern „schon die ein oder andere Spekulation“ gegeben, über die er nur Stillschweigen habe bewahren können. „Aber selbst die, die glaubten, dass sie es wussten, haben es nicht gewusst.“ Industrie Ventilatorenspezialist EBM-Papst wird an US-Konzern verkauft Für knapp fünf Milliarden Euro geht der Ventilatorspezialist an Madison Air. Nach Viessmann kommt damit der zweite große Mittelständler in der Klimatechnik in US-Hände. von Catiana Krapp und Martin-W. Buchenau Der Grund für die Geheimniskrämerei: EBM-Papst soll verkauft werden. In die USA. 5,1 Milliarden Euro will der US-Konzern Madison Air für den deutschen Weltmarktführer zahlen. Es wäre der drittgrößte Verkauf eines deutschen Familienunternehmens ins Ausland, den es jemals gab. Deal im Eiltempo Umso erstaunlicher ist, wie schnell dieser Deal Beteiligten zufolge über die Bühne ging. Von den ersten Gesprächen bis zur Vertragsunterschrift am vergangenen Samstag vergingen demnach weniger als zehn Wochen. Gleichwohl: Ein möglicher Verkauf des Unternehmens ins Ausland sei bereits seit längerem Thema unter den bisherigen Eigentümern gewesen, sagt jemand, der an der Transaktion beteiligt war. Zudem bestand bereits eine Beziehung zwischen dem deutschen Weltmarktführer und seinem jetzigen Käufer: Madison-Tochtergesellschaften wie Nortek verbauen seit geraumer Zeit Ventilatoren aus Mulfingen in ihre Lufttechniksysteme. Gründer Larry Gies habe er in den vergangenen Jahren „schon oft auf Messen getroffen“, sagt Geißdörfer. Mit einem Bewertungsmultiple vom 17-Fachen des operativen Gewinns gilt der Verkaufszeitpunkt als perfekt gewählt – jedenfalls aus Verkäufersicht. Die drei bisherigen Eigentümerfamilien – die Nachfahren der Familien Sturm und Ziehl, die EBM-Papst 1963 gegründet hatten – erhalten einen Nettoverkaufspreis von 4,78 Milliarden Euro in bar. Branchenkreisen zufolge soll auch das mangelnde Interesse der Nachkommen, das Unternehmen weiterzuführen, Teil der Abwägungen rund um den Verkauf gewesen sein. Teilweise Entwarnung Dennoch reagierte die Belegschaft in Mulfingen auf die unerwartete Nachricht in dieser Woche auch erschrocken. EBM-Papst beschäftigt in Deutschland derzeit rund 5800 Mitarbeiter, weltweit sind es insgesamt mehr als 13.000. Entsprechend groß ist die Sorge um die Arbeitsplätze in Deutschland. „Gestern habe ich schon in einige verunsicherte Gesichter geblickt“, räumt CEO Geißdörfer ein. Investitionen in den USA „Kein Vergleich zu Deutschland“ Die Carolinas sind der Hotspot der deutschen Wirtschaft in Amerika. Wo Weltmarktführer bereits Gewinner sind, will jetzt auch die Nationalelf punkten. Der Standort Deutschland kann davon lernen. von Sonja Álvarez und Julian Heißler Der Kaufvertrag, der über das Portal der US-Aufsichtsbehörde SEC öffentlich einsehbar ist, verspricht den Mitarbeitern zumindest etwas Sicherheit: Mulfingen bleibt demnach dauerhaft Firmenzentrale und ein bedeutender Standort für Forschung, Entwicklung und Produktion. Madison plane zudem keine betriebsbedingten Kündigungen, „solange das Geschäft nicht in materielle Gefahr gerät“. Auch bestehende Tarif- und Betriebsvereinbarungen bleiben rechtlich bindend. Trotzdem treibt die deutsche Belegschaft das in den Ankündigungen des Deals häufig verwendete Stichwort „Synergien“ um – verbunden mit der Sorge vor Effizienzdruck. Jährliche Kosteneinsparungen von 160 Millionen Dollar innerhalb von drei Jahren seien nach der Übernahme fest eingeplant, heißt es seitens des neuen Eigners aus den USA. Wo genau gespart werden soll, werde sich erst in den kommenden Wochen in Gesprächen mit der Madison-Führung zeigen, sagt CEO Geißdörfer. Beruhigend klingt das für die deutsche Belegschaft nicht unbedingt. Geißdörfer hält dagegen: „Um das Thema Effizienz müssen wir uns als Unternehmen selber kümmern – ob mit oder ohne Madison. Am Ende müssen wir uns auf dem Weltmarkt durchsetzen.“ EBM-Papst musste zuletzt bereits in Mulfingen und Landshut Kurzarbeit anmelden. „Wachstumsstory – nichts anderes“ Geißdörfer ist 2021 als CEO bei EBM-Papst angetreten. Schon damals mit dem klaren Auftrag, das Geschäft in den USA weiter auszubauen. „Die USA sind ein extrem wichtiger Markt für uns – und werden es auch bleiben“, sagte der Unternehmenschef der WirtschaftsWoche im vergangenen Jahr. Nach Bekanntwerden der Übernahme bekräftigt er: „Das hier ist eine Wachstumsstory – nichts anderes.“ Geißdörfers Vertrag wurde erst kürzlich um mehrere Jahre verlängert. Er wird auch unter den neuen Eignern an Bord bleiben. Und will künftig „aus eins plus eins drei machen“, sagt er. Die Übernahme ergebe ein „perfektes Match“, entspreche einer „Win-Win-Situation für alle Beteiligten“. USA Amerika, du machst es besser Die USA feiern 250 Jahre Unabhängigkeit, ihren ­Erfolgswillen, Innovationshunger – und das beste Geschäftsmodell der Welt. Was können wir lernen? von Sonja Álvarez, Henrike Adamsen, Julian Heißler und weiteren Tatsächlich birgt der Deal Vorteile. Madison Air erwirtschaftet derzeit etwa 95 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika. Durch die Übernahme will sich der Konzern internationaler aufstellen und weitere Produkte aus seinem Portfolio besser in Europa vertreiben. EBM-Papst könnte derweil die nötige Infrastruktur erhalten, um die Produktion und das Servicegeschäft in den USA massiv auszubauen. „So schnell hätten wir das selber niemals schaffen können“, sagt Geißdörfer, dessen Unternehmen derzeit bereits zwei eigene Werke in den USA betreibt. Zudem wäre die neue US-Konzernmutter börsennotiert, womit der Deal den Mulfingern auch den Zugang zum US-Kapitalmarkt ermöglichen würde. „Mit Madison haben wir einen Partner gefunden, der genau versteht, was EBM-Papst ausmacht und was wir brauchen, um unsere Marktführerschaft weiter auszubauen“, betont CEO Geißdörfer. Er will den Umsatz im Kerngeschäft bis 2030 auf 3,4 Milliarden Euro steigern – ein Ziel, das durch die neue Partnerschaft deutlich früher erreicht werden könnte. Zumal besonders der US-Markt für die Kühlung von Rechenzentren als Wachstumstreiber gilt. Das Geschäft mit der Klimatechnik für Rechenzentren trägt bereits jetzt etwa 30 Prozent zum Umsatz bei. Und würde „perspektivisch sicherlich noch ein bisschen mehr werden“, sagt Geißdörfer. Umso mehr, da man durch den neuen Eigner künftig „auch von einem besseren Zugang zum US-Markt profitieren“ könne. Identität soll erhalten bleiben Doch bei allem Optimismus der Unternehmensführung: Der Verkauf von EBM-Papst in die USA markiert das Ende einer Ära, der sicherlich nicht alle in Baden-Württemberg gern lebewohl sagen. Darüber trösten auch nicht die knapp 400 Millionen Euro an Gewerbesteuer hinweg, die ein Verkauf in die USA der kleinen Gemeinde Mulfingen einbringen würde. Dass ein bekannter deutscher Weltmarktführer wie EBM-Papst jetzt in amerikanische Hände wandert, mag durchaus verstimmen. Was der Verkauf für das Unternehmen und seine internen Abläufe bedeutet, wird sich erst nach dem für Ende 2026 erwarteten Vollzug zeigen. Fest stehe: „Wir werden nach wie vor eigenständig als Unternehmen agieren, auch nach dem Closing“, sagt Geißdörfer. Tatsächlich ist Madison Air dafür bekannt, Beteiligungen an der „langen Leine“ zu lassen: Der US-Konzern agiere „wie ein Investor, der seine Investments und Portfoliogesellschaften dem Grunde nach bestehen lässt“, sagt ein Branchenkenner. Diesen Ruf habe er sich in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren vergleichbaren Übernahmen in der Branche erarbeitet. Auch die Marke EBM-Papst und die Identität des Unternehmens sollen gewahrt bleiben. „Die Kultur und das Erbe, das die Gesellschafterfamilien in Mulfingen und darüber hinaus aufgebaut haben, gehören zu den größten Stärken der Gruppe“, bekräftigte Madison-Gründer Larry Gies bereits anlässlich der Übernahmenews: „Wir werden beides bewahren.“ Dass der Deal noch scheitert, gilt als unwahrscheinlich. Zwar mag eine im Zuge des Deals vereinbarte „Break Fee“ als Zeichen für eine gewisse Skepsis aufseiten der Verkäufer gewertet werden. Sollte die Übernahme etwa noch am Kartellrecht scheitern, stünden den Familien 250 Millionen Euro Entschädigung zu. Allerdings: „Nur wenn man auf Basis einer rechtlichen Analyse ein gutes Gefühl hat, wird man in so eine Transaktion einsteigen“, sagt jemand, der an der Transaktion beteiligt war. Und das gelte umso mehr, wenn man als Käufer einer potenziell derart kostspieligen Klausel zustimme. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren