DAX -0,37 % 25.368,91 Pkt 10:00:44 MDAX -1,06 % 32.052,96 Pkt 10:00:47 Euro Stoxx 50 +0,19 % 6.260,90 Pkt 10:00:45 Dow Jones -1,18 % 51.594,14 Pkt 23:12:38 S&P 500 -1,31 % 7.316,15 Pkt 23:12:40 Nasdaq -1,96 % 24.442,94 Pkt 23:15:59 Nikkei +0,71 % 61.867,43 Pkt 08:45:03 Gold +1,71 % 4.103,60 USD 10:05:38 Silber -0,80 % 57,40 USD 10:05:46 Brent +1,55 % 92,15 USD 10:03:39 WTI +0,37 % 84,77 USD 10:05:47 Bitcoin +0,01 % 63.913,75 USD 10:15:43 EUR/USD +0,56 % 1,14510 USD 10:15:24 EUR/GBP +0,06 % 0,85740 GBP 10:15:47 EUR/CHF +0,14 % 0,93430 CHF 10:15:46 EUR/JPY +0,41 % 187,328 JPY 10:15:47

Ecosia und Qwant starten deutschen Webindex

Technologie

Das von Ecosia und Qwant gegründete Joint Venture European Search Perspective (EUSP) hat einen eigenen Webindex für Deutschland in Betrieb genommen. Neben dem Index haben die beiden Suchanbieter ein eigenes Ranking entwickelt, also Algorithmen, die Suchergebnisse nach Relevanz sortieren. Nach Frankreich ist Deutschland damit der zweite Markt, für den die EUSP Webinhalte auf eigener Infrastruktur erschließt. Weiterlesen nach der Anzeige Ein Webindex ist die technische Grundlage jeder Suchmaschine: eine durchsuchbare Datenstruktur, die erfasst, welche Seiten existieren, was sie enthalten und wie sie verknüpft sind. Bislang kontrollieren im Wesentlichen Google und Microsoft mit Bing diese Infrastruktur. Fast alle vermeintlich alternativen Suchdienste beziehen ihre Ergebnisse ganz oder teilweise von den beiden US-Konzernen oder vom ebenfalls US-amerikanischen Brave – auch Ecosia und Qwant selbst. Eine autarke Suchinfrastruktur ist ein Schlüsselfaktor für die digitale Souveränität Europas, auch in Bezug auf KI. Denn bei vielen Antworten, die ein Chatbot produziert, nutzt er die Ergebnisse einer Suchmaschine. Wohin die Abhängigkeit von US-Anbietern führen kann, zeigte sich im Juni: Auf Anweisung der US-Regierung musste das KI-Unternehmen Anthropic den Zugang zu seinen leistungsfähigsten Modellen Fable 5 und Mythos 5 für Nicht-US-Bürger aussetzen. Europäische Unternehmen und Behörden standen von einem Tag auf den anderen ohne die Systeme da. Qwant und Ecosia wollen sich aus der Abhängigkeit von ihren US-Zulieferern lösen. Dafür haben sie sich Ende 2024 zur EUSP zusammengeschlossen. Seit August 2025 speist der gemeinsame Index bereits Teile der Suchergebnisse von Ecosia und der französischen Suchmaschine Qwant. Den Start des europäischen Suchindex im August 2025 hatten Ecosia und Qwant damals als Meilenstein für mehr Pluralismus im Suchmaschinenmarkt angekündigt. Jetzt kommt der deutsche Index hinzu. Der Index enthält, ähnlich wie der französische, rund eine Milliarde Webseiten, sagte Ecosia-Geschäftsführer Wolfgang Oels im Gespräch mit heise online. Ecosia werde nicht sofort alle deutschen Ergebnisse aus diesem Index speisen, sondern nach und nach den Anteil der Ergebnisse aus dem eigenen Index hochfahren. Über die Schnittstelle Staan (Search Trusted API Access Network) können auch Dritte auf den Index zugreifen, etwa Suchmaschinen und KI-Anbieter. Im März 2026 hatte die EUSP in offenen Briefen an alle EU-Regierungschefs vorgeschlagen, nationale Suchindexe als öffentliche digitale Infrastruktur aufzubauen und Staan auf weitere Mitgliedstaaten auszuweiten. Für den schon länger im Betrieb befindlichen französischen Index gebe es mehrere Kunden, sagte Oels. Rückenwind aus Brüssel Oels verweist auf die EU-Kommission, die Google im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) verpflichtet hat, Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen: Das sei eine wichtige Grundlage, auf der die EUSP aufbaue. Ob Europa seine digitale Souveränität gewinne, hänge davon ab, dass die Kommission den DMA weiterhin konsequent durchsetze. Weiterlesen nach der Anzeige Nach Artikel 6(11) DMA muss Google als Gatekeeper im Suchmarkt Ranking-, Anfrage-, Klick- und Anzeigedaten zu fairen Bedingungen an Dritte weitergeben. Weil die Kommission Googles bisherige Umsetzung für unzureichend hielt, hatte sie im Januar 2026 ein Präzisierungsverfahren eröffnet, in dem sie selbst vorschreibt, wie der Konzern die Pflicht zu erfüllen hat. Auch in den USA steht Google unter Druck. Ein Bundesgericht in Washington DC hatte geurteilt, dass der Konzern sein Suchmonopol durch Exklusivverträge mit Apple, Samsung und Mozilla illegal aufrechterhalten habe, und ihn ebenfalls zur Weitergabe von Suchdaten an qualifizierte Wettbewerber verpflichtet. Gegen dieses Urteil hat Google im Mai 2026 Berufung eingelegt. An den Marktverhältnissen ändert der neue Index zunächst nichts: Google hält in Europa knapp 90 Prozent des Suchmaschinenmarkts, auf Mobilgeräten rund 95 Prozent. Mit dem deutschen EUSP-Index existiert nun aber erstmals eine Infrastruktur, mit der Suchmaschinenanbieter und KI-Dienstleister das deutsche und französische Web unabhängig von US-Anbietern suchen lassen können.

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