Ehemaliger Schüler stürmt Schule: Mehrere Verletzte nach Reizgas
Ein ehemaliger Schüler soll am Montag in Berlin-Kreuzberg die Refik-Veseli-Schule in der Skalitzer Straße gestürmt und Reizgas versprüht haben. Bis zu dreizehn Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sollen Atemwegs- und Augenreizungen erlitten haben und werden derzeit von Feuerwehr und Rettungsdienst behandelt, berichtet die Berliner Polizei auf Nachfrage.
Wie die Polizei auf Anfrage mitteilt, wurden die Einsatzkräfte gegen 10.30 Uhr alarmiert. Sie rückten aufgrund der unklaren Lage zu einem Großeinsatz aus. Der 18-jährige Tatverdächtige soll das Reizgas in den Räumlichkeiten der Schule versprüht haben. Einsatzkräfte haben anschließend das Schulgebäude evakuiert und mittels eines Drucklüfters maschinell belüftet.
Zwei Personen wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser transportiert. Bei den restlichen Betroffenen soll es sich nur um leichte Verletzungen handeln. Sie konnten nach einer ambulanten Behandlung nach Hause beziehungsweise in die Obhut der Erziehungsberechtigten entlassen werden, teilt die Feuerwehr mit. Sie war mit 23 Einsatzkräften vor Ort.
Der Ex-Schüler sei am Vormittag vor Ort festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Nach der Personenfeststellung ist er wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Das Motiv und auch der Tathergang sind bisher noch unklar.
Die Refik-Veseli-Schule entstand 2010 aus der Zusammenlegung zweier Hauptschulen, darunter die Eberhard-Klein-Hauptschule. Seit 2014 trägt sie den Namen des muslimischen Albaners Refik Veseli, der während der deutschen Besatzung mit seiner Familie jüdische Verfolgte versteckte und vor den Nationalsozialisten rettete. Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte wählten den Namen in einer Abstimmung.
Die Schule galt lange als Problemfall: Wenige Familien meldeten ihre Kinder an, fast 30 Prozent der Jugendlichen verließen sie ohne Abschluss. Von 2013 bis 2017 nahm sie am Programm „School Turnaround“ der Robert-Bosch-Stiftung und der Berliner Bildungsverwaltung teil. Fortbildungen, individuellere Lernangebote, mehr Schülerbeteiligung und die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe unterstützten den Wandel. 2017 war der Anteil der Jugendlichen ohne Abschluss auf zehn Prozent gesunken und die Zahl der Neuanmeldungen gestiegen.