Ehepaar erfährt nach 38 Jahren per App vom Job-Aus
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Deutschland
Ehepaar verliert gleichzeitig Job – von der Kündigung erfahren beide per App
Von: Martina Hunger
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Fast 40 Jahre arbeiten Simone und Jovica Pokrjac im selben Unternehmen. Dann trifft die Insolvenz auch sie: Beide verlieren gleichzeitig ihren Arbeitsplatz – und erfahren davon über eine Firmen-App.
Aachen – Fast ihr gesamtes Berufsleben haben Simone und Jovica Pokrjac im selben Unternehmen verbracht. Dort lernten sie sich kennen, wurden ein Paar und gründeten eine Familie. Nun stehen die 58-Jährige und ihr 56-jähriger Mann gleichzeitig ohne Arbeitsplatz da. Besonders bitter für die beiden: Dass sie zu den Betroffenen gehören, erfuhren sie über eine App des Unternehmens.
Hintergrund ist die Insolvenz der Ultinon Motion Germany in Aachen. Ende Juli wurde der Belegschaft bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass 100 von damals 243 Beschäftigten das Unternehmen verlassen müssen. Wer genau betroffen war, sollte anschließend über die Firmen-App erfahren.
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Nach Betriebsversammlung kommt die Nachricht per App
Am Donnerstag (30. Juli) wurden die Beschäftigten über den geplanten Stellenabbau informiert. Einen Tag später sollten sie um 15 Uhr in die App schauen, die im Betrieb unter anderem für Gehaltsabrechnungen und Arbeitszeitnachweise verwendet wird. Dort fanden Simone und Jovica Pokrjac schließlich die Nachricht, dass beide freigestellt werden. Für das Ehepaar kam die Entscheidung trotz der bekannten wirtschaftlichen Probleme überraschend. Nach fast 40 Jahren im Betrieb hätten sie nicht damit gerechnet, dass es sie beide treffen würde.
Besonders enttäuscht zeigten sie sich gegenüber dem WDR über die Art der Mitteilung. Es habe keine persönliche Verabschiedung gegeben. Die langjährigen Kollegen seien für sie über Jahrzehnte zu einer „zweiten Familie“ geworden. Wichtig ist dabei: Eine arbeitsrechtlich wirksame Kündigung kann in Deutschland nicht allein durch eine App-Nachricht erfolgen. Nach Paragraf 623 des Bürgerlichen Gesetzbuches bedarf die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses der Schriftform. Die App war in diesem Fall der Weg, über den die Beschäftigten zunächst von ihrer Betroffenheit erfuhren.
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Unternehmen steckt seit Anfang des Jahres in der Insolvenz
Ultinon Motion Germany geht auf einen traditionsreichen Aachener Industriestandort zurück. Das Werk gehörte früher zum Elektronikkonzern Philips und beschäftigte zu Spitzenzeiten nach Angaben des WDR rund 2000 Menschen. Nach mehreren Eigentümerwechseln schrumpfte die Belegschaft deutlich.
Anfang 2026 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Auch der US-amerikanische Mutterkonzern First Brands steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ende Juli zeigte der Insolvenzverwalter beim Amtsgericht Aachen zudem Masseunzulänglichkeit an.
Insolvenzverwalter Wolfgang Piroth erklärte gegenüber dem WDR, die Auswahl der betroffenen Beschäftigten sei gemeinsam mit dem Betriebsrat anhand der maßgeblichen Kriterien und arbeitsrechtlichen Vorgaben geprüft worden. Die Sozialauswahl sei mit großer Sorgfalt vorgenommen worden.
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Ehepaar mit schulpflichtigen Kindern muss neu anfangen
Für Simone und Jovica Pokrjac bedeutet die Entscheidung einen tiefen Einschnitt. Das Paar hat zwei schulpflichtige Kinder und muss sich mit Ende 50 beruflich völlig neu orientieren. Ob beide gegen die Kündigungen vorgehen werden, war zunächst noch offen. Eine Kündigungsschutzklage muss grundsätzlich innerhalb von drei Wochen nach Zugang einer schriftlichen Kündigung erhoben werden.
Jovica Pokrjac schreibt inzwischen Bewerbungen. Als gelernter Mechaniker und Elektroniker hofft er auf eine neue Stelle. Auch seine Frau sucht nach einer neuen Aufgabe und kann sich laut WDR unter anderem Tätigkeiten in Lager, Logistik oder Qualitätssicherung vorstellen.