Eichhorn: Leverkusen plant die Hinrunde ohne das Wunderkind
TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen Leverkusen – Eine Diagnose hat den Blickwinkel komplett verändert. Im Juni waren sie in Leverkusen glücklich, die Zusage von Kennet Eichhorn (17) bekommen zu haben. Das Wunderkind von Hertha BSC stand auf der Einkaufsliste vieler Spitzenklubs wie Liverpool, Manchester City, Real, PSG, FC Bayern, Dortmund und Leipzig ganz oben. Bayer bot das beste Gesamtpaket für eines der größten Talente seines Jahrgangs in Europa. Eichhorn, für den der Werksklub neun Millionen Euro Ablöse zahlte, sollte direkt als feste Größe in der Bundesliga durchstarten. Vergangenen Freitag wurden nicht nur die Erwartungen gebremst, sondern die Priorität verschoben. Diagnose führte zur Vollbremsung Der Mittelfeldspieler leidet unter einer Stoffwechsel-Erkrankung . Er fällt lange aus. Ausgelöst wurde die vorübergehende Schwäche durch einen Magen-Darm-Infekt Mitte Juli. Innerhalb von fünf Tagen nahm der Youngster fünf Kilo ab. Das Gewicht legte er trotz speziellem Ernährungsplan und dosiertem Training nicht wieder zu. Aus Sorge wegen der fehlenden Energie wurden detaillierte Gesundheitstests angestellt. Das Ergebnis führte zur Vollbremsung. Im Klub – und vor allem beim Spieler. Kein Zeitplan fürs Comeback Eichhorn entschied sich für eine stationäre Behandlung in einer Klinik. Dort soll der Erkrankung auf den Grund gegangen werden und Eichhorn wieder zu Kräften kommen. Die Bayer-Bosse nahmen unter besonderer Rücksicht auf das Alter des Juwels den Druck komplett raus. Es wurden keine Zielmarken für die Rückkehr ins Training oder zur Mannschaft aufgestellt. Ein Zeitplan für das Comeback existiert nicht. Der Teenie soll sich auf seine Genesung konzentrieren. Ohne Gedanken an die Ablöse und die sportliche Erwartung. „Kennet steht vor einer hoffentlich sehr langen Karriere auf höchstem Niveau. Wir werden ihn auf diesem Weg bestmöglich unterstützen“, sagt Bayers Sportchef Simon Rolfes (44). „Wichtig ist zum jetzigen Zeitpunkt, dass wir die richtigen Maßnahmen für seine Genesung eingeleitet haben und Kennet ohne Druck die notwendige Zeit und Ruhe für seine Behandlung erhält.“ In der Hinrunde plant Bayer ihn nicht ein Nach Informationen von SPORT BILD hat der Werksklub seinen neuen Jungstar aus der Kaderplanung für die Hinrunde herausgenommen. Wie lange es wirklich dauert, bis der zentrale Mittelfeldspieler eingreifen kann, lässt sich aktuell nicht seriös einschätzen. Womöglich ist das Top-Talent viel früher zurück, vielleicht auch nicht. Was nichts am grundsätzlichen Plan ändert. In Leverkusen sind sie überzeugt, dass sich lediglich Eichhorns Einstieg durch die Stoffwechsel-Erkrankung verzögert. Nicht aber, dass er begeistern wird, wenn er wieder gesund ist. Die Belastung wurde vorerst auf null reduziert. Erst wenn die Gewichts- und Kraft-Probleme identifiziert und durch eine Behandlung behoben sind, nimmt er wieder ein Programm auf, das ihn an die Profi-Mannschaft in Leverkusen heranführt. Kurios ist: Der Berliner Junge hatte vor dem offiziellen Trainingsstart bei seinem neuen Klub begonnen. Er freundete sich sofort mit Kollegen wie 30-Millionen-Einkauf Afonso Moreira (21) an. Am Tag des ersten Team-Trainings auf dem Rasen fehlte Eichhorn, weil er in Berlin die Führerscheinprüfung für das begleitete Fahren ablegte. Nach der Rückkehr am Tag darauf fühlte er sich wegen des Magen-Darm-Infekts schon schwach. Dann legte es ihn richtig flach. Als er sich besser fühlte, absolvierte er individuelles Training. Teils im Reha-Bereich innerhalb der Arena, teils allein auf dem Platz. Er hat bisher keine vollständige Einheit mit seinen neuen Kollegen absolviert. Verkaufs-Stopp wegen Ausfall Um die Lücke während der Hinrunde zu schließen, verkauft Leverkusen einen zentralen Mittelfeldspieler weniger. Ursprünglich war der Plan, dass Equi Fernández (24), Aleix García (29) und Robert Andrich (31) bei einem Wechselwunsch keine Steine in den Weg gelegt werden. Zwei der drei Stars hätten gehen sollen. Jetzt gibt der Tabellensechste der letzten Saison maximal einen der Spieler ab. Wahrscheinlich ist, dass Andrich eine neue Chance erhält. Er ist nicht nur ein defensiv denkender Spieler im Zentrum, sondern auch ein Anführer. García ist grundsätzlich nicht abgeneigt von einem Wechsel. Bisher klopfte nach SPORT BILD-Info aber kein Verein an, der seinen hohen Ansprüchen genügt. Fernandez blüht auf Fernández’ Verkauf war eigentlich schon beschlossen. Er hatte Ärger mit Ex-Trainer Kasper Hjulmand (54), fühlte sich nicht respektiert und nicht leistungsgerecht bewertet. Aus Frust verweigerte der Argentinier in der Rückrunde eine Einwechslung in der Schlussphase beim Spiel in Dortmund. Unter Neu-Trainer Carles Martínez (42) zeigt er eine viel größere Leidenschaft. Der Abräumer gibt Vollgas. Allerdings hat er den größten Markt aller Verkaufskandidaten. Über 20 Millionen Euro Ablöse gelten als realistisch. Die wird Bayer nicht aufs Spiel setzen. Schließlich sind sich Leverkusens Chefs sicher, dass Eichhorn zurückkehrt und ihm die Zukunft gehört.